Schlimmste Dürre seit Jahrzehnten trifft Nordosten Brasiliens

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Datum: 04. Januar 2013
Uhrzeit: 16:02 Uhr
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Autor: Redaktion
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► Wasserstand in den Talsperren liegt bei 32 Prozent

Der Nordosten von Brasilien wird von einer der schlimmsten Dürren seit Jahrzehnten heimgesucht. Die Wasserkraft aus den Stauseen droht zu versiegen, vermehrt auftretende Stromausfälle könnten das Wirtschaftswachstum des größten Landes in Lateinamerika verlangsamen. Der Wasserstand in den Talsperren im Nordosten lag Ende 2012 bei nur 32 Prozent, das Mindestmaß für die Gewährleistung der Stromversorgung beträgt nach Angaben des Betreibers des nationalen Netzes allerdings 34 Prozent.

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Dieser sonnigste, aber auch trockenste Teil Brasiliens, setzt sich aus den Bundesstaaten Alagoas, Bahia, Ceará, Maranhão, Paraíba, Pernambuco, Piauí, Rio Grande do Norte, und Sergipe zusammen. Die Gesamtfläche beträgt 1.561.177,8 km², was 18,26% der Gesamtfläche Brasiliens entspricht. Der grössere Teil dieses Nordost-Territoriums wird von einer ausgedehnten Hochebene geformt, sie ist sehr alt und von der Erosion verflacht. Entsprechend seiner unterschiedlichen physischen Charakteristika, teilt man den Nordosten in vier Unterkategorien ein:

  • Die “Zona da Mata” (Waldzone)
  • Den “Agreste” (Agrarzone)
  • Den “Sertão” (halbtrockene Interieurzone)
  • Das “Polígono das Secas” (trockene Interieurzone)
  • Die Wirtschaft der Nordost-Region basiert auf der landwirtschaftlichen Zucker- und Kakaoindustrie. Erdöl wird an der Küste und auf kontinentalen Plattformen gefördert, um dann in der Raffinerie “Landulfo Alves”, in Salvador, und im chemischen Pol von “Camaçari”, ebenfalls in Bahia, verarbeitet zu werden. Der Tourismus-Sektor hat sich im Nordosten zu einem grossen Potential entwickelt – mit wirtschaftlichen Konsequenzen für die Bevölkerung – und eröffnet eine sehr optimistische Perspektive für die Zukunft.

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    Der Mangel an Regen wirkt sich auf die Mais und Baumwollernte aus, das Vieh hungert. In manchen Regionen hat es seit zwei Jahren nicht geregnet, Tausende Kleinbauern sind am verzweifeln. „Wir leiden an der schlimmsten Dürre seit 30 Jahren, die Folgen gleichen denen eines verheerenden Erdbebens“, klagt Landwirtschaftsminister Eduardo Salles. Die staatliche Ölgesellschaft Petrobras hat in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres ihre Importe von verflüssigtem Erdgas (LNG) vervierfacht – eine Alternative zur Stromerzeugung in den Wasserkraftwerken.

    Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff hatte am Donnerstag (27.12.) bestritten, dass Brasilien trotz der Stromausfälle in den letzten Monaten an einer Energiekrise leidet. Der letzte Blackout ereignete sich in der Nacht zum Mittwoch auf dem Internationalen Flughafen von Rio de Janeiro. Um 20:55 Uhr Ortszeit sprangen die Notstromaggregate an, Start-und Landebahnen waren von der unbeabsichtigten Unterbrechung der Versorgung mit Elektrizität nicht betroffen. Der Stromausfall verursachte Verzögerungen bei 19 Flügen, tausende von Reisenden mussten sich etwa zwei Stunden in Geduld üben.

    „Es ist absolut lächerlich zu sagen, dass sich Brasilien in Gefahr einer Energierationierung befindet” so das Staatsoberhaupt während einer Pressekonferenz mit Reportern im Präsidentenpalast Planalto. Rousseff wies darauf hin, dass Investitionen in die Infrastruktur eine “Obsession” der Regierung für das Jahr 2013 sind. “Wir wollen vor allem den Stromsektor und das System vor weiteren Ausfällen schützen. Wir tun unser Bestes und es ist meine Verpflichtung – gemeinsam mit den Leitern der Stromwirtschaft – diese Stromausfälle zu beenden”.

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    Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums erklärte, dass die Regierung nicht die finanziellen Kosten der Ernteausfälle durch die Trockenheit berechnete. Inzwischen hat Brasilia zusätzliche Kreditlinien für Kleinbauern bereitgestellt, um die Auswirkungen der Dürre zu mildern. „Die jüngste Dürre in der Region ist vergleichbar mit der aus den frühen 1980er Jahren. Obwohl Regen in den kommenden Tagen erwartet wird, ändert sich in bestimmten Bereichen nichts an der Situation“, erklärt der Meteorologe Celso Oliveira.

    Trotz enormer Ernteeinbußen im Nordosten erwartet das Land weiterhin einen Rekord bei der Sojabohnen-Produktion und eine überdurchschnittliche Maisernete. Dies wird garantiert durch ausreichende Niederschlagsmengen in den wichtigsten Anbaugebieten des Mittleren Westens und Südens.

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