Russland will Nicaragua im Grenzstreit mit Kolumbien militärisch unterstützen

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Kolumbianischer Kongress (Foto: Archiv)
Datum: 13. November 2013
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Leserecho: 6 Kommentare
Autor: Redaktion
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Vor wenigen Tagen hat ein hochrangiger russischer Offizier versichert, Nicaragua in einem möglichen bewaffneten Konflikt mit Kolumbien zu unterstützen. Nun hat der kolumbianische Kongress Verteidigungsminister Juan Carlos Pinzón und Außenministerin María Angela Holguín vorgeladen um zu klären, ob das südamerikanische Land für einen möglichen Krieg mit Nicaragua bereit sei.

Die kolumbianische Regierung hat in Russland bereits gegen die Verletzung ihres Luftraums protestiert. Nach Angaben von Präsident Juan Manuel Santos waren zu Beginn des Monats November zwei russische strategische Bombenflugzeuge des Typs Tu-160 auf dem Weg von Nicaragua nach Venezuela und zurück ohne Genehmigung von Kolumbien in den Luftraum des Landes eingedrungen. Das Verteidigungsministerium bestätigte, dass die russischen Flugzeuge unerlaubt über dem Archipel von San Andres und Providencia in den kolumbianischen Luftraum eindrangen und sich „zu jeder Zeit im Fadenkreuz der Zielerfassung von zwei kolumbianischen Kfir-Kampfjets“ befanden.

Zur Zeit befinden sich zwei russische Kriegsschiffe in Managua und nehmen an den Feierlichkeiten zum 33. Jahrestag der „Fuerza Naval del Ejército“ teil. Keksey Osyannika, Kapitän eines der Schiffe, hat nach Zitaten kolumbianischer Medien folgenden Satz geäußert: „Russland und Nicaragua sind zwei befreundete Länder und bei einem möglichen militärischen Konflikt mit Kolumbien werden wir die Regierung von Daniel Ortega unterstützen“.

Die kolumbianischen Abgeordneten baten die Minister, voraussichtlich nächste Woche zu einer Anhörung vor dem Kongress zu erscheinen. Dabei soll laut dem Kongressabgeordneten William García Tirado geklärt werden, ob die kolumbianische Armee „für eine mögliche militärische Konfrontation mit Nicaragua bereit“ sei. Ebenfalls wird um einen Zustandsbericht der Flotte und der Luftwaffe gebeten.

„Unsere Raffinerien, militärischen Einrichtungen und Flughäfen sind das Ziel von möglichen fremden Luftangriffen. Wir wollen einen aktuellen Zustandsbericht der Einsatzfähigkeit unserer Streitkräfte und verlangen Details über die Waffen, die zur Verteidigung gegen eine mögliche Bombardierung unserer Städte zum Einsatz kommen. Diese Fragen wird uns Verteidigungsminister Pinzón in einer geschlossenen Sitzung beantworten“, so Tirado in einem Interview mit Radio Caracol.

StepMap-Karte StepMap

Die territorialen Streitigkeiten zwischen Kolumbien und Nicaragua haben sich in den letzten Monaten verschärft. Am 19. November 2012 hatte der Internationale Gerichtshof (IGH) die Seegrenze zwischen Kolumbien und Nicaragua neu festgelegt. Die beiden Länder stehen seit Jahrzehnten in einem Streit um das Inselarchipel San Andrés und die umliegenden Seegebiete. Die Inselgruppe, die etwa 100 Kilometer vor der nicaraguanischen Küste und 400 Kilometer von Kolumbien entfernt liegt, wurde 1928 in einem Vertrag Kolumbien zugesprochen.

Nicaragua ratifizierte den Vertrag 1933 unter amerikanischer Besetzung und erklärte ihn 1980 für nichtig. 2007 entschieder der IGH, dass die Inseln weiterhin zu Kolumbien gehören. In einem zweiten Entscheid im letzten November wurde dann die Seegrenze zugunsten Nicaraguas verschoben, wodurch Kolumbien rund 75.000 Quadratkilometer Meeresgebiet verliert. Im September 2013 erklärte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, dass das Urteil nicht umsetzbar sei und er die Ansprüche Kolumbiens „bis zur letzten Konsequenz“ verteidigen werde.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Tomás Fernández

    Na klar, der Mist hat uns auch noch gefehlt hier. Die Herren des Palacio de Miraflores werden den Russen natürlich alle Unterstützung anbieten die sie wünschen. Das kann alles noch „lustig“ werden.
    Es ist fünf Minuten für 12 Uhr. Wenn im dezember nicht Zeichen gesetzt werden stürzt uns das in graue Vergangenheit zurück. Cuba, Nicaragua, Venezuela ist eine Achse die keiner hier will.

