Venezuela: Transportsystem im Sozialismus des 21. Jahhunderts

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Datum: 04. Oktober 2011
Uhrzeit: 07:52 Uhr
Ressorts: Leserberichte
Leserecho: 13 Kommentare
Autor: Heinz Müller, Caracas (Leser)
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Wohin der Sozialismus führt, kann der interessierte Beobachter im von Hugo Chávez an den Rand des Abgrund regierten Venezuela beobachten. Linken Schönrednern empfehle ich, das heimische Wohnzimmer in Europa zu verlassen und einige Tage durch den Nachbarstaat von Brasilien zu reisen. Reisen mit Zügen, Flugzeugen und Fähren sind inzwischen für viele Venezolaner zu einem Problem geworden und gleichen einem Abenteuerurlaub.

Nachdem über Jahre in einem beispiellosen Verstaatlichungswahn alles enteignet wurde, treten nun die Probleme zu Tage. 5 Notlandungen und ein Zugunglück mit einem Todesopfer und mehreren Verletzten zeigen einmal mehr die Probleme durch mangelnde Wartung und absolutem Unvermögen der Regierung. Wem dies noch nicht reicht, sollte einmal mit dem Auto durch Venezuela fahren. 80% der Straßen im Land befinden sich in katastrophalem Zustand und spiegeln ein exaktes Bild der Straßenverhältnisse in der ehemaligen DDR.

Nachdem die Fluggesellschaften des Landes verstaatlicht wurden, fliegen fast nur Uralt-Maschinen durch die Lüfte. Die Regierung hat 128 Millionen Dollar für die Erneuerung der Flotte aufgewendet, was bei internationalen Experten einen Lachanfall auslöst. Nach Insiderberichten dauert es aufgrund fehlender Devisen bis zu sieben Monate, um ein Ersatzteil aus dem Ausland zu bekommen. Bisher kam es in diesem Jahr nach Berichten unabhängiger Organisationen zu mehr als 70 Vorfällen, in jeder Bananenrepublik kann sich ein Reisender sicherer fühlen.

Im Mai wurde medienwirksam angekündigt, 230 Millionen Dollar in das Straßensystem zu investieren. Wahrscheinlich besitzen die Zufahrtstraßen zu den Prachtvillen der Regierungsmitglieder Vorrang, denn von den vollmundigen Versprechungen ist wie fast immer nichts zu sehen. Die Verkehrswege befinden sich seit fast sechzig Jahren in unverändertem Zustand, allerdings hat der Verkehr in dieser Zeit um rund 500 Prozent zugenommen.

Venezuela ist abgewirtschaftet, wie es schlimmer fast nicht geht. Wohin dies noch führen wird, bleibt abzuwarten.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Vagabundo Profesional

    Lieber Heinz Müller!
    Seit langem lese ich mich recht amüsiert durch deine Meckerseiten. Gerade zurück aus dem Land, nach lägerer Abstinenz.
    Ich sah volle Läden und wohlbeleibte Landsleute. Ich bin seit 35 Jahren in der großen weiten Welt unterwegs und viel in Venezuela. W o ist es denn bitte seit dem besser? Ich erinnere mich gut an meine Anfangsjahre als CAP gerade wiedergewählt wurde und die Nachfolgerierungen. Der Niedrergang war der allgemeine Prozess dem man zusehen durfte. Und 2002 musste ich meine eigenen Business dort einstellen, weil die Opposition das Land zum Stillstand brachte. Das wurde Streik genannt!

    War aber eine Aussperrung! Die sägten lieber den Ast ab, auf dem sie sassen, als was abzugeben. Natürlich kommt bis heute dazu, das Leute ihr Hemd lieber wechseln anstatt aufrecht zu sein – Helmuth Kohl wär(wenn er da geboren worden währe) auch in der DDR nur ein Funktionär gewesen, der mehr geschadet wie geholfen hätte und wahrscheinlich hätte er sich ohne Probleme wieder umgewandelt.

    Hugo Chavez ist gewöhnungsbedürftig, aber kein Popanz wie man hier gern vermitteln will. Ich traf genug Leute die Tage, die genauso wie bei uns mit Merkel ab nicht mit allem gleich fundamental im Clinch liegen. OK, solche Fortos zeigen was – aber ich bin in den letzten 14 Tagen ohne Verzug im Land 8x geflogen. Aber in Amsterdam hatte ich 3 hrs Extraaufenthalt wg einem technisch uneinwandfreien Jumbo – übrigens auch schon Anfang des Jahres in bei der selben Airline in Hongkong. War das eine internationale Meldung wert?

