Wildwest-Reise in Haiti

Altebrücke

Datum: 21. Januar 2012
Uhrzeit: 10:31 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Dieser Reisebericht kommt etwas spät, zu spät, wie Ihr feststellen könnt. Dies wegen eines technischen Unfalls, solche können auch mir passieren. Da waren plötzlich alle Fotos weg, zu hunderten, und zwar auf dem Computer wie in der Kamera. Mein lieber Freund Andreas in Zürich, von Beruf Informatiker, hat die Situation wieder einmal gerettet. Er hat einen zuständigen Chip glücklich herausgefischt und mit einem Undelete-Programm wiederbelebt, und siehe da: die Hunderte waren wieder da. In Haïti ist eben alles möglich, mit Magie – oder importierter Technik. Aber natürlich gab das noch mehr Verspätung, besonders, weil wir erst etwa am 10. zurückkehrten aus dem Tiburon, dem Wilden Westen.

Aber zuerst müssen wir einmal hin. Von unterwegs ein paar Eindrücke. Dezentralisierung war ja ein erstes Anliegen. Die scheint fürs Erste gelungen. Nur, wie die Nahrungsmittelverteilung über ein so unermessliches Gebiet funktionieren soll, ist mir allerdings mehr als ein Rätsel. Auch Arbeit gibt es hier ja keine. Die Zersiedlung ist perfekt. Die meisten Zeltlager sind verschwunden, tausende neuer Wohnbaracken zerschandeln die Landschaft, zeigen aber dass auf ein paar Jahre hinaus die Hilfe greift.

Bis Miragoâne geht es heute einwandfrei. Der Umweg über die steile Umfahrungspiste über den steigenden See kommt nicht mehr unter die Räder, der See von Miragoâne wurde autogängig gemacht, das Abenteuer der Flösserei fällt weg. Nach der üblichen Stadtum- und -durchfahrung folgt allerdings eines der üblichen Wunder. Eine neue Küstenstrasse bis nach Jérémie ist im Bau, das bisher ja auf katastrophenträchtigen Booten erreicht werden musste, die immer wieder tausende von Menschenopfer forderten.

Die neue Strasse ist auf Dutzende von Kilometern fertig, eine breite, prachtvolle Betonstrasse verläuft schnurgerade durch die Landschaft und ist irgendwo vor Petite Rivière de Nippes abrupt fertig. Von hier aus erfreut man sich noch des Abenteuers der ursprünglichen Piste, an den Fundamenten zahlreicher zukünftiger Brücken vorbei. Vorläufig muss man sich noch ohne behelfen und die zahlreichen Fluss-Durchfahrten riskieren Vierradantrieb und Differentialsperre kommen noch voll in Einatz.

An den Abzweigungen der steilen Wege in die Höhe steht manchmal das Haus eines Pferde- oder Maultierzüchters, der seine Tiere als Transporter vermietet. Von einer solchen Maultierstation aus reite auch ich noch eine oder zwei Stunden höher, durch eine herrliche Bergvegetation, bis zum Berghäuschen der Eltern von Melissa auf der östlichen, der Mutter Mystals auf der westlichen Talseite. Andere Tiere buckeln das Material. Die Jungen gehen zu Fuss, so wie es sich gehört.

Der hiesige Fuhrhalter ist auch zugleich Brotbäcker: gleich neben dem Haus steht sein urtümlicher Backofen, in dem das Brot für die Talleute entsteht. Es ist herrliches Brot. Im Übrigen stellt der Ritt keinerlei Anforderungen. Der Brettersattel wird durch Decken etwas ertäglicher gemacht, am mühsamsten ist mit der Zeit das Sichhalten an den hölzernen „Griffen“.

In den nächsten Folgen werde ich etwas von dort oben berichten, denn es gibt noch andere Überraschungen.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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