Papst Benedikt XVI. soll Hoffnung nach Kuba bringen

Datum: 20. März 2012
Uhrzeit: 17:06 Uhr
Ressorts: Editorial
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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► Klares Bekenntnis zu Menschenrechte und Meinungsfreiheit gefordert

Es bleiben nur noch wenige Tage, bis Papst Benedikt XVI. aus Mexiko kommend den kommunistischen Boden Kubas betritt. Mit Spannung wird erwartet, was er zu sagen hat. Zu dem unmenschlichen Regime und seiner unterdrückten Bevölkerung. Hoffnung wolle er vermitteln, so erste vorsichtige Äusserungen aus dem Vatikan. Aber vielleicht will er auch der dortigen Kirche ins Gewissen reden, die sich in der Vergangenheit zu oft den Despoten in Havanna annähern musste, um überhaupt noch helfen zu können.

Diejenigen, die offen gegen das Castro-Regime ankämpfen, werden die Worte des heiligen Vaters vermutlich nicht vernehmen. Wie die politischen Gefangenen oder die „Damen in Weiss“, die immer wieder niedergeknüppelt und zeitweilig weggesperrt werden. So dürfte es auch in den kommenden Tagen erneut zu einer Verhaftungswelle auf Kuba kommen. Den Machthabern ist es egal, was die Weltöffentlichkeit denkt, wie ausländische Medien darüber berichten. Wichtig ist nur, dass auf der abgeschotteten Insel die dortigen Menschen so wenig wie möglich vom Widerstand mitbekommen.

Der Glaube vermag laut der Bibel Berge zu versetzen, doch diese göttlichen Naturgesetze gelten auf Kuba nicht. Die Knüppel der Staatspolizei sind allgegenwärtig, um den Wunsch nach Freiheit aus den Andersdenkenden herauszuprügeln. Dieses Schicksal könnte auch den 13 Dissidenten blühen, die sich in einer Kirche in Havanna verschanzt hatten und auf die Hilfe des Pontifex hofften. Die Sicherheitskräfte hatten die Protestaktion kurzerhand beendet – auf Bitten den Kirchenführung! Denn diese hatte kurzerhand erklärt, dass niemand das Recht habe, die Kirchen der Karibikinsel in „politische Schützengräben“ zu verwandeln.

Bleibt zumindest zu hoffen, dass der „deutsche Papst“ seine politische Verantwortung kennt und zudem am vergangenen Sonntag Zeit gefunden hat, in seine Heimat zu schauen. Dort sprach der frisch gewählte Bundespräsident Joachim Gauck von „Freiheit“, die vielen Menschen heute schon zu selbstverständlich erscheint. Den Kubanern ist sie fremd. Und hier sind klare Worte seitens den Oberhauptes der katholischen Kirche gefordert. Politische Worte wohlgemerkt. 749 kubanische Menschenrechtler fordern dies ganz offen in einem Brief, und zahllose Christen weltweit werden diese Hoffnung auf ein deutliches Bekenntnis solidarisch in ihre Gebete mit einschliessen.

Denn dies ist die Hoffnung die bereits jetzt besteht. Hoffnung auf die wenn auch begrenzte Macht des Vatikans, selbst Diktatoren an den Pranger stellen zu können. Fernab der fast ekelerregenden Diplomatie, die in den vergangenen Wochen und Monaten ein mehr als verstörendes und fast freundschaftliches Bild zwischen Kuba und dem heiligen Stuhl gezeichnet hat. Wenn die deutlichen Worte in Hinblick auf Menschenrechte, Religions- und Meinungsfreiheit sowie Demokratie beim Papstbesuch ausbleiben, dann hat die Kirche endgültig versagt. Versagt, den Menschen zumindest das Gefühl geben zu können, ihnen wirklich helfen zu wollen.

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Die Kolumne von latinapress Herausgeber Dietmar Lang – Gedanken und Erfahrungen über das Leben in Lateinamerika und der täglichen Berichterstattung von Nachrichten aus Südamerika und der Karibik.

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  1. 1
    peterweber

    Eine schlimmere Heuchlerband wie die katholische Kirche, kann auf unserer Welt vergebens suchen……… sie ist „EINZIGARTIG“

    Alles was unangeneh ist, wird unter den Teppich gekehrt, darum läuft es sich in den heiligen Hallen in Rom so weich!

    – Kinder-Missbrauch
    – Geldwäscherei
    – Missachtung der Menschenrechte
    – Unterdrückung und Verfolgung

    und viele mehr!

    • 1.1
      Martin Bauer

      Dem kann ich mich nur anschliessen. Wer tatsächlich glaubt, dass Gott der katholischen Kirche ein Mandat verliehen hat, ihn auf Erden zu vertreten, der soll mir bitte erklären, wozu man dann noch einen Teufel braucht? So schlecht kann er es mit der Menschheit nicht meinen.

      Verständnislos bin ich vor allem über die Milliarden von Mitglieder, die sich treu und dämlich als Mitgliedschaft hergeben, da von ihren Eltern ohne zu fragen im Kindesalter eingekircht, die ohne zu denken ihre Kirchensteuer zahlen oder gar noch Geld spenden. So jemand hat kein Recht, sich über Diktatoren und deren Unterstützer zu empören.

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