Gefängnisstrafe in Venezuela gleicht einem Todesurteil

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Datum: 09. November 2011
Uhrzeit: 15:35 Uhr
Leserecho: 4 Kommentare
Autor: Redaktion
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► Großangekündigte Maßnahmen kläglich gescheitert

Nach dem jüngsten Bericht der nichtstaatlichen Gefangenenhilfsorganisation ‚Observatorio Venezolano de Prisiones‘ (OVP) gleicht eine Gefängnisstrafe in Venezuela fast einem Todesurteil. Laut ihrem aktuellen Bericht wurden in den ersten zehn Monaten des Jahres 457 Häftlinge getötet, 1.061 Gefangene schwer verletzt. Die OVP weist darauf hin, dass der traurige Rekord aus dem Gesamtjahr 2010 mit 476 Todesfällen übertroffen werden wird.

„Wir gehen davon aus, dass dieses Jahr mehr als 500 Häftlinge ermordet werden. Dies ist ein trauriger Rekord für unser Land. Zwischen Januar und Juli wurden 309 Insassen in den Haftanstalten des Landes ermordet, im gleichen Zeitraum des Vorjahres 221“, teilte Humberto Prado, Direktor der NGO mit.

Die Situation ist nicht neu. Vollmundige Ankündigungen von Präsident Hugo Chavez und den unter staatlicher Kontrolle stehenden Medien, welche eine Verbesserung im Strafvollzug suggerieren sollen, werden durch Tatsachen widerlegt. Venezuelas Gefängnisse sind berüchtigt für ihr extremes Maß an Gewalt. Die blutigen Bandenkriege, Entführungen, Aufstände, Hungerstreiks wegen Überbelegung, schlechte Gesundheitszustände und Missbrauch, werden von staatlichen Medien fast immer totgeschwiegen. Diese passen nicht in das Bild eines blühenden Sozialismus, welcher allerdings nur in den Köpfen einiger Propagandisten spukt. Die Fakten in Venezuela sehen anders aus, das Straf- und Vollzugssystem des Landes beginnt zu kollabieren.

Die Gefängnisse des Landes wurden für etwa 12.000 Personen errichtet. Nach Berichten der OVP sind mehr als 46.000 Gefangene unter zum Teil menschenunwürdigen Bedingungen in den Zellen zusammengepfercht. In den vergangenen 10 Jahren hat die Regierung von Hugo Chavez nur zwei Gefängnisse mit einer Kapazität für 1.200 Häftlinge gebaut, allerdings mehr als 11 Milliarden US-Dollar für Waffen ausgegeben und mehrere Milliarden Dollar an „Bruder- und Schwesterstaaten“ verschenkt. Großangekündigte Maßnahmen, wie die Gründung eines eigenen Ministeriums für den Strafvollzug, scheiterten kläglich und dienten lediglich der Propagandamaschinerie. „Die Wahrheit sieht anders aus. 100 Tage nach der offiziellen Einführung des Ministeriums sind weitere 148 Insassen ums Leben gekommen“, so Prado.

Wie Präsident Hugo Chavez mit für ihn unangenehme Meldungen diesbezüglich umzugehen pflegt, zeigte ein weiterer Angriff gegen die wenigen noch unabhängigen Medien des Landes. Die staatliche Nationale Kommission für Telekommunikation (Conatel) verhängte eine Geldbuße von mehr als 2 Millionen US-Dollar gegen den oppositionellen Fernsehsender Globovisión, da dieser angeblich nicht korrekt über den Gefängnisaufstand in der Haftanstalt El Rodeo berichtet hatte.

Nach Angaben von María Fernanda Flores, Vize-Präsidentin von Globovisión, ist die verhängte Strafe für den Sender unbezahlbar und bedeute den Zusammenbruch des Kanals”. “Es gibt keinen Weg für uns, diese Strafe zu bezahlen. Wir werden in Berufung gehen und Gott um Gnade für dieses Land bitten”, so Flores. “Wir berichteten während der Gefängnisrevolte wahrheitsgemäß über die Ignoranz des Rechtssystems und des Versagens der öffentlichen Ordnung. Nun werfen sie uns vor, Unruhe unter den Bürgern gestiftet zu haben. Dies zeigt den Hass und die Intoleranz aus politischen Gründen”, erklärte die Vize-Präsidentin.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Paterchon

    Hier hilft nur noch eins!!! Weg mit diesen Wahnsinnigen!!!!!!!

  2. 2
    Martin Bauer

    Aber bitte, habt doch Nachsicht mit Hugo! Dieser ist doch jetzt vollauf mit der Rechtssprechung und dem Strafvollzug in Frankreich beschäftigt, damit seinem lieben „Carlos“ dort kein Haar gekrümmt wird. Er wacht nun persönlich über die Einhaltung der Menschenrechte in Frankreich. Das ist doch was! Wie kann er sich auch noch um Strafgefangene in Venezuela kümmern?

    Und falls die Franzosen seinen strengen Anforderungen an Recht und Gerechtigkeit nicht genügen, wird er sie natürlich mit aller Härte zur Verantwortung ziehen. Da werden sich drei Korvetten der Marine und 5.000 Fischerboote vom Drogenschmugel für eine Weile zurückziehen, für eine Landung in der Normandie. Luftwaffe und Heer müssen leider zuhause bleiben, mangel Fähigkeit, einen Ozean zu überqueren. Das macht aber nix, wenn man den Degen Simon Bolivars dabei hat. Der wird die gesamte NATO mir nichts dir nichts aufmischen…

    • 2.1
      Heinz

      Sie haben den bolivianischen Indianerhäuptling vergessen. Der kommt acht Monate später hinterher, da er Schwierigkeiten hatte, mit seinen Lamas die Anden zu überqueren.

  3. 3
    Pit

    So ein Quatsch „kommt einem Todesurteil gleich“. Wer sowas schreibt hat wohl keine Ahnung vom Ländchen… Geht nach Youtube und sucht „Venezuelas Prison Paradise“. Den Jungs geht es dort besser wie zu Hause. Alles da: Parilla, Drogas, Putas etc….

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