Über die Wasserfälle Brasiliens: ein Flug von Rio de Janeiro nach Foz do Iguaçu

Cataratas do Iguassu

Die Wasserfälle des Rio Iguaçu sind auch aus der Luft imposant (Foto: Dietmar Lang / IAP Photo)
Datum: 11. September 2013
Uhrzeit: 11:06 Uhr
Ressorts: Brasilien, Editorial
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Es sind die kleinen Geschichten aus Brasilien, die mich immer wieder faszinieren. Ob der Besuch in einem Grill-Restaurant, ein Tag an einem der endlosen Strände, eine Wanderung im Regenwald oder eine Reise über den Wolken – im größten Land Südamerikas ist alles ein wenig anders und exotischer. Heute will ich von einem Flug von Rio de Janeiro in den äußersten Westen Paranás berichten, nach Foz do Iguaçu. Aus Deutschland kommend, liegt mein Zielflughafen nur 12 Kilometer von den herrlichen Wasserfällen des Rio Iguaçu entfernt, und wenn man Glück mit dem Wind hat, muss der Flieger einen Schwenk über Argentinien machen und man hat so die Chance, die „Cataratas do Iguaçu“ von oben zu bestaunen.

Glücklicherweise hatte ich mich im Vorfeld mit zahlreichen Infos zur Reise eingedeckt, denn Brasilien ist ja nicht nur eine gigantisches Land sondern auch voller Gegensätze. Vor allem um mein Reisegepäck hatte ich mir einige Gedanken gemacht, denn die Freigrenzen zwischen nationalen und internationalen Flügen sind recht unterschiedlich. Besonders wenn man nicht bis zum Zielflughafen durchbucht sondern mit zwei separaten Tickets fliegt. Dann steht man eventuell vor einem gewaltigen Problem: die Koffer werden bis nach Brasilien transportiert und dort dann aufgrund des zu hohen Gewichtes nicht oder nur gegen einen saftigen Aufpreis in den Anschlussflieger eingeladen. So darf man sich nach einem Flug von 11 Stunden in Rio de Janeiro oder São Paulo noch mit dem Bodenpersonal rumschlagen.

Ich allerdings habe nur wenig Gepäck dabei und sitze daher auf der letzten Etappe meiner Reise ganz entspannt im Flieger, strecke die Beine aus und bewundere aus 10 Kilometern Höhe an einem wolkenlosen Tag die herrliche Landschaft unter mir. Mein Fensterplatz in Reihe 2 – Executivo – ist wirklich komfortabel. Keine Ahnung wie ich von meiner gebuchten Holzklasse zu dieser Ehre kam, ich denke, der Flieger war einfach überbucht. Aber dass sie dann jemanden dorthin setzen, der lediglich die Flughafengebühr für sein Ticket gelöhnt hat und seine letzten Vielfliegermeilen innerhalb Brasilines verbrät, finde ich schon verwunderlich. Oder es war aus dem E-Ticket nicht zu ersehen. Aber ich habe mich nicht beschwert!

Ich sitze also da und genieße auf diesem 2-Stunden-Flug mit der brasilianischen Airline TAM ein paar brasilianische Rhythmen aus den Kopfhörern, der Atlantikflug konnte mir diese musikalische Auswahl nicht bieten. Da sehe ich schräg unter uns ein kleines Wasserkraftwerk mit dem dazugehörigen Stausee. Viel zu klein für Itaípu, selbst aus dieser Höhe. Aber da war mir klar, dass dies der Rio Iguaçu sein muss, und wir nunmehr von Süden aus in Foz do Iguaçu landen werden. Der Flieger fängt auch kurz darauf an, eine große Schleife zu ziehen, um wieder nach Norden einzuschwenken.