    80% der Strassen in einem miesen Zustand? Da erinnere ich mich an die Autopisto Caracas-Valencia 1988. Oh Gott. Her kriegen sie nicht mal mehr den Streudienst gebacken wenn´s etwas kalt wird.

    Ich sah zumindest La Guaira nicht wieder so grün, beplanzt, sauber und aufgeräümt seit der Tragedia. Es ist so einfach zu meckern, überall in der Welt. Aber fassen Sie sich bitte an den Kopf und beschreiben wann es in Venezuela wirklich besser war. Meine frau ist von dort und alle meine Kinder sind dort geboren, inkl. Enkel. Ich bin nur aus beruflichen Gründen nicht permanent vor Ort. Aber alt werden will ich nicht hier.

    Mit freundlichen Grüßen

    • 1.1
      Martin Bauer

      Wohl zuviel Tropensonne abgekriegt…? Machen Sie auch mal die Augen auf, wenn Sie in Venezuela sind? Oder lesen Sie nur die Regierungs Nachrichten?

    • 1.2
      afrika

      Sie schreiben wie ein kleiner dummer Tourist, mehr nicht. Wenn ich nur schon lese; „bin 14 Tage durch das Land gereist, ohne Verzug“
      klar, weil die fliegen hier mit ihren Kisten, bis sie runterkommen, und in europa wir ein Flug verzögert, wenn eine Fehlermeldung reinkommt.
      Wenn sie doch so viel bereist sind, frage ich mich, woher Sie denn noch die Zeit nehmen und schreiben?

  2. 2
    hombre

    Aufbegehren…Wo ist der letzte Stolz des venezuelanischen Volkes?

    • 2.1
      afrika

      Falscher Stolz, kann nicht aufbegehren! Ach ja, und wo es nichts gibt, worauf man stolz sein könnte, wird auch nocht aufbegehrt.

  3. 3
    Mach Racing Team

    Auch mir fällt auf, das nur mehr gemeckert wird. Beruflich war ich dieses Jahr 3 mal in Venezuela und habe keinen Grund mich zu beklagen. Es kommt immer darauf an in welchem District man sich aufhält, da gibt es so wie in anderen Ländern (auch in Europa) krasse Unterschiede. Ich kenne aber schon mehrere Districte von Venezuela und war überall zufrieden. Auch mit dem Flugzeugen in Venezuela hatte ich keine Probleme, im Gegenteil, wir sind immer angekommen zu der Uhrzeit wie es vorhergesagt war. Das kann man von Flügen in Europa nicht behaupten.
    Das CH nicht optimal ist weis ja jeder, aber welcher Politiker ist schon Optimal, ich würde gerne ein paar der hochnäsigen Regierungsvertreter in Europa, gegen CH eintauschen.
    Streiks von der Oposition bringen nichts, ausser das der Bevölkerung geschadet wird, das habe ich selber erlebt.

    Schade ist, das hier immer annonym geschrieben wird. wir haben diese Anonymität nicht notwendig. Traut sich denn keiner offiziell zu schreiben.

    • 3.1
      Martin Bauer

      Natürlich gibt es enorme Unterschiede, je nachdem in welchem Bezirk man sich aufhält. Nur mittlerweile ist man auch in den besten Zonen nicht mehr vor Überfällen sicher, selbst gute Restaurants werden gelegentlich überfallen und alle Gäste ausgeraubt.

      Wer heute geschäftlich nach Venezuela kommt – ich treffe viele solcher Menschen aus aller Welt – macht mit Chavista Geschäfte, oft ohne es zu wissen. Sämtliche Import-Export Geschäfte und neuere Projekte befinden sich längst in Händen treuer Chávez Anhänger. Oft sind dies gebildete, kultivierte Leute, die ihre Fahne nach dem Wind gehängt haben. Das Bild, das sie von Venezuela und seiner Regierung zeichnen, hat nichts mit dem zu tun, das die normalen Einwohner täglich erleben.

      Durch 3 oder 10 Geschäftsreisen erfährt man praktisch nichts über das Land und die Veränderungen hier in den Jahren unter Chávez. Hierzu muss man schon einige Jahre hier leben. Ich brauchte Monate, um zu begreifen, dass Chávez nicht nur nicht der Retter Lateinamerikas ist, sondern ein Ausbeuter und Diktator der schlimmsten Sorte.

