Venezuela: Regierungskritischer Sender Globovisión wird verkauft

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Datum: 15. März 2013
Uhrzeit: 07:45 Uhr
Leserecho: 10 Kommentare
Autor: Redaktion
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► Behandlung der Medien gehörte zu den dunkelsten Kapitel der Amtszeit von Chávez

Der letzte oppositionelle Fernsehsender Globovisión steht unmittelbar vor einem Besitzerwechsel. Laut den Worten des größten Anteileigners, Guillermo Zuloaga, soll der Verkauf nach den bevorstehenden Wahlen vom 14. April abgewickelt werden. Käuferin ist eine Gruppe um den Financier und Besitzer der Versicherungsgesellschaft La Vitalicia, Juan Domingo Cordero, Onkel von Ana Julia Thomson de Zuloaga, die wiederum mit Guillermo Zuloaga verheiratet ist. Dies bedeutet, dass der Sender praktisch im Familienbesitz verbleibt.

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Bei den Unterstützern des verstorbenen Staatschefs Hugo Chávez ist Globovisión wegen seiner besonders kritischen und sachlichen Berichterstattung über das undurchsichtige Regierungsgeflecht unbeliebt. Im Juni 2012 wurde der Sender zur Zahlung von 2.1 Millionen US-Dollar für eine ‚unangemessene Ausstrahlung der Gewalt in venezolanischen Gefängnissen‘ verurteilt. Globovisión hatte damals über Unruhen in El Rodeo berichtet, bei denen 20 Menschen umgebracht wurden.

In einem Brief an die Mitarbeiter der Fernsehstation betont Zuloaga, dass der Sender in der jetzigen Situation aus wirtschaftlichen, politischen und juristischen Gründen nicht überleben könne und die Angriffe seitens der Regierung immer stärker würden. Ständige Prozesse und offene administrative Verfahren deckten die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr. Nach seinen Worten habe er im vergangen Jahr alles unternommen, damit Oppositionskandidat Henrique Capriles die Wahlen gewinne und sich nach dessen Niederlage nun dazu entschlossen, auf das Angebot von Cordero einzugehen.

Die Behandlung der Medien gehörte zu den dunkelsten Kapitel der Amtszeit von Hugo Chávez. Wer kritisch über ihn berichtete, bekam Gegenwind. Innerhalb seiner Regierungszeit sind kritische Medien praktisch verschwunden. Dutzende von Radio- und Fernsehsendern wurden geschlossen oder von der Regierung aufgekauft. Folgerichtig prangerte „Reporter ohne Grenzen“ die schwierige Situation für Journalisten in dem lateinamerikanischen Land mehrfach an. „Die Medien sind extrem polarisiert zwischen staatlichen und privaten Sendern. Beleidigungen und Verunglimpfungen der Gegenseite sind an der Tagesordnung“, so ROG. „In dieser aufgeheizten Atmosphäre werden Journalisten immer öfter Ziel politisch motivierter Gewalt.

2010 ließ der bolivarische Führer das „Gesetz über die Verantwortung in Hörfunk und Fernsehen“ („Ley Resorte“) verschärfen und auf das Internet ausweiten. Es stellt Botschaften unter Strafe, die „zu Hass anstiften“, „Unruhe in der Bevölkerung verbreiten“ und „Amtsträger herausfordern“. Seither sind nicht nur traditionelle Medien, sondern auch Betreiber und Provider von Internetseiten für Inhalte haftbar, die sie verbreiten – also auch für Lesermeinungen und Kommentare.

Problematisch ist nicht nur die sehr vage Formulierung des Gesetzes, sondern auch seine selektive Anwendung. Es richtet sich fast ausschließlich gegen regierungskritische Medien. Bereits im August 2009 hatten 34 lokale Radio- und Fernsehsender „aus technischen und administrativen Gründen“ ihre Lizenz verloren. Gleichzeitig treiben die Behörden den Aufbau eines staatlich kontrollierten Rundfunksystems voran. Es besteht derzeit aus sechs Fernseh- und drei Radiosendern, die Kritik an der Regierung als „Beleidigung des Volkes“ und „Destabilisierung der Nation“ brandmarken.

Auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit steht Venezuela auf Platz 117 von 179.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Boris

    So kann man das auch nennen. Aber Globovision ist ein Putschsender. Abschalten! In Deutschland hätte so ein Sender keine Chance!

    • 1.1
      el escéptico

      wo sind die Beweise für diese Behauptung
      und welcher Sender wurde auf Grund einer Behauptung, wie Ihrer, in DE geschlossen?

    • 1.2
      Martin Bauer

      „Abschalten“ sollte man Brunnenvergifter und Tatsachenvertreter wie Sie.

    • 1.3
      pandora

      Typen , wie Boris gibts leider zu viele , neunmalkluge Nixwisser ….

    • 1.4
      babunda

      boris was bist du für ein oberchavist, ziehe mal dein rotes hemd aus, bald wirst du nach kuba verfrachtet

      • 1.4.1
        Martin Bauer

        Ist doch eh schon sein Lieblingsland!

  2. 2
    Togo

    „sachlichen Berichterstattung“ :-))))))

    „Innerhalb seiner Regierungszeit sind kritische Medien praktisch verschwunden“

    Globovision (gibt es ja auch noch weiterhin), El Nacional, El Universal und viele andere…

    • 2.1
      Staatsanwalt

      Togo achten Sie mal auf a) die „objektive“ Berichterstattung des Editors:
      Im Titel steht „Regierungskritischer Sender Globovisión wird verkauft“. Oh, da schlagen die Chavistas wieder auf die Opposition zu, die Pressefreiheit wird untergraben, diese roten Teufel!
      Und dann heisst es am Ende des 1. Absatzes, „Dies bedeutet, dass der Sender praktisch im Familienbesitz verbleibt“.

      So was widersprüchliches und Lächerliches!
      Aber das ist MANIPULATI0N IN ROHNATUR.

      und b) auf die Kommentare der eingefleischten deutschen Rechtsaussen mit ihren schäumenden Hass: also da verkrampft sich jedem Demokraten der Magen!

      Stellen Sie sich vor, dieses Gesindel währe in Deutschland oder anderswo an der Macht: Zensur, Verfolgung, Gewaltanwendung gegen „Dreckskerle“, das sind die Andersdenkenden.

      • 2.1.1
        Martin Bauer

        Haben Sie wirklich Null Ahnung von der Realität oder verdrehen Sie diese aus notorischer Böswilligkeit?

        Die Krux an der Meinungsfreiheit ist, dass Kreaturen wie Sie sie ungestraft missbrauchen dürfen. In Venezuela wurden Freunde von mir genau dafür ermordet, nur dass sie, im Gegensatz zu Ihnen, für Wahrheit, Freiheit und Menschlichkeit einstanden, anstatt dümmliche rote Propaganda zu verbreiten.

  3. 3
    Martin Bauer

    So sind die Roten seit jeher und überall: Gewalt gegen politische Gegner, ist angemessen, darüber berichten dagegen nicht.
    Auch ein Journalist, denn ich gut kannte, wurde im Auftrag der Regierung erschossen. Er war ein feiner Mensch und ging mehr als fair mit den Chávista um. Das war der Dank der Dreckskerle.

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