Ex-Diktator Noriega soll Sonntag an Panama ausgeliefert werden

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Datum: 08. Dezember 2011
Uhrzeit: 17:34 Uhr
Ressorts: Panama, Panorama
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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► Ex-Diktator seit 22 Jahren in USA und Frankreich in Haft

Panamas Ex-Diktator Manuel Noriega wird vermutlich am Sonntag unfreiwillig in sein Heimatland zurückkehren. Die Überführung soll mit einem Iberia-Flug erfolgen, mit der Ankunft wird gegen 17:30 Uhr Ortszeit gerechnet. Dies gab Panamas Außenminister Roberto Henriquez per Twitter bekannt. Erst im November hatte ein französisches Gericht die Auslieferung des Despoten genehmigt, nun bereiten sich die Behörden auf die Rückkehr des heute 77-jährigen vor, der jahrelang auf der Gehaltsliste des US-Auslandsgeheimdienstes CIA stand.

Der Ex-General hatte das zentralamerikanische Land von 1983 bis zu seinem Sturz durch die USA im Jahr 1989 mit eiserner Hand regiert und dabei Millionen an US-Dollar ins Ausland geschafft. Zudem war er massiv in den Drogenhandel verstrickt, was vermutlich von der CIA toleriert wurde, da die USA über Panama heimlich Waffen an die Contra-Rebellen in Nicaragua lieferten. Die unterschlagenen und illegal erwirtschafteten Gelder soll Noriega vornehmlich in Luxus-Immobilien im Ausland investiert haben.

Seit 22 Jahren sitzt der ehemalige „Chef der Nationalgarde“ in US-amerikanischen und französischen Gefängnissen ein. Nur fünf Tage nach seiner Ernennung zum Regierungschefs Panamas am 15. Dezember 1989 begann eine Invasion der US-Streitkräfte. Noriega, der aufgrund seinen Verbindungen zum organisierten Verbrechen als „nicht mehr tragbar“ angesehen wurde, suchte zunächst in der Botschaft des Vatikans Zuflucht. Am 3. Januar 1990 stellte er sich schließlich den Invasionstruppen und wurde in die USA geschafft.

Zwei Jahre darauf verurteilte ihn ein US-Gericht zu 40 Jahren Haft, das Strafmaß wurde später auf 17 Jahre reduziert. Danach wurde er nach Frankreich überstellt, wo er 1999 in einem Geldwäscheverfahren zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Im Jahr 2010 reduzierte ein französisches Gericht in einem weiteren Verfahren die Haftstrafe auf sieben Jahre, nun gab Frankreich einem Gesuch Panamas auf Auslieferung statt.

Auch in Panama war Noriega in Abwesenheit verurteilt worden. Ein Gericht sah ihn unter anderem des Mordes an einem Dissidenten für schuldig und verhängte 1993 eine Haftstrafe von 20 Jahren. Zusammen mit Verurteilungen aus anderen Mordfällen und Korruptionsanklagen summieren sich die Haftstrafen mittlerweile auf 54 Jahre. Durch seine Überstellung am kommenden Sonntag können diese nun endlichg vollstreckt werden. Der derzeitige panamaische Präsident Ricardo Martinelli hatte in Vergangenheit betont, dass der ehemalige Machthaber „direkt ins Gefängnis“ wandere. Ob Noriega jedoch tatsächlich ein ordentliches Gefängnis von Innen sieht oder aufgrund seines Alters direkt unter Hausarrest gestellt wird, ist bislang unklar.

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