Vereint mit der Natur auf Tobago

Marlon_Zaun

Datum: 08. Februar 2010
Uhrzeit: 16:22 Uhr
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Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Wäre unser Zaun in der Lage gewesen zu sprechen, er hätte Geschichten erzählen können. Denn bereits vor diesem Brand wurde schon einmal ein Anschlag darauf verübt. Einer unserer Arbeiter hatte sich betrogen gefühlt, zu wenig Lohn erhalten zu haben. Jeder wusste, dass dieser Buschmann ständig Drogen nahm. Nachdem mein Mann ihm vorgerechnet hatte, dass er alles bekommen hatte, was ihm zustand, rastete er total aus. Er war ein guter Arbeiter, groß, kräftig und konnte schuften wie ein Tier. Bloß wenn er unter Drogen stand, war mit ihm nicht gut Kirschen essen. Also rannte er wie ein wild gewordener Stier eben an diesem Zaun entlang und fuchtelte unkontrolliert mit seiner Machete herum. Er drohte und beschimpfte uns. Natürlich hatten sich bereits wieder ein paar Nachbarn zu ihm gesellt und ihn noch angeheizt. Vermutlich um seiner Wut etwas Luft zu machen, fing er plötzlich an, mit der Machete den Zaun zu zerstören. Da platzte mir dann doch der Kragen. Ich ließ mich nicht mehr zurück halten und rannte zum Zaun, baute mich vor ihm auf und schrie ihn an. Der Kerl war fast zwei Köpfe größer als ich, und so gesehen ein richtiger Schrank. Im nach hinein war mir klar geworden, wie gefährlich diese Aktion für mich hätte werden können. Vor  Angst zitterte ich zwar am ganzen Körper, aber ich hatte auch eine riesige Wut. Wie konnte er es wagen, unsere Arbeit zu zerstören. Als er mich so außer mir vor sich stehen sah, glotzte er mich eine Weile ganz entgeistert an, drehte sich dann abrupt um und verschwand. Vermutlich hatte auch er bemerkt, wie grotesk die Situation war. Dieser Mann war fast zwei Meter groß, drohte mit der Machete und war ganz außer Kontrolle. Da stellte ich mich mit meinen 46 kg scheinbar furchtlos vor ihn hin, und hatte den Mut, diesem Riesen Einhalt zu gebieten. Auf jeden Fall hatte ich Erfolg. Er stellte seine Zerstörung ein, und wir konnten wieder mal den Zaun reparieren. Aber erst mal hatten wir wieder Ruhe.

Derselbe Mann hatte jedoch auch seine gute Seite wenn er keine Drogen konsumierte. Kurz nach diesem Anschlag auf unseren Zaun klopfte er eines Nachts an unsere Tür. Über seiner Schulter hing ein großer Sack. Darin befanden sich jede Menge abgeschnittener Zweige von verschieden blühenden Büschen. Er wusste, dass ich am Zaun entlang gerne solche blühenden Büsche pflanzen wollte. Um mir eine Freude zu bereiten war er kurzerhand nachts in einen Park geschlichen und hatte mit der Machete die Zweige abgeschlagen. Am nächsten Morgen kam er wieder und half mir, sie einzupflanzen. Die meisten hatten schnell gewurzelt und ein paar Monate später war daraus eine hübsche blühende Hecke gewachsen.

Wir hatten auch noch andere wunderschöne Erlebnisse. Ein Nachbarjunge führte uns zu einem Wasserfall im Dschungel, unweit unseres Hauses. Mit gutem Schuhwerk wanderten wir von unserem Haus aus in den Busch hinein. Der schmale Pfad auf dem wir uns befanden, führte an einem klaren Fluss entlang. Nach etwa einer halben Stunde hörte der Weg auf, und wir mussten im Flussbett weitergehen. Es war derselbe Fluss, der durch unser Grundstück führte. Der Fluss führte uns immer tiefer in den Busch hinein. Undefinierbare Geräusche umgaben uns und wir entdeckten Pflanzen, Sträucher und Bäume, die wir zuvor noch nie gesehen hatten. Auch eine große schwarze Schlange konnten wir beobachten, die sich auf einem Stein im Fluss sonnte. Als sie uns jedoch entdeckte, brachte sie sich sofort in Sicherheit, indem sie sich durchs Wasser fort schlängelte. Kurze Zeit später vernahmen wir dann das Tosen des Wassers, das über abgewaschene Felsen in die Tiefe donnerte. Noch eine Flussbiegung, und wir erblickten ein unglaubliches Naturschauspiel. Um uns herum grüner, dichter Dschungel mit unwahrscheinlich hohen Bäumen. Diese grüne Wand wurde durch die  Felsen geteilt, über die das Wasser kaskadenförmig in die Tiefe fiel. Die Sonnenstrahlen brachen sich in den Nebeln des herunterstürzenden Wassers. Dieses ganze Naturschauspiel war umrahmt von unzähligen kleinen Regenbogen. Unten sammelte sich das Wasser in einem großen Becken, bevor es vom Fluss aufgenommen wurde. In diesem kleinen Süßwassersee nahmen wir ein herrlich erfrischendes Bad, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten. Später unternahmen wir noch ab und zu einen Ausflug zu „unserem“ Wasserfall.

Ganz alleine mit sich und der Natur war dies ein Ort, wo man sich dem Himmel nahe fühlen konnte.

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In „Abenteuer auf Tobago“ erzählt Solveigh Köllner von all den Abenteuern und Gefahren, aber auch von der einzigartigen Natur der Insel im karibischen Meer und den faszinierenden Eindrücken einer fremden Kultur.

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