Lateinamerika: Wasserversorgung in den Anden zunehmend gefährdet

Datum: 09. September 2013
Uhrzeit: 09:17 Uhr
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► Austrocknung der Páramo befürchtet

Wissenschaftler zeigen sich angesichts der Wasserversorgung in den Anden zunehmend besorgt. Der Klimawandel könnte in naher Zukunft dazu führen, dass den in großer Höhe gelegenen Städten wie Quito und Bogotá das Trinkwasser ausgeht. Grund für die Besorgnis ist die Austrocknung der Páramo. Diese tropische Vegetationsform in den Höhenlagen der Gebirge ist typisch für die südamerikanischen Anden. Er kommt oberhalb der Baumgrenze zwischen ca. 3.200 und 4.800 Meter über dem Meeresspiegel in feuchtem Klima vor. Die Páramo-Gebiete liegen in Venezuela, Kolumbien, Ecuador und dem Norden Perus.

Paramo

Da die Vegetation des Páramos sehr viel Wasser aufnehmen und halten kann, stellt er ein wichtiges natürliches Wasserreservoir dar, das auch noch in langen Trockenzeiten Quellen speist. Aus diesem Grund ist der Páramo in vielen Gegenden unter Naturschutz gestellt. So bedroht das Vordringen von Landwirtschaft und Viehzucht sowie die Ausbeutung von Rohstoffen (Gold, Kohle, Erze) die Trinkwasserversorgung der naheliegenden Orte und Städte, eine Situation, die in allen Ländern in jüngster Zeit zu immer mehr Konflikten führt.

Die Art, wie der Páramo auf den Klimawandel reagiert, hat laut den Vegetationskundlern einen viel größeren Einfluss auf die Wasserversorgung einiger Städte als die abschmelzenden Gletscher. „Insgesamt speichern die drei Vegetationshöhenstufen des Superpáramo, Páramo und Subpáramo viel mehr Wasser in ihren Böden als die Gletscher. Sie wirken wie riesige Schwämme, speichern und setzen das Wasser wieder frei“, erklärt Bert De Bievre, Koordinator des in Quito basierten Konsortiums für nachhaltige Entwicklung der Ecoregion Andina (CONDESAN).

Als Hauptproblem bezeichnen die Wissenschaftler das Austrocknen der Böden und der Vegetation. Der Páramo verliert dadurch seine Fähigkeit, überschüssiges Wasser in der Regenzeit zu speichern und es in der Trockenzeit wieder frei zu setzen. Die Reduktion würde die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung drastisch reduzieren. Diese leidet angesichts des ungebremsten Bevölkerungswachstums, schmelzender Gletscher und Veränderungen in der Landwirtschaft bereits jetzt unter enormen Stress.

Rossettenstauden

„Die Städte in der Anden werden in naher Zukunft unter einem enormen Wasserdruck leiden. Das Bevölkerungswachstum wird dabei wahrscheinlich der größte Verursacher beim Rückgang der Pro-Kopf-Verfügbarkeit von Wasser sein. Allerdings sind einige Städte besonders anfällig für Veränderungen der Páramo“, analysiert Wouter Buytaert, Anden-Wasser-Spezialist am Imperial College London. Buytaert weist darauf hin, dass die Städte Quito und Cuenca in Ecuador, sowie die kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, das meiste ihres Trinkwassers aus den Páramos beziehen.

Die ecuadorianische Regierung hat bereits reagiert. Die Einwohner von Quito zahlen einen kleinen Prozentsatz ihrer Wasserrechnung in einen Fonds zur Erhaltung der Páramos ein. Es wird angenommen, dass dies die einzige derartige Initiative in Lateinamerika ist. Ein weiteres Problem ist allerdings der hohe persönliche Verbrauch von Wasser durch die Bevölkerung. Es wird geschätzt, dass die Bewohner Quitos 250 Liter Wasser pro Person und Tag verbrauchen – im Vergleich zu 100 Liter in Großbritannien.

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