Gefängnisse in Lateinamerika: Authentische Schulen des Verbrechens

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Häftlingen leiden unter unwürdigen Haftbedingungen (Foto: Archiv)
Datum: 18. November 2013
Uhrzeit: 09:22 Uhr
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Autor: Redaktion
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In fast allen Ländern Lateinamerikas werden die Haftanstalten immer häufiger von kriminellen Banden kontrolliert. Die Gefängnisleitungen verlieren mehr und mehr die Kontrolle über die Justizvollzugsanstalten, Resozialisierung der Gefangenen ist eine Utopie. Das Problem der organisierten Kriminalität innerhalb der Mauern der Gefängnisse tritt vor allem in Venezuela, Kolumbien und in den Ländern Zentralamerikas auf.

Argentinien ist schockiert von einer Serie von Ausbrüchen, die in verschiedenen Gefängnissen des Landes stattfanden. Alleine in den letzten drei Monaten entkamen mehr als 50 Häftlinge. In diesem Jahr wurden 21 gewaltsame Todesfälle und 426 Fälle von Folter registriert. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass die Ausbrüche nur „mit Hilfe von innen“ und damit durch korrupte Beamte gelingen konnten.

Laut der Nationalen Kommission für Menschenrechte werden in Mexiko 60 Prozent der Gefängnisse selbst verwaltet. Das bedeutet, dass die organisierte Kriminalität eine eigenverantwortliche Gestaltung durchführt und sämtliche Schlüssel zu den Vorhängeschlössern der Übergänge von einem Sektor zum anderen besitzt. Seit 2010 konnten mehr als 500 Häftlinge entkommen, fast 400 Gefangene kamen bei verschiedenen Bandenkämpfen ums Leben.

Als besonders kritisch wird die Situation in Venezuela bezeichnet. Nach Angaben der staatlich nicht kontrollierten „Venezuela Prisons Observatory“ wurden in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 289 Häftlinge getötet und 423 verwunden – im gleichen Zeitraum flohen 110 Inhaftierte. Seit 1999, dem Jahr, in dem Hugo Chávez sein Amt antrat, starben 21.961 Gefangene. Das Gefängnis-System hat eine Kapazität für 16.539 Häftlinge, 52.933 Häftlinge sind unter teils menschenunwürdigen Bedingungen in den Zellen zusammen gepfercht (Überfüllung von 220%).

Als Reaktion auf einen Gefängnisaufstand schickte das Regime am 24. Januar 2013 die Nationalgarde in das Gefängnis Uribana. Was folgte war ein Gemetzel: 61 Häftlinge, zwei Besucher und ein Offizier wurden getötet. Am 16. September fand ein Kampf zwischen zwei rivalisierenden Banden um die Kontrolle im Gefängnis Sabaneta statt, 16 Häftlinge starben. Die Kapazität der Haftanstalt liegt bei 700 Gefangenen, mehr als 4.000 sind dort untergebracht. Während der Operation wurde festgestellt, dass in Sabaneta etwa 200-300 Kinder unter 9 Jahren mit ihren Eltern in extrem prekären Bedingungen leben.

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