Krise in Venezuela: Brasilien schärft sein Profil

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Datum: 15. Januar 2013
Uhrzeit: 11:12 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Redaktion
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► Schnelle Neuwahlen nach Tod von Chávez gefordert

Brasilien fordert nach einem Ableben des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez schnelle Neuwahlen. Dies berichten übereinstimmend mehrere Medien in Lateinamerika und berufen sich auf eine Meldung der weltweit größten internationalen Nachrichtenagentur „Reuters“. Diese hatte am Dienstag (15.) darüber berichtet, dass Vertreter der Regierung in einem Gespräch mit Vizepräsident Nicolás Maduro diesem den „größten Wunsch“ Brasiliens übermittelt hätten. Nach Ansicht der brasilianischen Regierung wäre das der beste Weg, um einen friedliche Übergang zur Demokratie zu gewährleisten.

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Sollte der an Krebs erkrankte bolivarische Führer sterben, sieht die Verfassung Venezuelas Neuwahlen innerhalb von 30 Tagen vor. Aus dem Ausland mehren sich allerdings die Stimmen, dass die Regierung in Caracas die Verfassung ändern könnte. Dies vor allem deshalb, weil Maduro nur ein Schatten des 58-jährigen Staatsoberhauptes ist und die neuerlichen Präsidentschaftswahlen verlieren könnte.

Die umstrittene Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, die Vereidigung von Chávez für eine weitere Amtszeit von sechs Jahren zu verschieben, verstärkt die Angst, dass die Regierung zum Machterhalt zu unlauteren Mitteln greifen könnte. Anlässlich der Verfassungskrise in Venezuela könnte Brasiliens Position entscheidend sein. Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas ist ein Verbündeter von Venezuela und hat den stärksten diplomatischen Einfluss in der gesamten Region.

Die brasilianische Regierung hat Chávez in den letzten zehn Jahren stark unterstützt. Das Land wird international als neutral wahrgenommen und besitzt zudem eine starke demokratische Glaubwürdigkeit. Bereits vor Wochen reisten „Abgesandte“ nach Caracas, um ihren Standpunkt auch mit dem venezolanischen Oppositionsführer Henrique Capriles zu diskutieren. Brasilianische Beamte hoffen, im Falle eines Todes von Chávez einen Aufstand zu vermeiden.

„Wir arbeiten sehr hart, um den Frieden in Venezuela sicherzustellen“, teilte ein Regierungsbeamter mit. Brasilien ist auch in Kontakt mit Washington und berichtet über alle Handlungen. Dies schärft das Profil des südamerikanischen Riesen als Verteidiger der Demokratie in der Region.

Rousseff führte im vergangenen Jahr die regionale Protestwelle gegen die schnelle Absetzung des paraguayischen Präsidenten Fernando Lugo an. Die Regierung ihres Vorgängers und politischen Mentors, Luiz Inacio Lula da Silva, spielte eine aktive Rolle bei den Bemühungen die politische Krise in Honduras nach dem Sturz von Präsident Manuel Zelaya im Jahr 2009 zu lösen.

Brasilia betont stets das Recht der Völker auf ihr eigenes Schicksal, einer der Grundsätze, welche die brasilianische Diplomatie bestimmen und auszeichnen.

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  1. 1
    Martin Bauer

    Roussef sollte mal die Konjunktive aus ihren Sätzen streichen! Das Unrecht wurde in Venezuela längst begangen, die Verfassung längst gebrochen, Neuwahlen hätten längst ausgeschrieben werden müssen.

    „Brasilia betont stets das Recht der Völker auf ihr eigenes Schicksal, einer der Grundsätze, welche die brasilianische Diplomatie bestimmen und auszeichnen.“
    Warum haben sie dann die legitimen und zutiefst demokratischen Machtwechsel in Honduras und Paraguay so scharf kritisiert, nun aber, da in Venezuela zweifelsfrei geputscht wurde, schleimen sie um den heissen Brei herum?

    Unter einem scharfen Profil verstehe ich etwas anderes. Brasilien ist noch Lichtjahre von der Epoche der Demokratie entfernt. Noch immer gibt es Sklaverei im Land, zwar illegal, aber sie existiert. Etwas leisere Töne wären angebracht, wenn man die richtige Melodie noch nicht kennt.

    • 1.1
      herbert merkelbach

      Dilma möchte vor allem die brasilianischen Investitionen in VZ schützen. Es geht nur ums Geld. In Bolivien hatte Dilma schlechte Erfahrungen mit ihren Investitionen gemacht. In Argentinien sieht es auch nicht besser aus. Petrobras Argentinien möchte sein Geschäft verkaufen (Quelle: Bloomberg),

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