Ausländer in Haiti: Null Erfahrung – Große Klappe

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Aufgestellte, ausschliesslich lokale Lehrerinnen, knipsen sich selbst mit einem Handy (Foto: Otto Hegnauer/latinapress)
Datum: 07. November 2013
Uhrzeit: 15:40 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
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Kreolisch spricht kaum einer, die „Gebildeten“ vielleicht Französisch, die Rückkehrer meist Englisch, die Besserwisser NOCH fremder, die Ausländer ohnehin. Aber es beginnt ja mit „Ordnung“ und Sicherheit, und die beginnt mit Macht und Gewehren. Und da wird von sri-lankisch bis nepalesisch alles gesprochen, die Hauptsache es knallt und es spricht und die Gefängnisse sind voll.

Ich zitiere mich von früher: „Ich entdeckte das babylonische Sprachgewirr, Gewirr zwischen sozialen Kisten und Kasten. Das musste man erst entwirren, wenn man miteinander sprechen wollte. „Babylon ist überall.“ Da ist einmal die abgehobene, universitäre Sprache, die von der geltenden Mehrheit niemals verstanden wird.

Auch Ziele klaffen weit auseinander. Jedenfalls aneinander vorbei. Sie liegen ausschliesslich auf der Ebene der Wirtschaftsförderung und Arbeitsbeschaffung, des Profitierens und der Macht, anstelle von Ernährung und Selbsthilfe, Freude und Glück. 4.000 NGO’s (Nichtregierungs-Organisationen) buhlen um die Vorherrschaft, die wird nicht am Erfolg gemessen, Planung gibt es nicht. Es gibt aber Ver- und Zer-Planung.

Eigentlich gibt es ein Fach, das heisst „Geographie“ und umfasst Orts-, Regional- und Landesplanung. Und alles, was für eine gedeihliche Entwicklung der Gegend nützlich wäre. Aber das Erdbeben hat die hiesige Uni völlig zerstört und was Geographie ist, wusste schon vorher keiner.

Auch in der Regierung fehlt alles an Mitteln, die kennen nur Wirtschaft und was dazu gehört, allenfalls Tourismus, Dinge die Geld bringen. Die Mittel fliessen nur auf private Bankkonti. Zahlungsmodelle werden in „entwickelten“ Ländern bezogen. Gemeinnutz ist unbekannt, Eigennutz große Mode.

Die Welt spendet Milliarden, angeblich. Und denkt es sei damit getan. Die Mächtigsten teilen Land und Milliarden mit der Reissschiene auf. Man kann sich vorstellen, was dabei herausschaut. Von den 4.000 Hilfsorganisationen gehen die meisten ungeprüft leer aus. Sie kämpfen um die Beute. Jede arbeitet nur für ihr abgegrenztes Gebiet, was daneben geschieht, interessiert sie nicht. Man denkt nur ans Bauen, nicht ans Abreißen oder gar Abräumen. Denn das kostet, oft noch mehr.

Es scheint mir, ein paar grosse NGO’s hätten mit Lineal und Reissbrett Land und Probleme unorganisch aufgeteilt, ohne jede Grundkenntnis in Geographie, Orts-, Regional- und Landesplanung. Fertigzerstörung des Landes. Ich erinnere mich, in der Nähe von Léogâne ein einziges vorbidliches Lager gesehen zu haben. Mit unregelmässigem Strassennetz, mit Kurven, schattigen Bäumen usf. – im Gegensatz zu den üblichen schachbrettartigen Siedlungen, ohne Strassennetz, Bäume und Schatten, Wasser, Strom und Arbeitsmöglichkeiten.

Es sind vor allem die Ausländer, die null Erfahrung, aber das Sagen haben. Dann die „Gebildeten“, die Rückkehrer, alles Neulinge. Geographen fehlen. Die Intentionen sind rein wirtschaftlich. Die lokale Bevölkerung mit ihrer Meinung wurde nie mit einbezogen.

Da lob ich mir ESMONO in Lakou-mango. Mit meiner kleinen AHV (Altersversicherung) und später lauter Lesern und Freunden haben wir ein Wunderwerk hergezaubert, das die Grossen nicht fertig brachten, mit ihren Milliarden:

1. eine Schule für 150 Kinder, die aus den Fugen platzt – denn die Fugen sind ausgeschöpft und es möchten immer NOCH mehr kommen.

2. Wasser für das Quartier, bald wird es Trinkwasser sein (in einem der bestreikten Container liegt eine Wasseraufbereitungs-Anlage … Streikende kommt endlich zur Besinnung und begrenzt euren Eigennutz!!!).

3. Essen und die Menschen befähigen, solches fast kostenlos nachzuziehen.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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