Argentinien: Der anti-imperialistische Kreuzzug der Christina Kirchner

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Datum: 18. April 2012
Uhrzeit: 11:35 Uhr
Leserecho: 3 Kommentare
Autor: Redaktion
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► Diplomatische Krise scheint vorprogrammiert

Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández der Kirchner weitet die staatliche Kontrolle über die Energiereserven des Landes weiter aus und verstaatlicht dazu die Repsol-Tochter YPF. Das von ihr am Montag (16.) in den Kongress eingebrachte Gesetz wird nach Angaben aus Buenos Aires beschleunigt bearbeitet werden, die erforderliche Zweidrittelmehrheit wird als reine Formsache bezeichnet.

YPF (Staatliche Erdöllagerstätten) war in den 1920er Jahren als staatliche Fördergesellschaft gegründet worden. Als der argentinische Präsident Carlos Menem 1999 die ehemals staatlich argentinische Yacimientos Petrolíferos Fiscales (YPF) bei einer umstrittenen Privatisierung zum Verkauf anbot, akquirierte die spanische Repsol S.A. das Erdgasunternehmen und integrierte es in den Konzern, der seitdem mehr als 30.000 Menschen weltweit beschäftigt. Repsol hielt zuletzt 57,4 Prozent von YPF, die argentinische Ölfirma Petersen Energía SA. 25,5 Prozent. 17 Prozent wurden an der Börse gehandelt, der winzige Staatsanteil von knapp einem halben Prozent macht die 100 Prozent voll.

Internationale Experten sind sich darüber einig, dass Argentiniens Präsidentin mit diesen populistischen Maßnahmen die negativen Wirtschaftsnachrichten im Land übertünchen will. Ebenfalls soll von der Kontroverse über die Souveränität der Falkland-Inseln abgelenkt werden. Die Übernahme hat zu großem Protestgeschrei in Spanien geführt, wurde aber im Großen und Ganzen in Argentinien begrüßt. Womit die Regierung die Übernahme bezahlen will, ließ Kirchner offen. Analysten beziffern das Übernahmepaket auf bis zu 10 Milliarden US-Dollar, Buenos Aires wird voraussichtlich nur einen Bruchteil des taxierten Wertes bezahlen.

Der amerikanische Politologe David Fleischer, Professor an der Universität von Brasilia (UNB) geht davon aus, dass der von der Regierung eingeschlagene Weg den Nationalismus in Argentinien verschärfen wird. „Dies ist die Fortsetzung des Peronismus. Kirchner will die wachsenden Probleme des Landes vertuschen“, erklärt Professor Zilveti Fernando, Experte für internationales Recht an der Fundação Getulio Vargas (FGV) in São Paulo.

Inzwischen werden in Spanien Befürchtungen laut, dass weitere Verstaatlichungen bevorstehen könnten. Telefónica S.A., eines der größten global agierenden Telekommunikationsunternehmen und nach Marktkapitalisierung das zweitgrößte spanische Unternehmen, ist zusammen mit der Grupo Santander (zweitgrößtes Finanzinstitut Europas) im südamerikanischen Land tätig. Madrid warnte Buenos Aires vor weiteren Enteignungsplänen, eine diplomatische Krise scheint vorprogrammiert.

Vor der Bekanntgabe der Enteignung von Repsol-YPF befand sich die Regierung in einer heiklen innenpolitischen Krise. Ein Korruptionsskandal, in dem der frühere Wirtschaftsminister und jetzige Vizepräsident Amado Boudou immer deutlicher als Zentralfigur erschien, hat an Wichtigkeit verloren. Die sogenannte „Boudougate-Affäre“ ist aus den Schlagzeilen der größten argentinischen Medien verschwunden, der Vizepräsident konnte seinen Kopf noch einmal aus der Schlinge ziehen.

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  1. 1
    Martin Bauer

    Man kann doch unmöglich ein Staatsunternehmen erst an eine Privatfirma für teures Geld verkaufen, und wenn es nach Jahren saniert und lukrativ ist, in Chávez Manier enteignen, gegen eine eher symbolische Abfindung weit unter dem Marktwert. Dies ist ein Kapitalverbrechen, auch Raub genannt.

    Frau Kirchner ist eine Schande für Argentinien und gehört hinter Schloss und Riegel. Dort wird sie wohl auch mal landen, wenn sie so weiter macht.

  2. 2
    PATRIOT

    in Lateinamerika ist mittlerweile alles möglich (mit Ausnahme von Brasilien). Aber da ja die Politik nur ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, brauchts nicht viel, um zu erkennen, das Argentinien nie nach Vorne kommt, das hat es ja in seiner Geschichte bewiesen. Aber wen interessiert schon Argentinien… Und wenn die Spanier jetzt schon Angstschweiss auf der Stirn haben, wegen der paar Milliarden Euros, dann kann es ja mit deren Wirtschaft auch nicht weit her sein… Halblatinos halt…Sarkasmus Ende.

    • 2.1
      Martin Bauer

      Ich würde da sogar noch einen Schritt weiter gehen. Vergleicht man Spanien mit seinen südeuropäischen Nachbarn, ich meine tatsächlich Spanien und seine Einwohner, nicht die Tourismus Industrie, dann wird deutlich, dass dort Arbeitsmoral, berufliche Qualifikation, Bewusstsein im Umgang mit der Umwelt und vieles andere eher auf dritte Welt Niveau liegen, als auf europäischem. Nur im Norden und Nordwesten ist es ewas besser, wo Katalanen und Kelten ihren Einfluss geltend machen. Die grenzenlose Unzuverlässigkeit, Unpünktlichkeit, die blumenreichen Worte mit nichts als lauwarmer Luft dahinter, die stereotype Antwort „No hay…!“ auf alles, was sie vergessen haben zu besorgen…, dieser ganze Sumpf an Desinteresse und Unfähigkeit scheint seine unausrottbaren Wurzeln in Spanien zu haben. Überschreitet man von dort aus die Grenze nach Portugal, kommt man in eine andere Welt, adrett, sauber, gepflegt, und weitaus mehr Menschen stehen heute zu dem, was sie gestern gesagt haben.

      Lateinamerika ist wirklich gestraft, dass ausgerechnet die Spanier es mit seinen Genen überzogen haben. Trotzdem war ich immer gern in Spanien, und bin auch gerne in Venezuela. Vielleicht hab ich ja ne masochistische Ader…?

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