Präsidentschaftswahl in Venezuela: Politischer Verwalter gesucht

castro

Datum: 10. März 2013
Uhrzeit: 07:52 Uhr
Ressorts: Leserberichte
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Vinicius Love, Caracas (Leser)
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► Castro: "Werk von Hugo Chávez wird weitergeführt!"

Der kubanische Präsident Raúl Castro vertraut nach dem Tod von Hugo Chávez auf politische Stabilität in Venezuela. Die gab das kommunistische Staatsoberhaupt am Samstag (9.) in einem vom kubanischen Fernsehen ausgestrahlten Interview bekannt. Er lobte „die Emotion und die Kraft der Worte“ von Nicolás Maduro nach dessen Vereidigungszeremonie. Diese waren nach seiner Meinung „hoch politisch und vermittelten ein Gefühl der Einheit“.

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Nachdem Venezuelas bolivarischer Führer auch offiziell sterben durfte wurde schnell klar, dass die regierende Partei PSUV einen Verwalter für dessen politische Ideen sucht. Deswegen wird mit Nicolás Maduro ein Systemadministrator ins Rennen geschickt, der die seit 14 Jahren gesicherten Pfründe verteidigen soll. Dies wurde bereits kurz nach dessen Vereidigung zum Interimspräsidenten offensichtlich. „Revolution weiterführen, Kampf dem Imperialismus“ waren nur einige der herausgebrüllten Phrasen, die der ehemalige Busfahrer und Schulabbrecher zum besten gab.

Das dieses medienwirksame Spektakel daraus hinauslaufen würde, hatten offensichtlich auch die zur Trauerfeier anwesenden 31 Staats-und Regierungschefs gewusst. Folgedessen waren zur Amtseinführung gerade einmal Ecuadors Rafael Correa und sein Außenminister, Ricardo Patiño, der Präsident der Kooperativen Republik Guyana, Donald Ramotar, die ehemaligen Präsidenten von Honduras, Manuel Zelaya (2009) und von Paraguay, Fernando Lugo (2012), sowie der Premierminister von Belize, Gaspar Vega, anwesend.

Der 81-jährige Castro zeigte sich davon überzeugt, dass der eingefahrene Trott weitergehen wird. „Wir sind sehr davon überzeugt, dass das große Werk von Hugo Chávez weitergeführt wird. Diese Politik, welche Chávez gelehrt hat, wird weiterhin Erfolg haben“, so der greise und von den Milliardengeschenken aus Venezuela abhängige Diktator.

Viele Analysten sind sich einig, dass Maduro schon Mangels eigenem Profil nichts anderes übrigbleibt, als die nationalistische, linksgerichtete und gegen die USA gewandte Rhetorik fortzusetzen. Diese wurde im Chavismus 14 Jahre kontinuierlich geschmiert und war für Chávez ein beliebtes Mittel, sich den gesamten Staat gefügig zu machen. Unter dem Deckmantel der Demokratie wurde die Gewaltenteilung systematisch aufgehoben und ein eigener Medien- und Militärapparat aufgebaut.

Es darf nicht vergessen werden, dass Chávez den von früheren Regierungen vernachlässigten oder gar nicht wahrgenommenen Armenschichten zu Selbstachtung und Zugang zu Bildungseinrichtungen und medizinischer Versorgung verholfen hat. Der Preis war ein religionsartiger chavistischer Kult, wie er aus kommunistischen Ländern bekannt ist. Passend zu diesem Szenario ist, dass sich der verblichene Caudillo nun auch noch einer Einbalsamierung unterziehen muss – „so wie Lenin, wie Ho Chi Minh und Mao“ gab Maduro bekannt. Dass der Verstorbene in seinen Memoiren angab wie ein Normalsterblicher in seiner Heimat die letzte Ruhe finden zu wollen, ist dabei unerheblich. Seine Überreste kommen in eine Kristallurne und werden in einem Mausoleum, dem „Museum der Revolution“, das gerade umgestaltet wird, für die Ewigkeit zur Schau gestellt.

“Das ist ja alles nur ein Zirkus, billiger Messianismus”, erkärte der in den USA lebende bolivianische Schriftsteller und Hugo-Chávez-Kritiker Claudio Ferrufino. Nach seinen Worten ist das Land zerstört. Die Armen werden nach wie vor nur benutzt und wurden über 14 Jahre daran gewöhnt, nichts als Almosen zu kriegen. „Das wirtschaftliche Debakel ist in Venezuela nicht mehr zu stoppen, deswegen müssen sie jetzt einen Heiligen, einen Gott erfinden“.

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  1. 1
    herbert merkelbach

    Man kann den Worten von Claudio Ferrufino nur zustimmen. Die Volkswirtschaft Venezuelas liegt am Boden. Jetzt werden von diesen regierenden Spatzenhirnen die Vorwände ihrer Misswirtschaft bei den anderen gesucht. Die USA müssen einmal wieder als der Schuldige erkoren werden. Ich gehe davon aus, dass der Schuldige in zirka 4-5 Jahren noch weniger Erdöl aus VZ bezieht als heute. Dann bin ich gespannt, wie sich diese bolioligarchische Bande verhalten wird.

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