“Oasis of the Seas” in Haiti: Provokation für die Ärmsten der westlichen Hemisphäre

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Datum: 16. Mai 2013
Uhrzeit: 17:55 Uhr
Leserecho: 4 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
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Das Luxus-Kreuzfahrtschiff “Oasis of the Seas” ist wieder im Armenland eingelaufen. Das grösste und teuerste Schiff der Welt ist mit seinen 362 Metern Länge, Breite 65 Meter, Höhe 16 Decks = 65 Meter, Gewicht = 100.000 Tonnen eine Provokation für die Ärmsten der westlichen Hemisphäre. Der Gigant hat in 2.706 Kabinen Platz für 6.296 Passagiere und 2.165 Besatzungsmitglieder. 21 Pools fassen 2.300 m³ Wasser. Jeden Tag werden 2.100 m³ Frischwasser benötigt, wie es bei uns in Lakou-mango kübelweise „heraufgekopft“ und „fingerhutweise“ gekauft und getrunken wird.

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Es gibt 24 Restaurants und sieben Erlebniswelten. Für Unterhaltung sorgen Broadway-Musicals oder Eislauf-Stars. In einem besonderen Pool kann gesurft oder an einer „3-D-Kletterwand“ trainiert werden. Es gibt Gelegenheit für Minigolf, aber auch einen Basketball-Court. Im „Rising Tide“ können 50 Gäste mit Hilfe eines langsamen Schneckenliftes beim Cocktail von der fünften Etage zum „Central Park“ in die Höhe schweben. Auf der Oasis of the Seas gibt es die längste Jogging-Bahn auf See. Eine Runde umfasst 692 Meter.

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Im Central Park befinden sich 12.175 Pflanzen, einige der Bäume sind über sieben Meter hoch. Spazierwälder und -Alleen spenden echten Schatten, 400 Tonnen Pflanzen und Pflanzenerde wurden dafür eingebracht, so dass es auch das „grünste“ aller Schiffe wurde.

Das Schiff kostete rund 1 Milliarde Euro, was etwa den Ernährungskosten für die Bevölkerung Haïtis 1 Jahr lang entspricht. An Weihnacht 2009 lief das „Weihnachtsgeschenk“ erstmals in Labadee/Haïti ein und wird das regelmässig wiederholen. Eine schöne Steuerquelle für den unvorstellbar armen Staat. Ein Tropfen „Wirtschaft“. Aber das Volk rundum, das ist NOCH ärmer. Was glaubt Ihr, wieviel davon an diese GANZ Armen geht? Muss DAS die Zukunft sein?

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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  1. 1
    Caramba

    Hola,
    zugegeben, in Haiti mögen die Unterschiede krasser sein als irgendwo anders, aber DAS „muss“ nicht die Zukunft sein, DAS ist traurige Gegenwart in der kompletten Karibik, von Antigua bis Trinidad oder Margarita. Und wenn wir allgemeiner werden und von Kreuzfahrtschiffen als Symbolen weggehen, ist DAS die Richtung, in die es weltweit geht, und das nicht erst seit gestern: die Reichen werden immer reicher, die Mittelklasse wird abgeschafft, die Armen werden immer ärmer. Und solange wir uns die systematische Enteignung durch eine Handvoll Grossbanken weiter ohne zu murren gefallen lassen, wird es auch so weiter gehen. Bis es zu spät ist, den Trend umzukehren……
    Wehret den Anfängen!
    dd

  2. 2
    Fideldödeldumm

    Um eine Kreuzfahrt zu machen, muss man heutzutage ja nicht mehr super reich sein. Trotzdem finde ich es unpassend mit dem Schiff dort zu ankern. Sollten jeder Teilnehmer der Kreuzfahrt wenigstens eine freiwillige Abgabe von 100 USD an eine Spendenorganisation zahlen.

    Als Bewohner von Haiti würde ich die Kiste wohl mit eine paar Kumpels entern wollen. Dann hätte sich die Kreuzfahrtbesuche ziemlich schnell erledigt.

  3. 3
    Caramba

    Superreich ist sehr relativ:
    billigstes Ticket Oasis o t Sea = 811€/Woche.
    Durchschnittliches JAHRES- Einkommen Haiti: = 630US$ / JAHR
    Quelle: kreuzfahrten.de und Auswärtiges Amt

  4. 4
    mhmh

    Ich war mit der Allure dort (Schwesternschiff der Oasis). Es wurde für 2000 − 3000 Leute ein Buffett hergerichtet. Wer bei einer Kreuzfahrt schon dabei war – hat sicher schon gesehen dass mindestens ein Drittel nicht gegessen wird. Labadee ist eine Halbinsel – der Bereich von RCI ist abgetrennt. Leute aus Haiti übernehmen die Fahrten von der Schiffsanlegestelle zum Strand, es gibt auch viele Verkaufsstände in einen abgegrenzten Bereich. Locals bringen auch die Liegen und Sonnenschirme für ein paar Dollar an jeden Ort des Strandes. Vom Buffett wird nichts mehr an Bord genommen – für geschätzte 500 – 1000 Leute bleibt das Essen und Getränke dort. Die Eiswürfel werden in 20 kg Säcken weggetragen. Als das Buffett geschlossen wurde fuhren einheimische Lastwägen vor und luden ein was noch da war. Ich glaube dass damit weit mehr Leuten geholfen wird als mit 100 Dollar bei einer Spendenorganisation – dieses Geld kommt sicher nicht an. Wenn jemand für das Bringen eines Sonnenschirms und für ein Bier 5 Dollar Trinkgeld bekommt ist er froh darüber dass jeden Tagein Schiff anlegt. 90% der Leute, die dort gearbeitet haben waren 100%ig nicht vom Schiff. Alle die dort arbeiten verdienen in den wenigen Stunden, die ein Schiff dort ist, sicher mehr als jemand der ausserhalb Labadees arbeitet.
    Wenn diese Schiffe nicht hinfahren würden – hätten an die 1000 Leute eine Mahlzeit weniger und 60 − 100 Leute keine Arbeit. Die Schiffe sind ein Segen für das Land.
    Ich gebe meine Spende direkt an die Betroffenen.

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