Kuba: „Feind des Internets 2012“

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Datum: 12. März 2012
Uhrzeit: 11:21 Uhr
Ressorts: Kuba, Kultur & Medien
Leserecho: 13 Kommentare
Autor: Redaktion
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► Venezuela nicht mehr unter Beobachtung

Die international tätige Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hat zum Welttag gegen Internetzensur am 12. März den aktuellen Bericht über die „Feinde des Internets“ veröffentlicht. Er beschreibt Staaten mit massiver Online-Überwachung und dokumentiert deren Kontroll- und Zensurmaßnahmen. ROG zählt unter anderem Kuba zu den Feinden des Internets, Venezuela steht dagegen nicht mehr auf der Liste der „Länder unter Beobachtung“.

Folgende zwölf Staaten zählt Reporter ohne Grenzen zu den Feinden des Internets: Bahrein, Belarus, Birma, China, Kuba, Iran, Nordkorea, Saudi Arabien, Syrien, Turkmenistan, Usbekistan und Vietnam. Nach Angaben von ROG werden Online-Inhalte in diesen Ländern stark gefiltert, kritische Blogger und Online-Journalisten ausfindig gemacht und unter Druck gesetzt. Die Liste der „Feinde des Internets“ ist im Vergleich zum Vorjahr weitgehend gleich geblieben. Neu hinzugekommen sind in Bahrein und Belarus. Dort hat sich die Lage stark verschlechtert.

Vierzehn Staaten stellt ROG im aktuellen Bericht „unter Beobachtung“. Dazu gehören Australien, Ägypten, Eritrea, Frankreich, Indien, Kasachstan, Malaysia, Russland, Südkorea, Sri Lanka, Thailand, Tunesien, Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Am Montag, 12. März, zeichnet die Organisation einen Blogger oder Online-Journalisten für sein Engagement für Meinungsfreiheit im Internet mit dem Netizen-Preis aus. Er wird am Abend in Paris verliehen. Nominiert ist unter anderem Leonardo Sakamoto von der Nicht-Regierungs-Organisation „Reporter Brasilien“. Er ist Mitglied der Nationalen Kommission für die Beseitigung der Sklavenarbeit (CONATRAE).

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Peter

    Die ROG sollte vielleicht auch die technischen Limits Kubas berücksichtigen. Internetverbindungen sind derzeit nur über Satelliten möglich, was sehr viel kostet. Das Glasfaserkabel nach Venezuela ist erst im Ausbau und da muss Kuba gegen die korrupten Beamten in den eigenen Reihen kämpfen.
    Inwieweit das Internet zensuriert wird, erschließt sich mir nicht (und auch der Dissidenten-Nimbus der Yoani Sanchez ist nur noch eine Pose); Kubas Jugend hat zumindest in gehäuftem Maße Zugriff auf diverse Weblogs, Datingseiten, Gaydatingseiten, sie legen Profile an, greifen über caribbeantransfers auf Geld zu, chatten in amerikanischen Foren, etc … Das die verfügbare Bandbreite über Sat limitiert wird, kann und wird stimmen, immerhin müssen da an erster Stelle Universitäten, Akademien, Krankenhäuser und Behörden bandbreitenmäßig versorgt werden.

    Aber für ein bisschen kubabashing reichts natürlich allemal, einen Wischiwaschiartikel zu verfassen …

    lg/Peter

  2. 2
    Boris

    Das Unterseekabel hält leider nicht was versprochen war, es ist von schlechter Qualität. Ich finde es ein Stück Demagogie von einem 3-Welt-Land Internet zu fordern, die haben ganz andere Probleme! Ekelhaft!

    Aber in Kuba gibt es ein eigenes Facebook, extrem viele Informatik-Studenten, Linux-Betriebssystem, ein kubanischen Wiki … Im übrigen braucht eine Planwirtschaft vernetzte Comptutersysteme auch um die Bürokratie flach zu halten…

    • 2.1
      Linus Bracher

      Dias ist nicht korrekt. Das Kabel wurde noch nicht mal installiert. Dies ist üblich in kommunistischen Systemen–nichts funktioniert. Keine Kohle und Blödheit der Regierung. Sinnigerweise kam das Kabel aus Venezuela. Dort ist die Regierung genauso verblödet wie in Havanna.

      • 2.1.1
        Boris

        Das Kabel ist verlegt und von schlechter Qualität!

  3. 3
    Martin Bauer

    Ich weiss zwar nichts über die Qualität des Kabels. Aber der gesamte Internetverkehr Venezuelas läuft über Kuba. Das kann man per TraceRoute leicht verfolgen. Und die Kubaner bieten nicht nur ihre Technologie der Überwachung und Zensur als Exportartikel an, die haben auch von Miraflores den Auftrag, sie anzuwenden.

