Solidarität der Dominikanischen Republik mit Haiti kommt zu spät

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Datum: 15. Februar 2010
Uhrzeit: 00:27 Uhr
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Autor: Redaktion
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„Schön wie das Paradies waren die Inseln vor der Küste Amerikas alle, als Kolumbus dort im Jahre 1492 landete. Aber keine war so schön wie Haiti, so reich und fruchtbar, so dicht besiedelt wie ein Bienenstock. Zwei Jahrzehnte danach ist dieser Garten Eden nur noch ein stinkendes Leichenfeld. Die 1,1 Millionen Indianer, die (nach modernen Schätzungen) zuvor auf der Insel lebten, sind, bis auf einen jammervollen Rest von 16 000, zur Hölle gefahren: gehenkt, ertränkt, verbrannt, als Sklaven in den Goldgruben zu Tode gequält, dahingerafft von europäischen Seuchen, niedergemetzelt im wahnsinnigen Blutrausch der christlichen Eroberer“ (Las Casas, Der Kolonialismus VII)

Heute sind die Beziehungen zwischen den Inselnachbarn Haiti und der Dominikanischen Republik auf einem Tiefpunkt. Daran ändern auch die nach dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 plötzlich auftretenden Sympathiebekundungen des Präsidenten der Dominikanischen Republik nicht viel. Zulange hat man in der Vergangenheit die Probleme mit der haitianischen Bevölkerung bewusst ignoriert. Kritiker äußern, dass Leonel Fernandez von den gewaltigen Problemen( permanente Stromausfälle, blühende Korruption, horrende Staatsverschuldung und eine extrem hohe Verbrechensrate) in seinem eigenen Land ablenken möchte. Selbst die haitianische Regierung wollte keine Truppen aus der Dominikanischen Republik im eigenen Lande haben. Als verschiedene Ärzte aus Puerto Rico Bilder ihres Einsatzes auf der Internet-Plattform Facebook veröffentlichten kochte die notleidende Bevölkerung in Haiti. Dort sah man lachende Personen, die aus Pappbechern und Gläsern Wein und Whiskey tranken. Gleichzeitig präsentierten sie die Waffen mehrerer gut gelaunter Soldaten aus der Dominikanischen Republik. Heute teilte der Verteidigungsminister der Dominikanischen Republik mit, dass nach Überprüfung auf Echtheit der Fotos acht Soldaten der Dominikanischen Streitkrafte mit 30 Tagen Gefängnis gebüsst wurden.

Die Beziehungen ähneln denen haitianischer Kampfhähne. Die wirtschaftliche Situation Haitis erzeugt einen enormen Migrationsdruck gegen den Nachbarstaat. Gegen eine Million Haitianer dürften bereits vor dem Erdbeben in der Dominikanischen Republik gelebt haben, ein Großteil davon illegal. Und täglich versuchen es mehr. Die meisten der in der Dominikanischen Republik lebenden Haitianer sind Papierlose.

Haitianer werden in der Dominikanischen Republik nur als billige Arbeitsmaschinen, als Sklaven angesehen, nicht als Menschen. Ohne sie würde die ganze dominikanische Wirtschaft zusammenbrechen, besonders das Bauwesen und die Landwirtschaft. Sie werden diskriminiert und gelten als unerwünscht. Sie verstecken ihre Sprache und Nationalität so gut es geht und leben gerne nur unter Ihresgleichen. Haitianische Männer haben den Ruf von Drogen-, Waffen- und Menschenschmugglern, Dieben und Kriminellen, Frauen denjenigen von Prostituierten. Die Demütigungen und Beleidigungen den unwillkommenen Einwanderern gegenüber könnten nicht schlimmer sein.

In den vergangenen Monaten wurden in der Dominikanischen Republik haitianische Bürger unter Applaus des Zuschauerpöbels enthauptet, und in einem Fall wurde nach hiesigen Informationen sogar mit einem Kopf balanciert und Fußball gespielt. Dass dies ein Racheakt für einen durch Haitianer ebenfalls enthaupteten Dominikaner sei, wird „als faustdicke Lüge“ dargestellt. Es sei eine unglaubliche Barbarei, dass unzählige Menschen einem Mord zuschauen und auch noch applaudieren, hat die haitianische Regierung in einem Protestschreiben an die Dominikanische Republik formuliert.

Natürlich schlagen in Haïti die Wogen hoch. Ganz sicher sind solche Vorfälle nicht geeignet, den Frieden zwischen den zerstrittenen Nachbarn zu fördern. „Las Casas“ war nicht 1492. „Las Casas“ ist heute!

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