      Grund, zu meckern, gibt es mehr als reichlich. Land und Volk haben fast alles verloren, was es einmal auszeichnete. Die Regierungen der 80er und 90er Jahre haben das Land an den Rand des Ruins getrieben. Chávez raubt und zerstört, was übrig blieb.

  4. 4
    Ossito

    wie schön daß wenigstens mach-racing-team nicht annonym ist. Wenn Du 3mal in diesem Jahr in Ven. warst, dann berichte wo und wann DU LÜGNER. Ich schreibe nicht annonym ich bin match-racing-team

  5. 5
    Mach Racing Team

    @Ossito
    So wie sie schreiben kann man sie nur als Trottel oder nicht intelligenten Menschen einstufen.

    • 5.1
      afrika

      Sag mal du pseudo Raicer, hast du denn überhaupt einen Pass, oder reist du noch mit Mamma? Als Trottel darf man dich ja wohl nicht bezeichnen, weil man sonst als Kinderschänder angeklagt wird.
      Also raice gemütlich mit deinem Plastikroller im wohnzimmer umher.
      Strizzi!

  6. 6
    Der Bettler

    Aber hallo,haben wir wieder neue Venezolanerkenner? Eines möchte ich
    mal klar stellen,Hr.Müller und Hr.Bauer haben 1000% recht mir ihrer Aussage.Ich lebe seit 15 Jahren auf der Isla,und muß festellen,daß das
    Land total am Boden ist.Von wegen volle Regale!! Reis,Maismehl,Öl,Milch
    nur schubweise zu bekommen.Wenn ein Mercado das mal hat stehen die
    Menschen Schlange und in 20 Minuten ist alles weg.Bei 1000 Enteignungen und Verstaatlichungen wird nichts mehr produziert in diesen
    Fabriken, Firmen,Rinderfarmen.Obst und Gemüse sauteuer,und nur Schrott.Stromversorgung unter aller S.. Ferrys oft Tagelang nicht zur Isla,
    keine Versorgung.In ein Centro de Salud würde ich nicht mal halb tot gehen.Aber das schlimmste überhaupt ist die Kriminalität. Raub Mord Tot-
    schlag an der Tagesordnung.Nichts ist mehr sicher,Hotels,Restaurants,
    kl.Tascas wird gnadenlos überfallen und ausgeraubt.Ich war übrigens 2002
    auch im Land bei den Generalstreik,der zu Recht stattgefunden hat.Was
    sich da das Militär und Chavistas geleistet haben,möchte ich nie mehr sehen.Das hat nicht den geringsten Vergleich mit Deutschland zu tun.
    Ratschlag,lebt mal durchgehend 1 Jahr in diesem Land dann könnt ihr
    nochmals eure Meinung schreiben. Buenas Tardes.

    • 6.1
      Martin Bauer

      Der Korrektheit halber möchte ich hinzufügen, dass in den Grossstädten, zumindest in deren besseren Lagen, eine Reihe von Supermärkten existiert, in denen man fast alles findet, was man an Lebensmitteln begehrt. Sofern man es bezahlen kann. Fleisch, Gemüse, Erdbeeren, Langusten, Steierisches Kürbiskernöl, Moet Chandon… alles da.

      Kakaopulver und Palmöl /(zum Kochen) dagegen sind schwer zu finden, obwohl nationale Produkte. Tatsächlich findet man beides nur in Chinesischen Märkten, importiert aus Malaysia oder Braqsilien, über deutsche oder holländische Firmen. Aus Venezuela gibt es fast nichts.

      Ich weiss, auf Margarita, in Kleinstädten und auf dem Land sieht es anders aus. Dort stellt man den Strom auch schon mal für 8 oder 48 Stunden ab, in den Metropolen nur 1-3 Stunden.

      Wer heute in Venezuela an Automobilsport auch nur denkt, hat diese Sorgen nicht. Das ist die Kaste der Blutsauger, die das Elend des Volkes zu verantworten hat. Und die rekrutieren sich immer mehr aus neureichen Chavista, denn aus alteingesessenen Oligarchen, die das Parteibuch gewechselt haben.

  7. 7
    Ossito

    Lieber matsch-walking.Ich kann Dir versichern, daß mein IQ höher ist als der eines Kühlschrankes. Also auch höher als Deiner.Si tacuisses philosophus mansises.

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