    Glücklicherweise gibt es ja Kommunikationssdienste, deren Verschlüsselung bisher ungeknackte Nüsse sind. Aber was ich schreibe, dass können die roten Schnüffler ruhig lesen: „Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand‘.“

  4. 4
    Peter

    Martin,

    entschuldige, aber das ist ein so hanebüchener Unsinn, was Du da schreibst … Und wie kommt bitte schön das Internet auf Kuba, damit es von dort über das zusammengepfriemelte Kabel nach Venezuela kann? Glaubst Du ernsthaft, Kuba würde die sündteuren Sat-Gebühren zahlen und dann Venezuela versorgen? Geh bitte!

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kuba#Seekabel_von_Venezuela
    http://latina-press.com/news/50901-internet-glasfaserkabel-wird-venezuela-mit-kuba-verbinden/
    http://amerika21.de/nachrichten/2010/11/16456/internet-kuba-kabel
    http://www.bbc.co.uk/news/world-latin-america-12411845
    http://de.euronews.com/2011/02/10/ein-kabel-fuer-kuba-internet-3000-mal-schneller/

    Und bitte: Wenn man Traceroutes nicht lesen kann, sollte man es mit Donald Duck Heften versuchen und nicht gegen ein bis zum Elend blockiertes Land polemisieren.

    • 4.1
      Martin Bauer

      Wie gesagt, zu dem Kabel kann ich mich nicht äussern. Da weiss ich nur, was die Presse meldet, wie in deinen Links. Meine eigenen Erfahrungen sind wie folgt:

      Vor einigen Monaten hatte ich massive Probleme im Zugriff auf meinen geschäftlichen Webserver in Deutschland, weshalb mein diesbezüglicher Dienstleister mehrere Prüfungen vor nahm. Dabei sandte er seine TraceRoute Daten zu mir und ich die meinen zu ihm. Das Ergebnis waren 2 verschiedenen Routen. Dabei lief die eine über die USA nach Deutschland, die andere über Kuba und von dort zurück zu einem nicht identifizierbaren Knotenpunkt in Venezuela und danach normal, wie der erste Weg, über die USA nach Deutschland. Letzterer war unerträglich langsam. Der zwischengeschaltete U.S. Netzbetreiber der Atlantikkabel gab auf Nachfrage an, dass sein Einfluss erst ab dem letzten Verlassen von Venezuela einsetzt. Die Auswertung und Beurteilung stammt nicht von mir, sondern von besagtem Dienstleister, einer deutschen Firma, deren Geschäft das Betreiben von Hochverfügbarkeits-Internet-Servern für Firmenkunden ist. Ich lese tatsächlich lieber Donald Duck Hefte, als solche technischen Protokolle.

      Kurz darauf machte ein anderer Webspace Provider aus Kanada ebenfalls TraceRoute Tests mit ähnlichem Ergebnis: Er kam sehr gut zu mir durch, während der Weg zu seinem Server an jenem besagten Knotenpunkt in Venezuela völlig blockiert wurde. Der Inhaber dieser kanadischen Firma bestätigte auch die Auswertung der deutschen Firma.

      Die Information, dass das Internet Venezuelas von Kubanern kontrolliert wird, stammt vom aktuellen Präsidenten Venezuelas. Vielleicht hat er ja den Mund zu voll genommen? Aber die Typen müssen dazu nicht unbedingt in Kuba sitzen. Wir haben ja genug von denen im Land. Die oben beschriebenen Beobachtungen allerdings lassen den Schluss zu, dass dies doch, zumindest zeitweise oder stichprobenartig, in Kuba geschieht und hierzu die Daten einfach von Venezuela nach Kuba und wieder zurück geschickt werden. Dies würde auch die widersprüchlichen Meldungen über den Betriebszustand des Kabels erklären, wenn es tatsächlich eher der Kontrolle des venezolanischen Internet Verkehrs diente, als den Kubanern.

  5. 5
    Peter

    Hi Martin,

    Donald Duck Hefte sind allemal netter zu lesen als trace Protokolle :-)
    Ich kann jetzt natürich in Ermangelung neuer Traces keinen Gegenbeweis dafür liefern, was Dir Deine Domain/Web Hoster zu erzählen. Nur ist es so, dass das, was Du hier berichtest, technisch gesehen jeder Logik entbehrt. Ich arbeite seit über 15 Jahren in der IT und bin auch mit Netzwerkrouting befasst gewesen. Allein schon die tatsache, dass es von Südamerika einen sehr starken Netzwerkbackbone in die USA gibt, und dort unzählige Supernodes existieren, lässt Zweifel aufkommen, dass irgendein vernünftig konfigurierter Router den Netzwerkverkehr stattdessen über die einzige Schwachstelle in der Karibik schickt. Kuba ist sozusagen ein Endnode, von dem aus es nicht weitergeht, es sei denn, man will sich mit Zwang und Druck über eine irre teure Sat-Verbindung einbuchen.

    Vollkommen logisch aus Netzwerksicht wäre es, wenn Kuba die Sat-Verbindungen kündigt und statt dessen auf das Kabel zugreift, das es mit Venezuela verbindet.

