Venezuela: Die „Cambalache“ Müllhalde in Ciudad Guayana

Datum: 10. Oktober 2011
Uhrzeit: 18:37 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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► Deponie ist die einzige Erwerbsquelle der Indigenen

Jeden Tag, kurz nach Sonnenaufgang, gehen Müllsammler, abgemagerte Hunde und Raubvögel auf der Cambalache Müllhalde in der venezolanischen Stadt Ciudad Guayana auf die Jagd. Umgeben von giftigen Schwaden durchpflügen sie 900 Tonnen Abfall, welcher jeden Tag angeliefert wird. Kaum hundert Meter entfernt lagert giftiger Rotschlamm, ein Nebenprodukt der Erdölindustrie, die Hunderttausende von Tonnen Aluminium pro Jahr produziert. Die Ablagerungen, auch des Aluminiumschlackenstaubes, sickern in das Grundwasser und gelangen in den mächtigen Orinoco Fluss, der sich 40 Kilometer an der rund 850.000 Einwohner großen Stadt vorbeischlängelt.

Eine Abdichtung der Deponie kommt für die Behörden nicht in Frage und scheint ein Fremdwort zu sein. Seit Jahren sterben in der näheren Umgebung der Müllhalde die Kinder der armen Bevölkerung an Atemwegserkrankungen und Infektionen. Ciudad Guayana wurde offiziell 1961 gegründet und besteht aus dem alten Ort San Félix und der neuen Stadt Puerto Ordaz, die an beiden Seiten des Flusses Caroni liegen. In den Elendsvierteln von Puerto Ordaz leben rund 120 Familien der Warao, ein indigenes Volk in Südamerika, das in Venezuela im Flussdelta des Orinoco (gegenüber der Insel Trinidad) und den angrenzenden Gebieten lebt. Mit rund 30.000 Angehörigen sind sie die zweitgrößte indianische Ethnie im Land. Die Warao leben unter elenden Bedingungen, viele ihrer Kinder in und um Cambalache sterben an Magen-Darm und Atemwegserkrankungen.

Einige von ihnen werden einfach unter einem Baum begraben, ohne Sarg, wegen der extremen Armut ihrer Eltern. Der Müll auf der Deponie ist die einzige Erwerbsquelle der Indigenen, der Kampf mit den Truthahngeiern, Hunden und Ungeziefer gehört zu ihrem Alltag. Wenn der Wind aus Westen kommt, breitet sich der Rauch wie eine giftige Wolke über einen großen Teil von Ciudad Guayana aus. Immer mehr Ärzte schlagen inzwischen Alarm und sind besorgt über den rasanten Anstieg von Krankheiten wie Asthma und Lungenentzündungen.

„Durch die Mückenplage wird hier alles verseucht. Kinder und Erwachsene bekommen Lungenerkrankungen, sowie Haut-und Magen-Erkrankungen. Was soll mit diesem Loch gemacht werden? Laut den staatlichen Behörden war die Kapazität der Deponie bereits 2001 erschöpft. Dies interessiert allerdings niemanden. Sanierungspläne wurden versprochen- und nicht eingehalten“, empörte sich Ligia Andrade, Sprecherin des Gemeinderates in Cambalache.

Andrade und lokale Führer der Mitte-Rechts-Partei Primero Justicia (Gerechtigkeit Zuerst) glauben, dass die Deponie sofort geschlossen und durch eine Deponie viel weiter westlich ersetzt werden sollte. Das Umweltministerium will in den nächsten fünf Monaten einen Sanierungsplan für Cambalache implementieren und eine neue Deponie in El Pinar errichten. Der Plan sieht Ausgaben von 5,8 Millionen Dollar vor und soll in fünf Jahren abgeschlossen sein. Diego Díaz von der Umweltschutz-Organisation Vitalis gibt zu bedenken, dass Venezuela mindestens weitere 150 Müllhalden braucht. „Nur 10 Prozent der Abfälle wird recycelt und mehr als 80 Prozent belasten unsere Städte. Müll ist die Nummer eins der Umwelt-Probleme in unserem Land“, so Díaz.

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  1. 1
    Pit

    Verbrennungsanlagen würden helfen. Aber dazu fehlt wohl der Verstand der Verantwortlichen…

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