Frauenpower auf Tobago

Carib1

Datum: 10. Februar 2010
Uhrzeit: 17:24 Uhr
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Nach abgelaufener Frist wurden wir wieder mal zur Immigration bestellt. Mit sehr bangen Erwartungen gingen wir hin und waren erstaunt, da das gesamte Personal ausgetauscht worden war. Wie wir hinterher erfuhren, geschah dies auf den Behörden turnusmäßig alle sechs Monate. Was konnte dies für uns bedeuten?

Da wir inzwischen als hartnäckiger Fall bekannt waren, wurden wir stets vom Chef selbst in seinem Büro abgefertigt. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus, weil wir entgegen jeglicher Erwartung von diesem Offizier total freundlich begrüßt wurden. Wie sich im Gespräch herausstellte, war er auch ein Pferdenarr. Er kannte unsere Story bereits, und bedauerte das Ganze sehr. Dies konnte unsere Chance sein. Wir boten ihm an, mit uns zusammen einen Ausritt in den Dschungel zu machen. Drei Pferde hatten wir ja. Von dieser Idee war er total begeistert. An diesem Tag erhielten wir gleich für drei Monate einen Stempel. Er besuchte uns dann auch tatsächlich und ritt mit uns aus. Anschließend saßen wir mit ihm auf unserer Terrasse bei ein paar eiskalten Carib Bierchen zusammen. Dabei gab er uns dann den einen oder anderen nützlichen Tipp, wie wir unsere endgültige Aufenthaltsgenehmigung eventuell eher erhalten könnten.

Momentan konnten wir also nervlich wieder richtig gut relaxen, obwohl wir ja wussten, dass auch dieser Offizier nach sechs Monaten wieder ausgewechselt werden würde. Aber wir hatten inzwischen gelernt, immer nur für kurze Zeit zu planen.

Dann kauften wir uns einen Computer, um hauptsächlich von der übrigen Welt nicht mehr so abgeschnitten zu sein. Es war herrlich, nun Faxe und e-Mails aus der Heimat zu erhalten. Zu diesem Zweck war der Rechner rund um die Uhr online. Da wir ihn aus Sicherheitsgründen im Schlafzimmer stehen hatten, hörte ich natürlich auch nachts den kleinen Gong, wenn eine Nachricht einging. Ich konnte dann nie widerstehen, auch mitten in der Nacht schnell nachzusehen. Leider hatte dieser Computer für mich auch eine negative Seite. Mein Mann saß nun fast den ganzen Tag an seinem Rechner. Alles um ihn herum schien ihm egal zu sein. Ich verbrachte sogar die meisten Abende nun alleine auf der Terrasse, las oder schaute einfach sehnsüchtig in den Sternenhimmel.

Es begann eine einsame Zeit für mich. Immer öfters grübelte ich darüber nach, ob es richtig gewesen war, hierher zu kommen. So lange mein Mann und ich ein Team waren, konnten wir gemeinsam alle Schwierigkeiten überwinden. Doch er kapselte sich immer mehr ab, überließ mir wichtige Entscheidungen und oft auch Arbeiten, die er davor stets übernommen hatte. Um mich abzulenken arbeitete ich immer verbissener. So hatte ich kaum Zeit nachzudenken, während er sich mit dem Computer beschäftigte und ablenkte. Ich hatte das Gefühl, irgendwie verkraftete er den Druck, die ständigen Probleme, Einbrüche und Feindseligkeiten nicht.

Seit kurzem wohnte eine junge deutsche Frau in einem unserer Gästeapartments. Sie hatte davor bei einem Einheimischen in dessen Hütte mitten im Dschungel gewohnt. Jana war ein totaler Inselfreak. Sie lebte genauso einfach wie die Einheimischen. Ihre Ernährung bestand aus Früchten aus dem Busch, allenfalls etwas Gemüse und Reis vom Markt. Trinkwasser schöpfte sie aus dem Fluss. In ihr fand ich in dieser nicht einfachen Zeit eine richtige Freundin. Tagelang sammelten wir auf der Pferdeweide gemeinsam Steine auf, die immer noch reichlich herum lagen. Oft pflückten wir gemeinsam im Dschungel Früchte, aus denen wir dann einen Kuchen backten, um anschließend gemeinsam auf der Terrasse Kaffee zu trinken. Einmal marschierten wir ausgerüstet mit Macheten, auf der Suche nach Papayabäumchen in den Dschungel. Wir schleppten die Bäume nach Hause und pflanzten sie neben unserem Haus ein. Da wir es nicht schafften, in dem harten Boden tiefe Löcher zu graben, hatten die Bäume keinen rechten Halt. Ich wollte meinen Mann nicht um Hilfe bitten, da er sich zu dieser Zeit schon recht zurückgezogen und seltsam verhalten hatte. Also stützten wir die Papayabäumchen  mit allerlei Hilfsmitteln ab, und hielten die halbe Nacht abwechselnd Wache, um gegebenenfalls den Bäumchen „erste Hilfe“ zu leisten. Übrigens stehen diese Bäume jetzt nach Jahren noch, haben sich zu einem kleinen Wald vermehrt, und tragen eine Menge Früchte.

Mit dieser Aktion hatten wir wohl unsere Frauenpower unter Beweis stellen wollen.

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In „Abenteuer auf Tobago“ erzählt Solveigh Köllner von all den Abenteuern und Gefahren, aber auch von der einzigartigen Natur der Insel im karibischen Meer und den faszinierenden Eindrücken einer fremden Kultur.

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