    Es gibt auch in Süd- und Mittelamerika unzählige Supernodes, die wiederum mit starken Backbones verbunden sind. Wenn jetzt also der venezuelanische Präsident behauptet, Kuba hätte die Herrschaft über Venezuelas Internetzugang, dann hat er entweder keinen Schimmer davon, was er redet, oder er lügt bewusst. Oder, was natürlich auch sein kann: seine Worte wurden bewusst falsch und manipulativ ausgelegt.

    Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, ich würde in Bausch un Bogen Kuba verteidigen, mir geht es hier rein um den technischen Widersinn, Venezuelas Netzwerkverbindung ginge über Kuba. Das ist so, als würde der Wagon die Lokomotive ziehen :-)

    lg/Peter

    • 5.1
      Martin Bauer

      Peter, ich stimme mit dir völlig überein, auch wenn ich nur professioneller Internet Nutzer bin, kein IT-Experte. Nur, Gegenbeweise kann man schlecht antreten, da jede weitere Probe bestenfalls belegen könnten, dass Daten einmal nicht über Kuba geschickt wurden, nicht aber widerlegen, dass dies zumindest zeitweise geschieht bzw geschah.

      All die Jahre, die ich in Venezuela lebe, funktionierte das Internet bestens, wenn nicht gerade der Strom fehlte. Seit mehreren Monaten ist es so sehr gebremst und stockend, dass ich meinen Geschäftsbetrieb teilweise gefährdet sehe. Niemand in Europa zeigt Verständnis, wenn die Übertragung von 5GB fast 20 Stunden dauert. Der zeitliche Zusammenfall mit der Installation des Kabels beweist wohl nichts, ist aber ein weiteres Indiz für das, was die TraceRoute Protokolle belegen.

      Erfahrungsgemäss sind die Prioritäten von Diktatoren, egal ob linker under rechter Couleur, andere als die der Ökonomie oder wirtschaftlicher Effizienz. Und die Bedürfnisse des Volkes interessieren sie einen Dreck. So werden die Internet Daten aus Venezuela nicht nach Kuba und wieder zurück geschickt, um irgend etwas zu verbessern, das den Menschen dient. Vielmehr stehen dahinter ausschliesslich die paranoiden Sicherheitsbedürfnisse eines sterbenden Despoten, sowie die finanziellen Interessen der Machthaber in Kuba, welche aus Venezuela Milliardenhilfen erhalten, für die Knebelung und Drangsalierung des venezolanischen Volkes.

      • 5.1.1
        Boris

        Die „Knebelung und Drangsalierung des venezolanischen Volkes“ können Sie sich mal am Stadtrand von Caracas ansehen. Für die hat eine Bürgerliche Regierung nie etwas getan. Aber Unternehmer sind eben Kapitalisten, die sich nur für ihren Profit interessieren und dabei keine gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wollen. Es sei denn man zwingt sie dazu! Stimmts?

        Zur Funktionsweise des Kabels kann ich nichts sagen, es klingt aber abenteuerlich. Sicherheitsbedürfnisse hat sicher jeder, wer aber die Eigentumsverhältnisse verändern will, der bekommt von der herrschenden Klasse Probleme. Ob in Kuba, Bolivien oder Venezuela, denn Privateigentum ist für euch ein Gottesgesetz. Für ein paar Bananen hat die USA in Guatemala einen Stellvertreterkrieg geführt, dem 200000 Menschen zum Opfer fielen. Ohne diesem Geschehen wäre die Revolution in Kuba nicht denkbar gewesen. Und gegen die Veränderung der Eigentumsverhältnisse hat der k. Staat sicher etwas einzuwenden, und das ist gut so. Ein starker Geheimdienst ist mir recht. Schließlich machen bürgerl. Staaten nichts anderes.
        Sie verwechseln klassisch Ursache mit Wirkung, aber daum geht es ihnen ja auch, die Regierung zu diskreditieren! Und genau deshalb habt ihr in Kuba keine Chance mehr! Gut So!

  6. 6
    Martin Bauer

    Ich verwechsle gar nichts. Habe mich zu dem Thema heute schon an anderer Stelle auf dieser Website geäussert. Aber der Jargon der „roten Faust der Arbeiterklasse“ verfängt bei mir nicht. Die linken Weltverschlechterer sind wie Stechmücken, mit genau den gleichen Absichten. Deshalb sind sie auch genauso beliebt.

    • 6.1
      Linus Bracher

      und deshalb gehört diese Brut genau wie die Stechmücken ausgerottet.

      • 6.1.1
        Martin Bauer

        Ist nur leider bei den Steckmücken auch noch nicht gelungen. Deshalb hör ich trotzdem nicht auf, sie platt zu machen, wenn sie mir zu nahe kommen. DIe Natur bringt ja Vieles hervor, was auf den ersten Blick als unschön oder störend empfunden wird, aber letztendlich doch einen Sinn und Daseinsberechtigung hat. Aber bei denen kann ich einfach nichts dergleichen entdecken.

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