Falsche Medienberichterstattung in und über Venezuela

Datum: 14. September 2011
Uhrzeit: 21:40 Uhr
Ressorts: Leserberichte
Leserecho: 9 Kommentare
Autor: Werner Siebert, Isla de Margarita (Leser)
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In Venezuela findet eine Volksverdummung und Manipulation statt, welche ihresgleichen sucht. Das schlimmste daran aber ist, dass bestimmte Webseiten diese Meldungen ungeprüft übernehmen und weiterverbreiten. Zum Teil ist dies verständlich, da die Hobby-Schreiberlinge aus dem heimischen Wohnzimmer in Europa berichten. Meines Erachtens wird dies aber gezielt und bewusst betrieben, um einen falschen Eindruck zu vermitteln. Dies ist aus Zeiten der DDR bekannt, die traurige Wahrheit kam nach dem Staatsbankrott derselbigen zum Vorschein.

Aus den unzähligen Beispielen möchte ich nur eine Tatsache herausgreifen. Am 13. September, um 15:21 Uhr Ortszeit, berichtete Agencia Venezolana de Noticias (AVN), staatliche Nachrichtenagentur Venezuelas unter Hugo Chavez Gnaden, dass “ mehr als 690.000 Menschen bisher die Isla de Margarita besucht haben“. Ebenfalls „wuchs der internationale Tourismus um 6%“. Die Agentur stellte fest, dass sehr viel einheimische Familien auf der Isla Urlaub machten.

Die Zeitung ReporteConfidencial.info, die nun wahrlich nichts mit dem Kranken aus dem Miraflores-Palast am Hut hat, gibt in ihrer Ausgabe vom 14. September bekannt, dass bis „Ende der Saison mit 593.000 Besuchern“ gerechnet werde. 96% der Besucher kommen dabei aus dem eigenen Land, 4% aus dem Ausland. Die bedeutet laut der Zeitung einen weiteren Rückgang. Der höchste Anteil an ausländischen Gästen wurde demnach im Jahr 2006 mit 24% verzeichnet, danach ging es steil bergab (2010 nur noch 11%). Die Zeitung stellte fest, dass sehr viele Jugendliche und Kinder die Insel ohne ihre Familien besuchten, da diese in Caracas arbeiteten.

Laut Salvador Núñez, Präsident des autonomen Instituts Corpotur Margarita, sanken die Charterflüge von Martinair, LTU, Condor, Air Transat, Avior, Avianca und Rutaca seit 2008 schrittweise. „Der Markt für Kreuzfahrtschiffe auf der Insel sank von 93 Schiffen in 2008 auf 58 im Jahr 2010“, so Núñez. Ebenso kommen bis zu 50% weniger Menschen mit dem Auto auf die Insel, da es Probleme mit den Fähren gibt. Zu den Fähren möchte ich bemerken, dass die Teile einfach nicht gewartet werden und ich selbst schon zwei Tage warten musste, bis ich übersetzen konnte.

Dies braucht mir allerdings kein linkes Komunistenblatt aus Berlin oder manipuliertes Staatsmedium zu berichten. Ich lebe hier auf der Isla und habe meine Sinne beisammen. Im Vergleich zu den Vorjahren herrscht hier gähnende Leere, nachts ist kein Mensch auf der Strasse. Urlauber und Hotels werden praktisch rund um die Uhr überfallen, ausgeraubt und sogar getötet. Dies ist hier die traurige Realität. Und von den verzweifelten Versuchen einiger Verblendeter, die ganz eifrig Meldungen aus der Staatspresse zitieren, ein kleiner Tipp: Koffer packen und hierher kommen.

Was man von den anderen Meldungen aus den staatlichen Medien halten soll, liegt auf der Hand. Mir wird Angst und Bange, wenn ich an die Wahlen im nächsten Jahr denke. Dass dort, wie bereits beim letzten Mal manipuliert wird, liegt auf der Hand.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Der Bettler

