Venezuela: Zunehmend Morde an indigenen Völkern

mina carbones de guasare

Datum: 11. Oktober 2012
Uhrzeit: 14:34 Uhr
Ressorts: Leserberichte
Leserecho: 6 Kommentare
Autor: Redaktion
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Im venezolanischen Bundestaat Zulia werden zunehmend Morde an indigenen Völkern ohne rechtliche Strafverfolgung, sogenannte verschwiegene Mordschläge, gemeldet. Zulia zählt zu den venezolanischen Staaten mit der höchsten Rate an einheimischen Indianervölkern in Venezuela. Wegen der vielen ungestraften Gewalttaten wird das Gebiet Perija in Zulia gesetzloses Land genannt. Allein im Jahr 2012 wurden sechs Yukpa-Indianer getötet und sieben weitere verletzt, angeblich durch Auftragskiller der Landbesitzer der Sierra de Perija in Zulia. Die Interessenskonflikte, die die Sierra auseinanderzerren, reichen von Landwirtschaft, FARC, Militär und Drogenhandel bis zu multinationalen Kohlenbergwerken. Doch die schlimmste Bedrohung stellen die Kohlen- und Mineralienminen von Guasare und Paso Diablo dar. Die Minen sind eine grosse Bedrohung für die indigenen Völker und für die grosse Biodiversität der Sierra.

Die Yukpas sind Dissidenten der venezolanischen Chavez-Regierung
Der Kazique Sabino Romero stellt sich gegen die Pläne der Regierung für den Bergbau. Venezuela hat Bewilligungen an die russische Regierung erteilt für die Förderung von Coltan und Uran. Die wirtschaftlichen Absichten von Hugo Chavez wurden kürzlich in seinem Kandidaturvorschlag deutlich, der die ausdrückliche Ausbeutung der natürlichen Ressourcen in Venezuela anstrebt .

Eine Strategie, die der indigenen Weltsicht widerspricht. Denn die Indianer beanspruchen naturbelassenes Land, sprich ohne Vieh, Kohlenminen oder Bergbau. Die Indianer sind Teil des Ökosystems vom Naturpark Perija. Die Weiterverfolgung des Steinkohlenbergbaus der Flüsse Socuy, Maché und Cachirí in der Sierra de Perija stellt nicht nur eine Bedrohung für die indigenen Gemeinschaften in der Region dar. Es ist auch eine erhebliche Gefahr für die Erhaltung des schon angeschlagenen Ökosystems des Naturparks Sierra de Perija. Seine Verschlechterung würde die Wasser-Ressourcen einer der grössten Regionen von Venezuela benachteiligen: Maracaibo und die gesamte Westküste des Sees. Der Verlust der tropischen Wälder durch Kohlebergbau verursacht nicht wieder gutzumachende Schäden. Der Naturpark Sierra de Perija weist unter allen Ökosystemen weltweit einer der größten Anzahl von Pflanzen- und Tierarten pro Flächeneinheit auf.

Die Non-Profit-Organisation „Homo et Natura“, die den Kampf mit den indigenen Völker in der Perija führt, erklärt: „Der eigentliche Grund der Chavez-Regierung den Bari- und Yukpa-Indianern nur Bruchteile der Grundstücken zu erkennen und ihnen ihre Rechte auf das kollektive Ahnengebiet zu verweigern, liegt in der geo-ökonomischen Strategie Lateinamerikas. Diese Pläne werden vom Bau von vier Hauptverkehrsstraßen und fünf Mitlitärstandorten begleitet werden .“ Fakt ist, dass nur 2,4% der indigenen Landfläche ausschließlich an die Protagonisten der Bolivarischen Revolution vergeben wurden.

Der Fall des Yukpa-Häuptlings Sabino Romero
Im Kampf um die Rückgewinnung ihres Landes wird der Yukpa-Stamm durch Landwirte und Soldaten bedrängt und bedroht. Der Hunger, vermeidbare Krankheiten und der Mangel an sauberem Trinkwasser gefährdet die Existenz der Yukpa-Indigenen. Derzeit erhält die Familie des Kazique von Shaktapa, Sabino Romero Izarra, ständige Nötigungen von Grossbauern, gestützt vom Militär. 2008 wurde der 102-jährige Yukpa-Schamane Juan Manuel Romero, Vater von Sabino Romero zu Tode geschlagen. Ein Video zeigt den Schamanen Juan Manuel, wie er einen vorherigen Überfall bei einem Landwirt schildert. Die Strafanzeigen an die Behörden wurden nie verfolgt. 



