The Lady with the Horses

Fluss

Datum: 12. Februar 2010
Uhrzeit: 16:00 Uhr
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Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Wie bereits erwähnt, holte Jana unser Gast ihr Trinkwasser stets aus dem Fluss. Bis zu dem Tag, an dem unsere Pferde das Wasser nicht mehr trinken wollten. Wir fanden die Ursache recht schnell. Auf der Suche danach wateten wir ein Stück den Fluss aufwärts, und entdeckten den Grund des verdorbenen Wassers. Dort im Busch befand sich der Schweinestall, der damals gebrannt hatte. Anscheinend war eines der Schweine geschlachtet und am Flussufer ausgenommen worden. Die nicht verwertbaren Stücke wurden einfach ins Wasser geworfen. Man hatte wohl gehofft, dass diese Teile wegschwemmt würden. Es war jedoch Trockenzeit, der Fluss führte wenig Wasser, und so blieben die Leichenteile an der nächsten Flussbiegung im seichten Wasser liegen. Das ganze Zeug stank bereits fürchterlich verwest. Die Pferde hatten das verdorbene Wasser gleich gewittert und deshalb verweigert. Nach dieser Entdeckung hatte Jana nie wieder ihr Trinkwasser aus dem Fluss geschöpft, sondern das Wasser aus der Leitung getrunken.

Leider musste meine Freundin Jana irgendwann wieder zurück nach Deutschland. Es tat mir leid und sie fehlte mir sehr. Abende lang hatte ich in den letzten Wochen zusammen mit ihr auf der Terrasse gesessen und Halma gespielt. Wir hatten lange, gute Gespräche geführt, und auch lustige Momente erlebt. Nach ihrer Abreise fühlte ich mich wieder sehr einsam und alleine.

Dies war nun die richtige Zeit für mich, einen Besuch bei meinen Eltern und unseren Kindern in der Heimat zu machen. Momentan würde mein Mann keine Schwierigkeiten mit den Behörden zu erwarten haben. Vielleicht brachte uns so eine kleine Auszeit auch wieder näher. Also buchte ich den Flug. Ein paar Wochen später saß ich dann mit einer riesigen Einkaufsliste im Flieger nach Frankfurt. Ich freute mich schon sehr und war ganz aufgeregt.

Es wurden drei hektische aber schöne Wochen.  Ich besuchte meine Kinder, Eltern, Schwester, Schwiegereltern, Arbeitskollegen und Freunde. Beim Einkaufen all der Dinge, die auf meinem Einkaufszettel standen, kam ich mir vor wie ein Kind an Weihnachten. Ich war es gar nicht mehr gewohnt, in großen Super- und Baumärkten einzukaufen. In Tobago fand man eher noch Tante Emma Läden mit geringer Auswahl und kaputten Einkaufswagen. Hier jedoch, kurz vor Weihnachten glänzten und glitzerten die Waren um die Wette in einer Vielzahl, die ich bereits fast vergessen hatte. Ich hatte zum Schluss so viel gekauft, hauptsächlich handwerkliche Geräte, die wir noch benötigten, dass ich sogar noch eine Sackkarre kaufen musste, auf die ich all die Einkäufe packte.

Der Abschied kam viel zu schnell, jedoch versprach mein Sohn, uns an unserem zweiten Weihnachtsfest auf der Insel zusammen mit seinem Freund zu besuchen. Also saß ich wieder im Flugzeug Richtung Tobago. In Frankfurt hatte ich beim Wiegen des Gepäcks ganz schön in die Tasche greifen müssen, da ich sehr viel Übergepäck hatte. Hoffentlich würde das bei der Zollabfertigung in Tobago gut gehen. Schließlich waren es ausschließlich neue Geräte, die ich zwar alle aus der Verpackung genommen hatte, aber unter Umständen doch noch verzollen musste. Ich beschloss vorerst mal nichts zu deklarieren. Dies war ein Fehler, denn das viele Gepäck war ja nicht zu übersehen, zumal sehr wenige Fluggäste gleich mit einer voll beladenen Sackkarre durch den Zoll marschierten. Am Flughafen in Tobago beteuerte ich zwar, dass es sich ausschließlich um Weihnachtsgeschenke handelte, was die Zollbeamten jedoch nicht interessierte. Für sie war dies Schmuggelware und ich war außerdem „The Lady with the Horses“. Natürlich hatte man mich mit meinen blonden Rastazöpfchen sofort erkannt.

Unter schrecklichen Androhungen von Strafen wurde ich ins Büro vom Zoll gebracht. Man machte mir klar, dass ich entweder 30000 TT, das waren damals umgerechnet ca. 10000 DM, jetzt sofort zu bezahlen hatte, oder man würde mich ins Gefängnis sperren. Ich war verzweifelt und den Tränen nahe, außerdem todmüde von dem langen Flug. Aber ich hatte Glück. Ich erzählte dem Offizier von den Weihnachtsgeschenken und beteuerte, dass ich nur noch einen bestimmten Geldbetrag bei mir hatte. Daraufhin einigten wir uns, ihm alles Geld zu geben. Mit Sicherheit tauchte dieser Geldbetrag auf keinem Formular auf.

So machte man eben auf Tobago seine kleinen Deals.

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In „Abenteuer auf Tobago“ erzählt Solveigh Köllner von all den Abenteuern und Gefahren, aber auch von der einzigartigen Natur der Insel im karibischen Meer und den faszinierenden Eindrücken einer fremden Kultur.

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