Da wir uns schon im Sinkflug befanden, kommt auch der Regenwald des großen Nationalparks immer näher. Dieses dichte Grün ohne jegliche Lücke verwandelt sich zunehmend in einzelne, unzählige Baumwipfel, die sich dann dem Auge kilometerweit in Richtung Horizont erschlossen. Wir hatten inzwischen Brasilien verlassen und befanden uns über Argentinien. Und plötzlich sehe ich eine brutale, hässliche Schneise inmitten des Urwalds! Der argentinische Flugplatz, im Nationalpark alleinig geschaffen für die Touristen, die die Wasserfälle bewundern wollen und natürlich nicht länger als zehn Minuten Bus fahren wollen. Welch‘ ein Schandfleck in der sonst dort noch unberührten Natur!

Doch diesen Anblick vergesse ich schnell, als ich „Sie“ sehe: Die mächtigen Cataratas do Iguaçu. Mein Blick fällt zunächst auf diese riesige blaue absolut spiegelglatte Wasserfläche des Rio Iguaçu, die sich langsam aber stetig mit zunehmenden Flusslauf verengt. An deren Ende kam dann die sichelförmige Kante in Sicht, an der das Wasser in riesigen Mengen herunter schiesst. Als wir auf gleicher Höhe mit den Fällen sind, ist sogar die aufschäumende Gischt zu sehen, die dafür allerdings den Einblick in die Schlucht verwehrt – aus der Luft wie von unten betrachtet ist es ein gigantisches Schauspiel der Natur.

Das Wort Iguassu bedeutet in der Etymologie der Tupi-Guarani Indianer im Übrigen „Großes Wasser”. Der Fluß entspringt in der mit dem Zug zu durchquerenden Gebirgskette Serra do Mar, durchfließt den Bundesstaat Paraná auf 1.320 Kilometer bis Foz do Iguaçu und mündet dort letztendlich in den Rio Paraná.

Die Wasserfälle von Iguaçu (Foto: Dietmar Lang / IAP Photo)

Die Wasserfälle von Iguaçu (Foto: Dietmar Lang / IAP Photo)

Oberhalb der Fälle misst der Fluss 1200 Meter in der Breite und verengt sich bis auf 65 bis 100 Meter in der tektonischen Spalte, welche die Talsohle bildet. Die Breite der Fälle beträgt auf brasilianischer Seite 800 Meter, auf argentinischer 1900 Meter, was eine Gesamtbreite der halbkreisförmigen Front der Fälle von 2.700 Metern ergibt. Der Höhenunterschied beträgt stolze 72 Meter, einschließlich einer Stromschnelle oberhalb der Fälle. Abhängig vom Wasserstand schwankt die Zahl der Fälle zwischen 150 und 275 und ihre Höhe zwischen 40 und 90 Meter. Das Strömungsvolumen pro Sekunde ändert sich, je nachdem ob Trockenheit oder Dürre herrscht, von 300 Kubikmeter pro Sekunde bis zu 6.500 Kubikmeter pro Sekunde mit einem mittleren Strömungsvolumen von 1.500 Kubikmeter pro Sekunde.

Natürlich kann es der Kapitän nicht lassen, die Reisenden auf der linken Seite des Fliegers auf die herrliche Aussicht aufmerksam zu machen, worauf die Reisenden der rechten Seite vorschriftswidrig ihre Gurte lösen und lange Hälse machen. Man muss ja dazusagen, dass in dem Flieger neben meiner Wenigkeit, die nur noch nach Hause wollte, sonst ausschließlich Touristen deutscher und japanischer Abstammung sassen, also typische Wasserfall-Touristen sind.

Doch das Schauspiel, welches mich und meine Mitreisenden so in den Bann gezogen hat, rast viel zu schnell an den kleinen Fenstern vorüber und Sekunden später setzen wir auch schon auf der Landebahn im äußersten Westen Brasiliens auf. Damit endet mein kostenloser Rundflug über den brasilianischen und argentinischen Iguaçu-Nationalpark mit einer Demonstration der gewaltigen Kraft der Natur, welche man nie oft genug bewundern kann!

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Die Kolumne von latinapress Herausgeber Dietmar Lang – Gedanken und Erfahrungen über das Leben in Lateinamerika und der täglichen Berichterstattung von Nachrichten aus Südamerika und der Karibik.

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