Survivalismus live

Das_Event

Datum: 29. Januar 2010
Uhrzeit: 15:15 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Überleben und Überlebenstechniken sind zu einem Spiel geworden, das haben auch die Anbieter von Erlebnissen entdeckt, wo gelangweilte Großstadtmenschen Abenteuer und Nervenkitzel kaufen und verschenken. Naturkatastrophen, Tsunamis, Military Survival ( SERE = Survival-, Evasion-, Resistance- and Escape-Training ) und Indianerkämpfe werden gekauft und gespielt, Begriffe wie Survivalismus und Survival-Training haben Eingang in Kopf und Duden gefunden.

MEIN Bedarf an solchen Spielen ist gedeckt, für uns galt es Ernst.

Ich warte in einem Hotel in Santo Domingo auf einen Flug nach Europa und kann indessen das Internet nutzen. Das Nachbarhaus ist nämlich die „Technologische Universität UTESA“, wohl der Local Provider. Was sich hier alles tut, ist unbeschreiblich. Es fehlt nicht an Drahtlos-Kanälen, und zu gewissen Stunden tummeln sich wohl tausende von Studenten auf den Netzen und sorgen für Abstürze und Rauswürfe zuhauf. Bis die Hunderte von e-Mails einigermaßen gelesen sind, dauert es Tage.

Mein lieber Schweizer Freund Thuri hat feinfühlig reagiert und zahlreiche ihm bekannte Adressen gebeten, auf nicht dringende Mails an mich zu verzichten, da damit wohl mein Computer blockiert würde. Wie recht er hat, und wie glücklich im Unglück, dass ich meinen Transportablen stets bei mir trage und er als einziges Rettungsobjekt aus meinem Haus geblieben ist!

Im Ausland hatte ich auch den Reisepass stets im Original bei mir mitgetragen, schon das ganze Leben lang. Hätte ich gemäss den offiziellen Warnungen und Ratschlägen nur eine Fotokopie mitgeführt, würde ich jetzt wohl noch in Haïti sitzen und wochenlang auf einen neuen Pass warten… Es gibt eben noch andere Risiken als Diebe.

In meinen Mails fand ich solche von Telecom, Rettungskette und „Swiss Humanitarian Aid“. Die suchten dringend einen Internet-Provider für den Raum Léogâne, der nahen Provinzhauptstadt mit wohl 10’000 Toten. Das hätte mich zwar sehr interessiert, aber leider besteht mein Haus mit Satellitenstation, Computertechnik und was dazu gehört nicht mehr, und ich selber bin wie gesagt schon im Ausland.

Ein befreundeter Informatiker schrieb mir dazu, in der reichen Schweiz ginge das etwa so: man suche einen Grossprovider und schließe mit dem Verträge über Daten- und Leitungskapazitäten ab und verbinde sein neues Geschäft mit einer kräftigen Standleitung mit diesem, dann kaufe man sich einen leistungsfähigen Server, einen Haufen Modems und suche Kunden, die Internet-Verträge über Tel-Leitung (ADSL) abschließen wollen. So ein Vertrag koste wohl seine 50 Fr/Monat, und man benötige Investitionen von einigen 10’000 Fr.

In dem zu 80-90% zerstörten Léogâne dürfte das schlimmer aussehen. Die Anbindung an Grossprovider sei in Haïti wohl kaum möglich, man müsse mittels Satellitenlink über die USA gehen. Über Telefon- und Handy-Netze sähe es ähnlich aus. Mein Freund meint, wenn wir beide 20 Jahre jünger wären und Röbi, Eddy und Anna dabei hätten (sie wäre die Social Relations Managerin) würden wir das hinkriegen.

Es waren auch liebe Hilfsangebote unter den Mails, sogar Häuser zum Wohnen, wenn die Rückreise nicht innert vernünftiger Frist möglich wäre.

Ich danke für all die freundlichen Vorschläge und werde zu Zeiten gerne auf den einen oder anderen zurückkommen. Sogar einzelne bisher unbekannte Leser haben mich in Santo Domingo aufgespürt, so der Kuba-Kollege und Redaktor von“caribation„, der mir sogar Winterkleider anbot. Warum das in die Hosen ging, erzähle ich morgen.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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