Carandiru-Massaker in Brasilien: Studie soll für Klarheit sorgen

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Datum: 08. April 2013
Uhrzeit: 16:30 Uhr
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Autor: Redaktion
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► 111 Häftlinge abgeschlachtet

26 Polizisten müssen sich in Brasilien für das Carandiru-Massaker verantworten. Bei einem Aufstand im Gefängnis „Casa de Detenção de São Paulo“ waren am 2. Oktober 1992 mindestens 102 Gefangene erschossen worden, weitere 9 Häftlinge starben an Stichwunden, die nicht behandelt wurden. Laut der ermittelnden Staatsanwaltschaft waren die meisten der Inhaftierten in ihren Zellen und aus kürzester Entfernung erschossen worden. Bei der 30-minütigen Aktion wurde kein Polizist getötet.

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Carandiru war von 1920 bis zum 16. September 2002 in Betrieb. Die Haftanstalt lag im gleichnamigen Stadtteil im Norden von São Paulo, hatte zeitweise über 8.000 Insassen und war damit die größte Haftanstalt Südamerikas. Der Aufstand begann am 2. Oktober 1992 nach einem Streit zwischen zwei Insassen und verbreitete sich rasend schnell unter den rivalisierende Gangs. Überlebende Häftlinge/Augenzeugen warfen den Ordnungskräften eine brutale Niederschlagung der Rebellion vor.

Der Kommandierende der eingesetzten Militärpolizei, Oberst Ubiratan Guimarães, wurde im Juni 2001 in erster Instanz u.a. wegen Mordes in 102 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von 632 Jahren verurteilt, blieb jedoch auf freiem Fuß, da er Rechtsmittel einlegte. In zweiter Instanz wurde er am 16. Februar 2006 freigesprochen und am 9. September 2006 von einem unbekannten Täter in seiner Wohnung durch einen Bauchschuss getötet.

26 Beamte der Bereitschaftspolizei müssen sich nun vor Gericht verantworten, dutzende weitere Offiziere sollen im Zusammenhang mit dem Massaker in den kommenden Monaten angeklagt werden. Die von der Regierung in Auftrag gegebene Studie wird voraussichtlich eine oder zwei Wochen dauern. Sieben Juroren – fünf Frauen und zwei Männer – wurden durch Stimmzettel aus einer Liste von 50 vorselektierten Kandidaten ausgewählt.

Der Anwalt der Angeklagten argumentiert, dass die Polizisten nur ihre Pflicht taten und in Notwehr handelten. Zudem sollen viele der Insassen bewaffnet gewesen sein. Bereits jetzt wird es als „fast unmöglich“ bezeichnet zu beweisen, welcher der Beamten die tödlichen Schüsse abfeuerte. Aus nicht bekannten Gründen wurde es nach dem Massaker versäumt, ballistische Tests durchzuführen. Sollten die Untersuchungen zu einer Überführung der Täterschaft führen, müssen die Beamtem mit einer Haftstrafe zwischen 12 und 30 Jahren rechnen.

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