Brasilien: Welttag gegen die Lepra
Stigmatisierung muss abgebaut werden
Zum am letzten Sonntag im Januar stattfinden Welttag gegen die Lepra haben die Gesundheitsbehörden und Organisationen die Zivilgesellschaft mobilisiert und zu einer nachhaltigen Prävention aufgefordert. Sie verlangen ein Ende der Diskriminierung von Menschen, die an der chronischen Infektionskrankrankheit leiden. Durch die Zusammenarbeit aller weltweit tätigen Leprahilfswerke in der sogenannten ILEP (International Federation of Anti-Leprosy Associations) ist die Lepra heute zwar nicht ausgerottet, jedoch unter Kontrolle.
Brasilien gehört zu den Ländern, in denen die Lepra noch ein Problem darstellt. Die Zahl der Neuinfektionen ist zwar stark zurückgegangen, allerdings verzichten viele Erkrankte aus Angst vor Stigmatisierung auf die Behandlung eines Arztes. Im fortgeschrittenen Stadium führt Lepra zu Fehlbildungen des Gesichts, der Hände und Beine, welche das Aussehen des Infizierten beeinträchtigt.
“Der Patient hat Angst von der Voreingenommenheit der Öffentlichkeit. Wir müssen diese Stigmatisierung abbauen und den Menschen vermitteln, dass Lepra eine behandelbare Krankheit und nicht eine Strafe Gottes ist”, erklärte Marcos Franco, technischer Berater vom Nationalen Zentrum für kommunale Gesundheitsfürsorge (Conasems). Artur Custódio, Koordinator der Bewegung für die Wiedereingliederung von Menschen mit Lepra (Morhan) erinnerte daran, dass seit Jahrzehnten Hunderte von Kindern wegen der Vorurteile gegen die Krankheit von ihren Eltern getrennt wurden.
Betroffen von dieser Krankheit sind besonders die Ärmsten, da die “Leprosy” eine typische “Armutskrankheit” ist. Bis in die späten 1970er Jahre verlangte ein Gesetz die obligatorische Inhaftierung von Menschen mit Lepra in einer Kolonie, oder in speziellen Krankenhäusern. Bereits vor ihrer Einweisung mussten die Patienten ihre Kinder in Erziehungsanstalten abliefern. “Es war die größte elterliche Entfremdungsaktion, die jemals in Brasilien stattgefunden hat”, so Custódio.
Nach offiziellen Angaben des Ministeriums für Gesundheit gab es im größten Land Südamerikas im vergangenen Jahr 34.894 neue Fälle von Lepra. Dies bedeutet einen Rückgang von 15% im Vergleich zu 2010 (30.298 Fälle). Trotz der Reduzierung nimmt Brasilien hinter Indien (125.000 neue Fälle pro Jahr) den weltweit zweiten Platz bei den Neuerkrankungen ein. Die Zielvorgabe der Vereinten Nationen von weniger als einem Fall pro 10.000 Einwohner will Brasilien im Jahr 2015 erreichen.
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