Auswandern nach Tobago: Don’t worry, be happy

airport

Datum: 27. Januar 2010
Uhrzeit: 13:22 Uhr
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Zu allem Unglück lief zu dieser Zeit auch meine eigene Aufenthaltsgenehmigung ab. Allerdings machten wir uns nicht all zu große Sorgen, denn ich war ja erst seit drei Monaten auf Tobago. Außerdem konnten sie uns ja nicht alle Beide zurück schicken, so dachten wir. Doch kurze Zeit später verließen wir die Immigration völlig verzweifelt und auch wütend. Man  hatte sowohl meinem Mann als auch mir grundlos den Stempel für eine weitere Aufenthaltsgenehmigung verweigert. Wir waren ratlos! Warum taten sie das? Unsere Argumente, dass wir Pferde hatten, die wir nicht ohne Aufsicht lassen konnten, und dass wir Bedenken hatten um die Sicherheit unseres Besitzes, wenn niemand da war, interessierten die Beamten nicht im geringsten. Sie taten, als ob sie unsere Bedenken überhaupt nicht verstünden und ihr einziger Kommentar war nur: “no extension“. Wir verließen die Immigration mit der Auflage, den nächsten Flug nach Deutschland zu nehmen, und der ging vier Tage später.

Ich war am Ende. Sollte jetzt alles aus sein, noch bevor es begonnen hatte? So hatte ich mir das Inselleben nicht vorgestellt. In der kurzen Zeit, die ich auf der Insel wohnte, hatte ich bereits so viel Betrübliches und so viele Rückschläge erlebt. Doch bisher hatte ich mich immer selbst damit getröstet, dass dies nur Anfangsschwierigkeiten waren, und dass sicherlich alles bald leichter und schöner werden würde. Nun jedoch wusste ich nicht mehr weiter. Ich konnte nicht anders als mich auf den Gehweg zu setzen, und meinen Tränen freien Lauf zu lassen.

Als ich mich ausgeheult hatte, wuchs in mir jedoch bereits wieder die Kämpfernatur. So einfach wollten wir es denen nicht machen! Auch mein Mann war  bereit, bis zum Letzten zu kämpfen. Eine andere Wahl blieb uns ja auch gar nicht. Wir hatten uns für die Insel entschieden. Alles was unser Leben ausmachte war hier, es gab für uns nur noch den Weg vorwärts, aber nicht zurück!

Zuerst brauchten wir einen Anwalt! Es musste der Beste von Tobago sein, koste es was es wolle. Es gab da einen, von dem wir schon gehört hatten, dass er sehr fähig, jedoch nicht billig sei. Es war bekannt, dass er schon mehrmals Ausländern in ähnlichen Situationen erfolgreich hatte helfen können. Umgehend liefen wir zum nächsten Telefonhäuschen, um in dieser Anwaltskanzlei anzurufen. Aufgrund der Dringlichkeit bekamen wir gleich für den Nachmittag einen Termin.

Nachdem der Anwalt sich unsere Geschichte angehört hatte, diktierte er ein Schreiben, mit dem wir nochmals zur Immigration gehen sollten. Dann fragte er uns, ob wir bereit wären mit unserem Fall an die Öffentlichkeit zu gehen. Wir waren zu allem bereit, da wir ja nichts mehr zu verlieren hatten. Auch den horrenden Preis, den er uns als Honorar für seine Arbeit nannte, akzeptierten wir. Er hatte vor, einen Fotografen und Reporter der lokalen Tageszeitung in seine Kanzlei einzuladen. Damit wollte er bezwecken, mit uns ein Exempel zu statuieren. Anscheinend waren wir nicht die Ersten, mit denen dieses Spiel der Ausweisung betrieben wurde.

Er erzählte uns, dies sei eine Strategie der Politiker. Ausländer wurden mit Versprechungen und Zusagen ins Land gelockt, erhielten so lange die Aufenthaltsgenehmigung bis sie ihre Häuser einigermaßen fertig gestellt hatten, dann jedoch wurde ihnen die Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung so lange verweigert, bis sie aufgaben, und ihre Häuser als Notverkauf  anboten. Diese Häuser gingen jedes mal spottbillig in den Besitz irgendwelcher Politiker aus Trinidad über. Das war also das Ziel dieser Schikanen. Wir beraumten für den nächsten Tag einen neuen Termin an, an dem die Presse teilnehmen sollte.

Unser Rechtsanwalt machte uns außerdem mit einem so genannten Broker bekannt. Dieser war jahrelang in Kanada bei der Immigration beschäftigt gewesen, und hatte aus dieser Zeit eine Menge Knowhow mitgebracht. Angeblich hatte er damit schon Ausländern wie uns bei ihren Problemen geholfen. Wir dachten, es könne nicht schaden, und nahmen jegliche Hilfe gerne an. Dieser Mann war  ziemlich empört, als wir ihm alles erzählt hatten. Er erklärte sich bereit, am nächsten Tag mit uns zusammen den Brief des Anwaltes bei der Immigration vorzulegen. Anscheinend war er den Beamten dort bekannt, weshalb er sich Chancen ausrechnete, uns helfen zu können. Dieser Mann strahlte so eine Zuversicht aus, dass wir voller neuer Hoffnung unseren Heimweg antraten.

Mit den beruhigenden Worten „Don’t worry, be happy“ verabschiedete er sich von uns.

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In „Abenteuer auf Tobago“ erzählt Solveigh Köllner von all den Abenteuern und Gefahren, aber auch von der einzigartigen Natur der Insel im karibischen Meer und den faszinierenden Eindrücken einer fremden Kultur.

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