Im Jahr 2009 folgte ein tödlicher Angriff auf die Yukpa-Indianer. Die schwangere Mireya Romero und Ever Garcia, enge Familienangehörige von Sabino Romero, starben. Fünf weitere, darunter Kinder, und Sabino selbst wurden verletzt. Der Vorfall brachte Sabino Romero, Olegario Romero und den Wayüu-Indianer Alexander Fernandez hinter Riegel. Es wurden keine Dolmetscher zur Verfügung gestellt, dazu wurden die Indigenen Tausende von Kilometern weg von zu Hause in einem Militärgefängnis weggesperrt. Weibliche Angehörige des Yukpa-Stamms beschwerten sich bei den Besuchen im Gefängnis über Soldatenübergriffe. Mit Waffen zwangen das Militär sie sich auszuziehen, worauf die Soldaten die nackten Frauen erniedrigten. Es kam zu einer versuchten Vergewaltigung.

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  1. 1
    Der Bettler

    Anscheinend ist das der übrigen Bevölkerung,sche… egal,sonst hätten sie den Hampelmann nicht wieder gewählt.

    • 1.1
      Helge

      Das kommt einfach im TV kaum vor…und wenn, dann dahingehend, dass Chavez sich mal verbal auf die Seite der Indigenen stellt, oder das die Landfläche für sie um 90% vergößert wurde. Wenn aber so extreme Interessenskonflikte vorhanden sind, müßten die systematisch moderiert und verhandelt werden, um es für alle Seiten halbwegs akzeptabel zu machen. Da würde ich meinen, gehen die Anhänger des Sozialismus davon aus, dass das in diesem besser möglich ist als anderswo, oder…?
      Und hernach hat der Staat natürlich für die Einhaltung der Vereinbarungen zu sorgen, d.h. Nichteinhaltung zu verfolgen und zu sanktionieren.
      Noch mehr gilt das ja für die Grundrechte des Einzelnen, die ja nicht erst irgendwi verhandelt werden müssen.
      Aber wie man liest, klappt ja leider nicht mal das…
      Es handelt sich um lauter offene, ungeregelte Baustellen, wo Chavez ab und zu, wie’s scheint, mal „nen Spruch macht“ – und das war’s dann erstmal wieder. Ansosnten wie beim „Faustrecht“ Keine Systematik beim Regeln dieser Probleme – das ist jedenfalls das Bild.
      Und das kommt im TV so nicht vor. Und da es sich ja um Minderheiten handelt…die Mehrheit vermisst ja dann auch nicht die öffentliche Darstellung ihrer Probleme und Gefährdung in den Medien.
      Es ist alles sehr traurig.

  2. 2
    Helge

    Dieser Artikel ist sehr verdienstvoll, Danke für die Veröffentlichung! Er zeigt die ganze „Gemengelage“. Von diesem „Bermudadreieck“ Viehzüchter – Indigene Völker – Regierung/Wirtschaftsinteressen im In- und Ausland hört man sonst nicht allzu viel. Aber das ist wohl schon seit langer Zeit sehr dramatisch.
    In der Verfassung von 1999 wurden ja die Rechte der indigenen Völker gestärkt und bekräftigt. Aber was praktisch passiert, scheint dem ja nicht gerade zu entsprechen. Solches perverses Verhalten von Seiten der großen Viehzüchter und staatlichen Kräften hat es wohl auch vor Chavez schon gegeben. Es hat Zeiten gegeben, da hatten die großen Landbesitzer in verschiedenen Landesteilen quasi Privatarmeen, und das Militär hat sie irgendwann mal zerschlagen, oder das versucht (in den 90ern, unter Caldera), weil die ganze Sache da schon etwas überhand genommen hatte, anscheinend.

