Los Tres Ojos in Santo Domingo

Tres-Ochos-6

Datum: 14. Februar 2010
Uhrzeit: 15:56 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

In den Jahrzehnten, die auf die Entdeckung der Insel Hispaniola durch Christoph Columbus im Jahr 1492 folgten, wurde die indianische Urbevölkerung der Insel, die Arawaks, Sarawaken, Xaraguas, Tainos etc. fast vollständig ausgerottet. Christlicher Hass, Blutrausch und Goldgier machten das Paradies Haiti, die reichste und fruchtbarste Insel der Karibik, innert zwei Jahrzehnten zu einem stinkenden Abfallhaufen und Leichenfeld. Fünfhundert Jahre lang ist es das geblieben. Mehr als 1 Million Indianer wurden gehenkt, ertränkt, verbrannt, zu Tode gequält, von europäischen Seuchen dahingerafft, niedergemetzelt im Blutrausch der Christen. Der letzte Taino-Häuptling, Hatuey, floh nach Kuba. Dort fingen ihn die Spanier mit Bluthunden wieder ein. Vor der Hinrichtung bemerkte er, lieber wolIe er ewig in der Hölle braten, als im Himmel leben zu müssen unter den Christen, den grausamsten aller Menschen.

Jammervolle 16.000 Indianer haben auf der Insel überlebt. Sie flohen in den Untergrund, um ihre Haut zu retten. Oft waren das Höhlensysteme, die in Hispaniola häufig sind, selbst unter der heutigen Hauptstadt Santo Domingo. So wurden Los Tres Ojos, „Die drei Augen“, zu einer Touristenattraktion und einem Nationalpark auf Stadtgebiet. Der unterirdische Brujuelas-Fluss speist mehrere Höhlenseen mit Süßwasser, die durch steilabführende Treppen, vorbei an bizarren Felsblöcken und Tropfsteingebilden, erreicht werden können.

Mit den „Drei Augen“ sind drei unterirdische Seen gemeint, eigentlich müsste es heißen „Vier Augen“ da später noch ein vierter See entdeckt wurde. Der erste, 20 Fuß tiefe See enthält schwefelhaltiges Wasser. Der zweite namens Nevera-See („Kühlschrank“  ist mit 15 Grad Celsius ordentlich zu kühl für die Tropen. Der Women’s Lake (Frauen-See) ist der dritte und kleinste, wärmer und seicht. Ein vierter See misst 300 Meter und heißt Saramagullones-See, so genannt nach einer dort lebenden Entenart. Er wird mit einem Touristenboot befahren.

Dass der Besuch des eindrücklichen Nationalparks nicht gratis ist, versteht sich von selbst und ist gerecht. Dass sich da aber nur spanisch kundige „Höhlenführer“ aufdrängen die für ihr Geschwätz zehn US$ pro Person verlangen, das ist Abriss. Was die da erzählen, entspricht auch den üblichen Darstellungen in den Reiseführern: bestimmt haben sich da die letzten Indianer für einige zeit wirkungsvoll versteckt, bei trinkbarem Wasser und essbaren Fischen und Enten, wurde doch der erste See von den Mulatten erst 1916 entdeckt. Wo hingegen im Gewirr scharfkantiger Blöcke und Travertinsäulen die Indianer eine bewohnbare Stelle fanden, bleibt mir ein Rätsel. Ich vermute dass die Tainos ihr Versteck doch häufig verlassen mussten und dann zu Freiwild wurden.

Auch andernorts bilden ähnliche Höhlenverstecke Touristenattraktionen, besonders an den Küsten der Dominikanischen Republik. Auch Haiti ist reich an Höhlensystemen, doch diese sind hier noch unerschlossen oder nicht einmal entdeckt. Vielleicht bilden sie einmal Forschungsstoffe und Touristenmagnete für die Zukunft.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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