  2. 2
    hombre

    Kolumbien ist Kampferprobt und wird Nicaragua im vorbeigehen niederwalzen…und wer kann schon russische Waffentechnik bedienen !!! ;/
    und dass sich Putin wegen eines Looserstaates wie Nicaragua noch die Hände vor den Toren der USA schmutzig macht, kann ich mir nicht vorstellen.
    Der will doch nur sein „Alteisen“ reklamationslos an die Despoten verscherbeln…

    Das wird lustig wenn VZ mit eingreift…

  3. 3
    Caramba

    Ich hoffe, hombre hat recht, was Putin angeht…….aber es geht um viel Öl, und ausserdem um eine Einflusssphäre direkt im Hinterhof der USA. So könnte er sich dafür revanchieren, dass im die NATO in Osteuropa immer näher auf den Pelz rückt, was in Russland nicht nur Putin nervös macht.
    Wenn andererseits VE mit eingreift (und dass Maduro für jeden Scheiss blöd genug ist, hat er zur Genüge bewiesen), wäre das eine grosse Versuchung für die USA, im Hinterhof ein für alle Mal aufzuräumen und dieses „schmutzige rote Pack“ dahin zu schicken, wo sie hingehören. Und mit Kolumbien haben sie eh einen Militärpakt, und auch Air Force im Land stationiert.
    Insgesamt sehe ich da viel Konfliktpotenzial – hoffen wir, dass es nicht soweit kommt.
    Saludos
    dd

  4. 4
    Tomás Fernández

    „Kolumbien ist Kampferprobt und wird Nicaragua im vorbeigehen niederwalzen“
    Kampferprobt hin oder her. Schon mal in Nicaragua gewesen? Zweitens, „und wer kann schon russische Waffentechnik bedienen“. Schon mitbekommen das die sovjets einer der wichtigsten Waffenlieferanten sind? ich glaube du machst es dir ein wenig zu einfach, lehnst dich nach hinten in deinem Stuhl auf der veranda und denkst, pah, Nicaragua, Colombia, Usa, Russen, was ein quatsch.
    Das genau ist das wo die neolinken in Russland schon lange drauf warten. Ein zweites, neues Cuba direckt vor Obamas Haustür. Ausserdem geht es weniger darum das andere russische Waffentechnik bedienen als das Russen Venezuela als Standbein in Südamerika benutzen werden.
    Airforce, Navy bräuchten könnten prima von hier operieren abgesehen von landgestützten Fernlenkwaffen. bete lieber zu Gott das es nicht so kommen möge anstelle es auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn dann, ist ist die derzeitige Lage jetzt hier nur der Anfang…..

    • 4.1
      hombre

      im Stuhl auf der Veranda ist es zwar in Bogota etwas laut aber man sieht entschlossene Gesichter hier wenn es um deren Traumstrände auf St. Andres geht…
      Glaub nicht mal im Traum daran das Kolumbien auch nur einen Millimeter nachgibt. Gegen Kolumbien wird sich Putin nicht wagen, dafür sorgen schon die amerikanischen Militärbasen im Land.

      Eben drum weil Putin dort sein Alteisen hinliefert wo ein roter Socken sich damit eher selbst erschiest noch bevor er schnallt das Kimme und Korn auf der falschen Seite ist!

      Mach mal nicht soviel Wind…St. Andres bleibt bei Kolumbien!

      Es hilft auch kein Beten wenn ein roter zündelt…da gibts eine aufs Maul und wie Caramba schon meint, VZ holt sich vermutlich dabei unverhofft eine blutige Nase…

    • 4.2
      Caramba

      Hola Tomaz,

      ich muss hombre leider recht geben. Mal abgesehen von irgendeiner Einmischung von aussen (USA, RU, VE Costa Rica etc) hat Nicaragua nicht den Hauch einer Chance. In diesem Konflikt wären wohl die Marine und die Luftwaffe entscheidend, da keiner von Beiden die Möglichkeit hat, schwere Waffen in die Region zu transportieren (wie die paar uralten T55, die Nicaragua hat). In Punkto Luftwaffe ist Nicaragua lächerlich unterlegen, der modernste Jet den sie haben ist MIG 21 aus Vietnam-Zeiten, und davon haben sie keinen einsatzbereit. Dan kommen schon MIG17, die Anfangszeiten von Jets, die sind schon historisch wertvoll, aber kaum ein Gegner. Ausserdem mangels Ersatzteilen keine der 15 einsatzfähig. Dagegen stehen in Kolumbien 70 moderne US-Jets (F16/F18) mit gut trainierten Piloten, dazu – Marine und Luftwaffe zusammen – gut 80 Helikopter, etliche davon schwer bewaffnet und ideal, um Bodentruppen zu bekämpfen.
      Bei der Marine sieht es ähnlich aus. Nicaraguas Militär mag dazu taugen, die eigene Bevölkerung zu terrorisieren, gegen eine echte Armee haben sie keine Chance. Bei einer Invasion in Nicaragua wäre die Guerilla Komponente vielleicht eine mögliche taktische Variante, aber das steht hier ja nicht zur Debatte. Den Trumpf können sie weder auf dem Meer, noch in der Luft oder auf den Inseln einsetzen. Bleibt nur Kamikaze – und selbst wenn sie jedes eigene Flugzeug in ein kolumbianisches Schiff stürzen, hat Kolumbien immer noch genug übrig, um ihnen gehörig den Marsch zu blasen. Und dann wären sie echt sauer……
      Ne ne, wenn Nicaraguas Präsident für 5 cent Hirn hat, lässt er sich nicht auf einen bewaffneten Konflikt ein, solange nicht die Russen wirklich Truppen und Gerät schicken. Ein paar Jets zu liefern wird nicht reichen – selbst erfahrene Piloten brauchen etliche Stunden, um ein neues Modell zu lernen. Also werden es wohl Russen sein müssen……was eine Kriegserklärung an die USA wäre. Ich glaube – hoffe! – nicht, dass Putin wirklich den 3. Weltkrieg riskiert……
      Und ich hoffe, dass Nicaragua die Füsse still hält und nicht für etwas sterben geht, was sie eh nie hatten. Andererseits – wenn sich die roten gerne selber auslöschen, warum nicht……
      Saludos
      dd

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