Hauptsache zuhause gutes Klima, Frau Merkel?

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Datum: 08. Mai 2012
Uhrzeit: 18:25 Uhr
Ressorts: Editorial
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Dietmar Lang
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► Bundeskanzlerin sagt Teilnahme an Rio+20 ab

Vielleicht sollte ich es genauso machen wie die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Angela Merkel (CDU) hat angekündigt, nicht zur Rio+20-Konferenz nach Rio de Janeiro zu kommen. Mit der von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) geleiteten Delegation sei Deutschland „hochrangig vertreten“ und sie werde sich stets aktuell informieren und sich für ein „ambitioniertes Ergebnis“ einsetzen.

Da musste ich kurz nachdenken und feststellen: Das kann ich auch! Mit einer Reporterin und einem professionellen Bildjournalisten hätte ich für IAP / agência latina press ebenfalls eine „hochrangige Delegation“ vor Ort, ich selbst könnte aus der Redaktion alles wichtige via Internet verfolgen. Und notfalls vielleicht auch mal anrufen. Reicht doch, oder?

Doch welches Zeichen würde ich setzen? Wohl nur, dass Rio+20 nicht wichtig genug ist, dass ich persönlich dort erscheine. Dass ich die Ausarbeitung der Ergebnisse delegiere. Dass ich meine persönlichen Ambitionen, was auf der Mega-Konferenz journalistisch erreicht werden soll, nur bedingt steuern will. Und dass Rio+20 für das größte deutschsprachige Informationsangebot über Lateinamerika, welches auch noch in Brasilien angesiedelt ist, keine hohe Priorität besitzt.

Und genau diesen Eindruck – übertragen auf die Politik – erweckt nun die Bundeskanzlerin. Die ehemalige Umweltministerin (1994-1998) der Regierung Kohl hatte sogar noch die Chupze, in ihrem zwei Tage später veröffentlichen Podcast die kurz zuvor erfolgte Absage mit keinem Wort zu erwähnen und stattdessen zu beklagen, dass Ihr in Sachen Klimaschutz Vieles viel zu langsam gehe. Deutschland selbst sei noch nicht auf dem Weg der Nachhaltigkeit und könne noch viel unter anderem von skandinavischen Ländern lernen.

Wenn eine weltweite, sinnvolle, ökologische, wirtschaftliche, soziale und damit nachhaltige Entwicklung etabliert werden soll, dann müssen Zeichen gesetzt werden. Dann müssen Staatschefs auch ausserhalb ihres Landes dafür eintreten und nicht nur versuchen, in der Heimat gutes Wetter – in diesem Fall gutes Klima – via Podcasts zu machen. Für eine solch‘ wichtige Konferenz reicht ein Umweltminister eben dann doch nicht aus. Aber jenes gilt nicht nur für Deutschland sondern für alle Länder.

Oder einmal anders herum gedacht: die Konferenz ist gar nicht wichtig, weil derzeit ohnehin keine greifbaren Ergebnisse erwartet werden. Dann ist aber die Phrase nach dem „ambitionierten Ergebnis“ eindeutig politischem Sprechdurchfall geschuldet. Oder sogar echter Klimafrust im Bundeskanzleramt? Wer weiss! Die Aussenwirkung ist jedoch mehr als deutlich. Und besser wie Grünen-Chefin Claudia Roth kann man es nicht auf den Punkt bringen: „Klimapolitik ist damit offiziell nicht mehr Chefsache [in Deutschland]“.

Ob mit oder ohne Merkel: Rio+20 bleibt für IAP / agência latina press selbstverständlich Chefsache! Ab dem 10. Juni bis ich für knapp zwei Wochen vor Ort in der pulsierenden Metropole unter dem Zuckerhut. Unser Team wird aus zahlreichen Stadtteilen und einer Vielzahl von Events berichten, von der UN-Jugendkonferenz (7.-12.6.) genauso wie über die Vorbereitungstreffen (13.-15.6.), dem Nachhaltigkeitsdialog (16.-19.6.) und der Konferenz selbst (20.-22.6.). Aber auch von zahlreichen Nebenschauplätzen wie dem Rio+20-Forum (15.-18.6.) und der „Cúpula dos Povos“, dem Gipfel der Zivilgesellschaft (15.-23.6.) werden für unsere Leser detailliert berichten.

Eine letzte Anmerkung sei noch erlaubt: direkt vor Rio+20-Konferenz findet in Mexiko am 18. und 19. Juni der G 20-Gipfel statt, wo Frau Bundeskanzlerin allerdings zugegen sein soll. Dieser Summit wurde laut den Organisatoren extra so terminiert, damit die Staats- und Regierungschefs direkt nach Rio de Janeiro weiterreisen können. Im Fall von Frau Merkel muss es nun aber leider „könnten“ heissen …

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Die Kolumne von latinapress Herausgeber Dietmar Lang – Gedanken und Erfahrungen über das Leben in Lateinamerika und der täglichen Berichterstattung von Nachrichten aus Südamerika und der Karibik.

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  1. 1
    Asuncion45

    Nachdem immer offenkundiger wird, daß die Beschlüsse von Kioto auf einem Lügengebäude beruhen und die angebliche Erderwärmung bereits seit 10 Jahren nicht mehr stattfindet, wir uns, im Gegenteil in Richtung einer Zwiwcheneiszeit bewegen, ist es schwer auf einer Konferenz in Rio noch weitere Einschnitte gegen die Weltbevölkerung zu beschließen. Die Absicht kurzfristig mittels Klimalüge eine internationale Steuer einzuführen und diese für die neu zu installierende Weltregierung zu nutzen, müssen offenbar als gescheitert angesehen werden. Wenn die Nichtteilnahme von Frau Merkel dafür ein Signal sein sollte, dann hätten wir Normalbürger noch einmal „Schwein“ gehabt.

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