Brasilien: Drogengang stürmt befriedete Favela in Rio de Janeiro

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Datum: 07. September 2011
Uhrzeit: 00:36 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
Autor folgen:
Sprachkurs Portugiesisch (Brasilianisch)
► Anwohner flüchten vor stundenlangen Schiessereien

Rund 50 Mitglieder einer schwer bewaffneten Drogengang haben nach Polizeiangaben am Mittwochabend Ortszeit in Rio de Janeiro ein Elendsviertel gestürmt. Die Banditen lieferten sich anschliessend stundenlage Feuergefechte mit Polizei und alarmierten Sicherheitskräften. Der Vorfall ereignete sich am Morro do Adeus in der riesigen Favela Complexo do Alemão im Norden der Millionenmetropole.

Das Viertel war im vergangenen Jahr in einer beispiellosen Aktion von Spezialeinheiten und Militär gestürmt und besetzt worden. Hunderte Kriminelle flüchteten damals in die Nachbarbezirke, zahlreiche Drogendepots wurden ausgehoben. Monate später wurden die Sicherheitskräfte durch eine so genannte Befriedungseinheit der Polizei (UPP) ersetzt. Doch immer wieder kam es in letzter Zeit in der Region mit immensen sozialen Problemen zu Zwischenfällen zwischen Anwohnern und den Beamten. Erst vor zwei Tagen war die Situation nach Bürgerprotesten erneut eskaliert, die UPP ging mit Gummigeschosse und Pfefferspray gegen die Bewohner des Viertels vor.

Bislang ist unklar, ob bei den jüngsten Zusammenstössen Tote und Verletzte zu beklagen sind. Dutzende Menschen flüchteten während der massiven Schusswechsel und versteckten sich in Häusern und Lokalen. Zahlreiche Straßen wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt. Immer wieder waren Schüsse aus Pistolen und Schnellfeuergewehren sowie Explosionen von Handgranaten zu hören. Die Aktion der Banditen sollte vermutlich der Rückeroberung verlorener Gebiete und der Vertreibung der dort stationierten Polizeikräfte dienen. Am späten Abend beruhigte sich allerdings die Situation, nachdem die Spezialeinheit Bope mit insgesamt elf Panzerwagen in das hart umkämpfte Viertel eingedrungen war.

Allerdings war auch gegen Mitternacht Ortszeit noch unklar, ob sich die Kriminellen in höher gelegenen Zonen verschanzt und versteckt hatten oder bereits in ein Nachbarviertel geflüchtet waren. Die Polizei riet den Menschen in der Region, ihre Häuser bis auf weiteres nicht zu verlassen und führte am Eingang der Favela intensive Personenkontrollen durch. Anwohner sprachen in ersten Reaktionen von einer schlimmeren Situation als bei der damaligen Befriedung des Viertels. Auch sollen nach bislang unbestätigten Meldungen bei der Aktion zahlreiche Menschen verletzt worden sein.

Anzeige
wandere aus, solange es noch geht

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie jetzt Fan von agência latinapress! Oder abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und lassen sich täglich aktuell per Email informieren!

© 2009 - 2016 agência latinapress News & Media. Alle Rechte vorbehalten. Sämtliche Inhalte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung und Verbreitung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung von IAP gestattet. Namentlich gekennzeichnete Artikel und Leser- berichte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für Einsendungen und Rückmeldungen bitte das Kontaktformular verwenden. Bildnachweis: Dietmar Lang/ALP

Dies könnte Sie auch interessieren

Kommentarbereich

Hinweis: Dieser Kommentarbereich ist moderiert. Leser haben hier die Möglichkeit, Ihre Meinung zum entsprechenden Artikel abzugeben. Dieser Bereich ist nicht dafür gedacht, andere Personen zu beschimpfen oder zu beleidigen, seiner Wut Ausdruck zu verleihen oder ausschliesslich Links zu Videos, Sozialen Netzwerken und anderen Nachrichtenquellen zu posten. In solchen Fällen behalten wir uns das Recht vor, den Kommentar zu moderieren, zu löschen oder ggf. erst gar nicht zu veröffentlichen.

Leider kein Kommentar vorhanden!

Diese News ist älter als 14 Tage und kann nicht mehr kommentiert werden!