Gonaïves in Haiti: Jammertal und Jammerfall

Gonaivessee

Datum: 22. Januar 2013
Uhrzeit: 16:59 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
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Gonaïves (Gonayiv in Kreyòl) erlangte durch seine Katastrophenkette, die tausende von Menschenleben kostete, traurige Berühmtheit. Jedes Kind kannte zeitweilig den Namen dieser Stadt, besser als den des Landes Haïti. Die Katastrophen gab es wohl schon seit jeher, vor Beginn der „Medienzeit“ starben die armen Menschen einfach ohne Hilfe, ohne dass jemand etwas von ihrem Leid erfuhr.

Gonaivessee

Zum Beispiel die Überschwemmungen, Murgänge und Schlammlawinen von 2004 sind bei Vielen heute noch im Vorderkopf. 3000 Menschen wurden weggeschwemmt und ertranken, hunderte retteten sich auf kleine Inseln und Klippen im Meer und wurden erst nach Wochen des Hungerns und Frierens Frierens entdeckt und verarztet, für viele kam die Hilfe zu spät.

Im September 2004 verursachte die atlantische Hurrikansaison 2004 große Überschwemmungen und Schlammlawinen in der Stadt, welche für den Tod von wahrscheinlich 3000 Menschen verantwortlich waren. Praktisch jedes Gebäude wurde durch den Sturm beschädigt, eine große Anzahl von Menschen wurden obdachlos. Am 1. September schnitt der Hurrikan Hanna Gonaives fast vollständig von der Außenwelt ab. Allein in der Stadt gab es über 80 Tote.

EinstigerTower

Die Stadt war unter Wasser, die Ebene davor mit ihrem fruchtbaren Kulturland versank in einem neuen See, Der ist noch nicht überbrückt, es wird immer noch an einer endlosen Brücke gebaut, die einst die längste der Karibik werden soll. Im Bild oben rechts das Fundament eines Brückenpfeilers, der einst riesige Betonplatten tragen wird.

Der Flugplatz besteht nicht mehr, Tower und ehemalige Flughafengebäude sind Ruinen. Ich erinnere mich alter Berichte nach den Katastrophen, wonach ganze Hilfskonvois mit Maschinen und Hilfsgütern stecken blieben oder wieder umkehren mussten. Die Verhältnisse waren unvorstellbar. Die Medien liessen vergessen, dass es neben dem katastrophengepeitschten Gonaïves noch ein Umland und sogar ein Land gab, das teilweise ebensosehr betroffen war, aber bei den Hilfsaktionen völlig vergessen ging.

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Gonaïves ist ein historischer Platz und Hauptstadt des Artibonite mit über 100.000 Einwohnern. Hier rief am 1. Januar 1804 Jean-Jacques Dessalines die Unabhängigkeit Haitis aus. Die Stadt war immer wieder Sitz von Widerstandsgruppen und Gegenregierungen. Während der Zeit der Militärdiktatur von 1991-1994 war Gonaïves Schauplatz von Plünderungen, Gewalt und Morden durch Militärs und Paramilitärs, da die Stadt ein Zentrum Oppositioneller war. Am 5. Februar 2004 wurde Gonaïves von der Organisation RARF (Revolutionary Artibonite Resistance Front) übernommen, was den Start für den Aufstand im Jahr 2004 bedeutete.

Die Universität Gonaïves ist eine Neugründung im Aufbau und sehr stark unterstützt. Besonders ihre juristische Fakultät macht zur Zeit von sich reden, da sie beweisen will, dass der neu gewählte Staatspräsident Martelly einen zusätzlichen US-amerikanischen Pass besitze und damit als Doppelbürger zu betrachten wäre was die haïtianische Verfassung verletzen würde. Das könnte die endlich geglückte Wahl wieder in Frage stellen. Dann wären Unruhen erneut vorgezeichnet.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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