Regierung und Gangs in El Salvador legen Karten auf den Tisch

Datum: 03. September 2012
Uhrzeit: 09:27 Uhr
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► Projekte zur Wiedereingliederung ehemaliger Bandenmitglieder fehlen

Die beiden größten Gangs (maras) El Salvadors und die Regierung haben ihre jeweiligen Punkte für Verhandlungen zur Beendigung von 20 Jahren ausufernder Gewalt auf den Straßen ausgetauscht. Medien, Parlament und die Öffentlichkeit zeigen sich jedoch noch immer skeptisch, wenn nicht gar ablehnend gegenüber solchen Verhandlungen, berichtet Edgardo Ayala für ips aus El Salvador. Die Chefs der Mara Salvatrucha (MS-13) und Barrio 18 machten aus dem Gefängnis heraus den ersten Schritt, indem sie ihre Wünsche für die Tagesordnung von möglichen Verhandlungen präsentierten. Offiziell lehnt die Regierung Verhandlungen mit den Gangs ab, fürchtet sie doch die negativen politischen Folgen einer solchen Initiative. Andererseits hat die Regierung Funes den Gangchefs eine Liste mit ihren Wünschen und Forderungen für eine zweite Phase in den Bestrebungen, die Gewalt einzudämmen, zukommen lassen. Die derzeitigen Kontakte verlaufen indirekt und unter Einschaltung von Vermittlern auf beiden Seiten.

Im März dieses Jahres stimmten die beiden Maras einem Waffenstillstand untereinander, mit der Polizei, dem Militär und Zivilisten zu. Seither ist die Mordrate in einem der gewalttätigsten Länder der Welt drastisch zurückgegangen, von 12-14 Morden täglich auf fünf oder sechs.

Carlos Mojica, Chef der Barrio 18 glaubt an einen Fortschritt, sieht allerdings auch weiter Hürden und Hindernisse, weil es nach wie vor von vielen Seiten Widerstand gegen Kontakte zwischen Regierung und Maras gebe. Mojica verbüßt derzeit eine Haftstrafe in Gefängnis von Cojutepeque.

Die Gangs oder Maras entstanden in den Achtzigerjahren in den USA, allen voran in Los Angeles, wohin viele Salvadorianer vor dem Bürgerkrieg geflohen waren. Als nach dem Ende des Krieges immer mehr Jugendliche abgeschoben wurden, begannen sie in den Slums San Salvadors und anderer Städte neue Mitglieder zu rekrutieren und ihre Aktivitäten in Richtung organisierter Kriminalität, wie Entführungen, Erpressung von Schutzgeldern und Drogenhandel zu erweitern. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind die lokalen Medien und auch die Mehrheit des Parlaments gegen Verhandlungen mit den Maras. Nach offiziellen Einschätzungen gibt es 60.000 Bandenmitgliedeer in El Salvador, weitere 10.000 befinden sich in einem der überfüllten Gefängnisse des Landes.

Welche Rolle die Regierung bei Aushandlung des Waffenstillstands vom März spielte, ist nicht ganz klar. Nach allgemeiner Einschätzung gab es wohlwollende Unterstützung, indem einige Bandenchefs aus Hochsicherheitsgefängnissen in weniger abgesicherte Einrichtungen verlegt wurden.

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