    Ja,ja die Fähren! Keine Fähre,keine Lebensmittel,keine Fähre,keine Baustoffe,keine Fähre,kein Benzin und kein Gas,und-und-und.Die Isla ist
    halt mal auf Fähren angewiesen.Fallen die in letzter Zeit immer mehr wegen Schaden aus, ist auf der Isla Versorgungsnotstand.Was sollen da
    noch Ausländer,wenn die Hotels ihre Gäste nicht mal versorgen können. Die Touristen auf der Insel sind fast ausschließlich Caracener,die fast alle Zweitwohnungen auf der Isla haben,und ihre Verpflegung selbst mitbringen. Da die zollfreie Insel fast schon teuerer wie auf den Festland ist, und es auch keinen guten Whisky mehr gibt, kommen die Leute vom Festland auch nicht mehr so häufig wie früher.Die Strände sind immer noch die gleichen, obwohl viele Strandlokale einer nach den anderen schließen. Wenn ich mit meiner Freundin am Strand bin, sind noch ein paar verstreute Schweizer, Österreicher und Deutsche am Playa Caribe zu einen Schwätzchen zu sehen, die auch fest auf der Insel leben. Ansonsten ist außer der Temporada gähnende Leere. Die meiste Zeit auf der Insel verbringt man sowieso damit seine Fressalien zusammen zu kaufen, das gut einen halben Tag braucht. Den Rest des Tages verbringt man, in dem man versucht Wäsche zu waschen und zu kochen, falls nicht der Strom wieder stundenlang weg ist. Abends dann Augangssperre, außer Mittwoch, da ist Stammtisch der Ausländer, wo wir dann mehrere Leute sind und nicht so überfallgefährdet. So sieht der Alltag auf einer Touristeninsel aus, die schon lange keine mehr ist, und vom unbeschwerten Urlaub kann man schon gar nicht mehr reden.

  2. 2
    burkhard gerlach

    mein tipp. einfach nicht herkommen und die die hier leben einfach gehen. das muss man sich doch nicht antuen. gibt doch schönere ecken auf der welt.

  3. 3
    Der Bettler

    Ich rede hier nicht von der Schönheit der Natur.sondern von den Umständen seit einigen Jahren, hier zu leben.So einfach mit dem abhauen
    ist es auch nicht.Das müßtest Du Burkhard doch auch wissen,daß man hier nichts mehr verkaufen kann.

  4. 4
    burkhard gerlach

    ich weiß nur eins das das ausgekotzen in diesem latina press zu nix nütze ist. wenn du was verkaufen willst solltest du mal drüber nachdenken.

    • 4.1
      Martin Bauer

      Nicht gerade diplomatisch formuliert, aber in der Sache völlig zutreffend. Jammern hilft keinem. Entweder man entscheidet sich zu bleiben, dann weiss man in etwa, was auf einen zukommt. Jedenfalls sollte man mit dem Schlimmsten rechnen. Oder schwere Entscheidung treffen, zu gehen. Was schmerzlicher ist, kann man vorher schwer sagen. Jeder muss da Für und Wieder für sich selber abwägen.

      Ich selber habe diese Entscheidung für mich noch nicht treffen können. Es ist also keineswegs so, dass ich souverän über den Dingen stehen. Vielmehr stecke ich – noch – in dem gleichen Dilemma.

  5. 5
    Der Bettler

    Ich würde sagen,ganz schön überheblich und großkotzig,
    als Deutscher.

    • 5.1
      la luna

      wen wunderts ?
      Herr G. ist doch selbst ne rote Socke……schon immer gewesen !!

  6. 6
    Gustavo

    Ich habe diese Zahl (700.000 Touristen) von einer oppostionellen Online-Zeitung.
    Wikipedia behauptet gar, dass im Jahr 2009 ca. 2,711 Mio. BesucherInnen den Touristenmagneten Isla de Margarita besuchten.
    Vielleicht bezieht sich die Opposition mit den 700.000 Touristen nur auf ein einziges Quartal?

    Isla de Margarita:
    * saubere Strände
    * keine Kriminalität
    * Duty-Free-Shops (Lebensmittel, Kleidung u. Elektrogeräte sind sehr viel billiger als auf dem Festland)
    * Freihafenstatus (keine Steuern an das venezolanische Finanzamt)
    * ständig steigende Touristenzahlen
    * Einwohnerzahl ist in den letzten 10 Jahren extrem angestiegen und schwankt (durch die Bewohner, die nicht das ganze Jahr hindurch dort leben) zwischen 430.000 und 650.000 Menschen

    Quelle: http://es.wikipedia.org/wiki/Isla_de_Margarita#Turismo

  7. 7
    Der Bettler

    Ach Gustav,gibs doch auf!!!!!!!

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