    Das nun aber nach knapp 14 Jahren Chavez und ca. 13 Jahren mit der jetzigen Verfassung anscheinend weiterhin solche Verbrechen an den Ureinwohnern praktisch von jeder Seite und am laufenden Band begangen werden, und strafrechtlich praktisch nur unter großem Druck, und dann auch nur ansatzweise verfolgt werden, das gibt schon wieder zu denken…Traurig, dass selbst im Umgang mit den Naturvölkern weitgehende Rechtlosigkeit zu herrschen scheint.

    Es ist eben wieder das gleiche Problem, die gleiche Frage, die auch an anderer Stelle aufscheint, und hier regelmäßig aus guten Gründen vieldiskutiert ist:
    Wenn der Staat, jenseits von den Fragen zum Recht auf die Landnutzung etc., nicht mal die Unversehrtheit und das Leben der Bürger garantiert, nicht mal derer, deren Rechte und besonderer Status sogar ganz speziellen Stellenwert in der Verfassung haben, dann fragt man sich natürlich, welche Art von Sozialismus das werden soll, wenn es fertig ist.

    Ich habe mal von einer Ungarin gehört, die Ungarn noch zu sozialistischen Ostblockzeiten kannte und nach Venezuela geheiratet hat. Darauf bezogen, dass bei allen bekannten Problemen im Ostblock wenigstens die Kriminalität, besonders die schwere, sehr niedrig und daher das Leben wenigstens diesbezüglich sicher war, sagte die mal:
    „Venezuela ist das einzige sozialistische Land, in dem man nachts nicht auf die Strasse gehen kann.“ Das stimmt sogar in Bezug auf’s heutige Kuba, und das ist schon traurig, katastrophal…in Worten im Prinzip nicht zu bescheiben.

    Man kann nicht aufhören zu fragen, was diese Regierung glaubt, wie überhaupt irgendeine Gesellschaft, in welcher Art auch immer, auf Dauer funktionieren kann, wenn Millionen von Schusswaffen und die entspechenden Idioten dazu, im Land herumgeistern, und schwere Kriminalität praktisch nicht verfolgt wird.
    Bis heute wird regelmäßig darüber geredet und werden Programme angekündigt, während die entprechenden Typen unbekümmert weiter herumballern, rauben etc. wie es ihnen passt.

    Das trifft die Schwächsten zuerst, und zu denen gehören natürlich die Indigenen, aber „schwach“ ist in dem Sinne eigentlich jeder, der versucht ein normales Leben zu führen, und natürlich keine Waffe besitzt, und damit erst recht dem kriminellen Gewaltpotential eben potentiell ausgeliefert ist.
    Es herrscht doch in diesen Punkten praktisch einfach „Faustrecht“ – wer glaubt, es hat einen Vorteil der raubt und ballert einfach, und es passiert denen – nichts, gar nichts.
    Das kann auf die Dauer doch keine Gesellschaft aushalten, und die Indigenen schon gleich gar nicht. Würde diese Regierung mal absolut darauf fokussieren, wäre schon viel verbessert.

  3. 3
    Linus Bracher

    @“nen Spruch macht“ – und das war’s dann erstmal wieder. Ansosnten wie beim „Faustrecht“ Keine Systematik beim Regeln dieser Probleme – das ist jedenfalls das Bild.
    Und das kommt im TV so nicht vor. Und da es sich ja um Minderheiten handelt…die Mehrheit vermisst ja dann auch nicht die öffentliche Darstellung ihrer Probleme und Gefährdung in den Medien.
    Es ist alles sehr traurig.

    —————————————-

    Das ist normal. Die einzigen, die darauf hereinfallen, sind die dümmlichen linken Medien. Gehört anscheinend alles zum vaterländischen Pol der Vollpfosten.

  4. 4
    Helge

    Naja, was sagen Steffen und Olivia, das wäre doch mal interessant. Der Artikel stellt sicherlich nicht alles dar, aber das, was aufgezählt ist, kann doch eigentlich nicht zu deren Erwartungen passen. Mich hat es in dieser Schärfe auch überrascht.
    Venezuela und sein „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ sind eben für viele Überraschungen gut.

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