Argentinien: Fortschritte bei der Sanierung des Río Matanza-Riachuelo
Greenpeace Argentinien teilt die allgemein positive Sicht nicht
Zum ersten Mal in mehr als 200 Jahren zeichnen sich sichtbare Fortschritte bei der Sanierung des Río Matanza-Riachuelo ab. Der 64 km lange und übelriechende Fluss in der Provinz Buenos Aires gilt als das am höchsten belastete Gewässer in Argentinien, zu den gefährlichsten Schadstoffen gehören Schwermetalle und Schmutzwasser aus den nicht mehr aufnahmefähigen Bodenschichten des Stromgebietes.

Mehrere Umweltschutzorganisationen berichteten von Verbesserungen der Umweltbedigungen im 2.240 km² großen Stromgebiet, obwohl die Erhöhungen der Qualität weitgehend oberflächlich bleiben. Der Wasserlauf empfängt große Mengen an Industrieabwässern von den 12.000 Unternehmen entlang seiner Ufer, besonders von Färbereien und Schlachhöfen. Chemische und metallurgische Anlagen leiten seit Jahren ihre umweltschädlichen und mit Quecksilber, Blei und Chrom angereicherten Abwässer in den Fluss. 1993, während der Regierung von Carlos Menem, präsentierte die Umweltministerin María Julia Alsogaray ein Dreijahresprojekt, um den Riachuelo zu säubern. Das mit 250 Millionen Dollar budgetierte Projekt wurde jedoch nie vollendet, lediglich 1 Mio. Dollar wurde für den eigentlichen Zweck verwendet.
Seit Ende 2010 wurden allerdings Fortschritte bei der Reinigung des bei Buenos Aires in den Río de la Plata mündenden Flusses registriert. Gesunkene Schiffe wurden entfernt, die Bevölkerung an den am stärksten belasteten Abschnitten umgesiedelt. Rund 10.000 Händler wurden aus der Gegend vertrieben, die Ufer des Río Matanza erholen sich langsam und verwandeln sich in öffentlichen Raum für die Bevölkerung zurück.
Rund 30 von insgesamt 117 Müllhalden wurden eliminiert, Bäume gepflanzt und eine Straße durch das bis vor kurzem undurchdringliche Gebiet gebaut. Von geschätzten 12.000 umweltschädlichen Firmen reichten 400 Pläne zur Verbesserung ihrer Infrastruktur ein. Die Behörden veranlassten die Schließung von 360 Unternehmen, die sich nicht an die Umweltauflagen hielten.

Inzwischen sind die amtlichen Stellen allerdings mit einem anderen Dilemma konfrontiert. Offiziellen Zahlen zufolge benötigen rund 400.000 Menschen medizinische Behandlung als Folge des Lebens in den am stärksten verschmutzten Gebieten des Einzugsgebiets. Diese Personengruppe kann nicht warten, bis die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind. Durch ein historisches Urteil im Juli 2008 waren sie die eigentlichen Initianten für die Beseitigung der Altlasten. Der Oberste Gerichtshof Argentiniens reagierte auf eine Klage von 114 Einwohner des Einzugsgebiets und wies die Regierung zur Ausarbeitung eines endgültigen Sanierungsplanes für das Gebiet an.
Im Jahr 2009 wurden die Sanierungsarbeiten auf rund 1,5 Milliarden Dollar geschätzt. Die Weltbank gewährte Argentinien zur Erstellung eines Flächennutzungsplanunges, für den Bau der Wasserversorgung und Kanalisation, Kläranlagen und Pumpstationen; einen Kredit von 840 Millionen Dollar. Die Arbeit an den Wasser-und Abwassersystemen hat noch nicht begonnen, weshalb die Mittel noch nicht ausgezahlt wurden.
Greenpeace Argentinien teilt die allgemein positive Sicht der Sanierungsbemühungen nicht. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation wird immer noch zu viel Giftmüll im Fluss entsorgt, zudem seien die Grenzen der gesetzlichen Regelung unvereinbar mit der Topographie des Gewässers. Da der Fluss fast kein Gefälle aufweist, gleicht er eher einem See, der die Giftstoffe speichert. Folglich ist das ultimative Ziel von Greenpeace eine “Null-Abwasser-Politik”.
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