Lateinamerika: Staatenbündnis ALBA – Zufluchtsort für Diktatoren und Putschisten

Datum: 16. Februar 2012
Uhrzeit: 20:33 Uhr
Ressorts: Leserberichte
Leserecho: 3 Kommentare
Autor: Linus Bracher, Venezuela/Ecuador (Leser)
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Die Bolivarianische Allianz für die Völker unseres Amerika – Handelsvertrag der Völker (ALBA) ist ein wirtschaftliches und politisches Bündnis von derzeit acht Staaten Lateinamerikas und der Karibik. Dem Bündnis, das eine Alternative zur von den USA geplanten gesamtamerikanischen Freihandelszone ALCA darstellen soll, gehören Antigua und Barbuda, Bolivien, Dominica, Ecuador, Kuba, Nicaragua, St. Vincent und die Grenadinen und Venezuela an. Beim elften ordentlichen Gipfeltreffen der ALBA am 5. Februar 2012 verabschiedeten die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten einstimmig eine Resolution, durch die Santa Lucia und Suriname den Prozess zur Erlangung der Vollmitgliedschaft in der solidarischen Gemeinschaft Petrocaribe beginnen, um anschließend auch Vollmitglieder der ALBA zu werden. Ebenso wie Haiti gelten sie ab sofort als „Ehrengastmitglieder“.

Durch die geplante Mitgliedschaft von Suriname wird ein weiteres illustres Mitglied in das Bündnis aufgenommen, in der bisher der Diktator aus Kuba und der Volkstribun aus Venezuela die erste Geige spielten. Desiré Delano Bouters, seit dem 12. August 2010 Präsident von Suriname, hat eine beachtliche Karriere hinter sich. Der ehemalige Sportlehrer beim Militär, Putschführer und Oberbefehlshaber der Armee, gilt als eine der umstrittensten Persönlichkeiten in der jüngeren Geschichte Surinames.

Die negativen Höhepunkte seiner Laufbahn waren die „Dezember-Morde“ von 1982, der Bürgerkrieg von 1986 bis 1992 und das Massaker in dem Ndyuka-Dorf 1986 („Moiwana-Morde“). Daneben wurde er mehrfach der Verwicklung in illegale Drogengeschäfte bezichtigt. Im Juli 1999 wurde er in den Niederlanden in Abwesenheit zu elf Jahren Gefängnis wegen Kokainhandels verurteilt. Die Niederlande haben einen Internationalen Haftbefehl gegen Bouterse erwirkt, wodurch ein Verlassen seines Heimatlandes für ihn praktisch unmöglich war. Seit Antritt des Präsidentenamtes genießt Bouterse Immunität; der Haftbefehl darf nach Völkerrecht nicht vollstreckt werden. Sohn Dino steht seinem Vater in Sachen Kriminalität in nichts nach. Im August 2005 wurde er in Paramaribo wegen aktiver Mitwirkung an internationalem Drogenhandel und Waffenschmuggel zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Bouters ist als damaliger Oberbefehlshaber der Armee einer der Hauptangeklagten der Dezember-Morde im Fort Zeelandia. Dort wurden am 08. Dezember 1982 fünfzehn prominente Oppositionelle (darunter mehrere Anwälte und Journalisten) erschossen. Der heutige Präsident bestreitet alle Vorwürfe und macht den Kommandeur des ausführenden Militärbataillons für die Taten verantwortlich. Dieser kann zu den Vorwürfen allerdings keine Stellung mehr nehmen, da er 1996 verstarb.

Da Bouters den Despoten aus Venezuela und Kuba ebenbürtig ist, könnte das international bedeutungslose Bündnis bald mit einer Troika aufwarten. Diese dürfte allerdings genau so „erfolgreich“ sein wie die von Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping.

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  1. 1
    Martin Bauer

    So langsam bin ich am überlegen, auch mal einen Staatsstreich anzuzetteln und mir anschliessend die Taschen mit Millionen und Milliarden zu füllen, im Namen des Volkes und von der Justitz geschützt. Als Kapitalist und Unternehmer, der für sein Geld hart arbeiten muss, kommt man sich doch bescheuert vor, wenn man im Vergleich zu diesen Helden des Sozialismus immer ein armer Schlucker bleibt.

    • 1.1
      peterweber

      Hoffen wir nicht, dass diese Banditen noch lange am Tresen sitzen. Solange aber die Weltgemeinschaft schweigt und duldet (wie im Moment in Syrien) wird sich an der Qualität der Lebensqualität auf unserem Planeten nicht viel ändern.

  2. 2
    Der Bettler

    Die Alba ist doch genauso bedeutungslos wie alles was Hugo anleiert.
    Ihr Papiergeld (Cruzeros oder so ähnlich) können sie nur unter den Mitgliedstaaten verwenden und ist genau so sinnlos. Aber das Öl lässt er sich immer noch mit $ bezahlen.

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