Lateinamerika: Stiftung Preußischer Kulturbesitz erwirbt Reisetagebücher von Alexander von Humboldt

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Skizze des Humboldtschen Werks „Vues des Cordilleres", Kontur des Berges. Humboldt beschreibt in der Notiz die Lage des Berges in der Nähe von Quito/Ecuador (Foto: Staatsbibliothek zu Berlin - PK / Fotostelle)
Datum: 04. Dezember 2013
Uhrzeit: 13:30 Uhr
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Autor: Redaktion
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Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher erworben. Er verfasste diese teils in deutscher, teils in französischer Sprache während seiner großen Entdeckungsreise durch Mittel- und Südamerika in den Jahren 1799 bis 1804. Diese einmaligen und international höchst bedeutenden historischen Schriften gelten als die zweite, die wissenschaftliche Entdeckung Amerikas. Es handelt sich um knapp 4:000 Seiten, dicht beschrieben und mit eigenhändigen Skizzen Humboldts versehen. Der Kauf der Reisetagebücher wurde durch die außergewöhnliche Unterstützung von öffentlichen und privaten Förderern ermöglicht.

Alexander von Humboldts Tagebücher sind, neben seinen Briefen, die bedeutendsten erhaltenen Originaldokumente seiner Reisen. Es sind herausragende wissenschaftliche, reiseliterarische und persönliche Aufzeichnungen eines Universalgelehrten. Humboldt notierte darin alles, was er gesehen, erarbeitet, gemessen und verglichen hatte und zu welchen Erkenntnissen er gekommen war. Diese Aufzeichnungen nutzte er nach seiner Rückkehr nach Europa für seine Veröffentlichungen. Während jedoch die Reiseberichte „Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent“ (Paris 1805-1839) nur ein Drittel der fünfjährigen Amerika-Expedition schildern, umfassen die jetzt erworbenen Tagebücher den gesamten Reiseverlauf. Die Tagebücher sind bislang nicht vollständig ediert. Diese Quellen zum Wissen, zu den Forschungen und zur Arbeitsweise Alexander von Humboldts stehen der Wissenschaft zur Verfügung.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagt zu dem Kauf der Tagebücher: „Die Bewahrung dieser Werke für den Forschungsstandort Deutschland war mir ein Herzensanliegen. Humboldts Aufzeichnungen stehen für den Beginn der modernen Wissenschaft mit einer bislang unerschlossenen Vielfalt und Menge an Beobachtungen. Sie gehören ganz sicher zu den wichtigsten Desiderata der Forschung zum 19. Jahrhundert. Diese Jahrhunderterwerbung war für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nur durch die umfassende und engagierte Hilfe der öffentlichen und privaten Förderer zu realisieren. Ihnen gilt mein ganz besonderer Dank. Ich danke auch dem Verkäufer, der darauf verzichtet hatte, die Tagebücher international anzubieten, sondern ausschließlich mit der Stiftung verhandelt hat.“

Für die Staatsbibliothek zu Berlin äußert sich Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf: „Die Amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts ergänzen aufs Beste den ebenfalls zum Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin gehörenden Nachlass des Forschers und Gelehrten. Durch Digitalisierungs- und Erschließungsprojekte sowie neue Editionsvorhaben wird die bedeutendste Quellensammlung zum Lebenswerk Humboldts künftig einer breiten interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.“

Humboldts Tagebücher haben eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Sie befanden sich bisher im Eigentum eines der Nachkommen Wilhelm von Humboldts und Eigentümers des Schlosses Tegel des früheren Wohnsitzes Wilhelm von Humboldts, von dem sie nach der bekannten Überlieferung im Mai 1945 durch die Rote Armee abtransportiert und in die Moskauer Lenin-Bibliothek überführt wurden. 1958 übergab die Regierung der Sowjetunion im Rahmen einer großen Rückgabeaktion von Kulturgut die Werke an die Deutsche Staatsbibliothek in Ost-Berlin. Dort wurden sie als Depositum verwahrt. Nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten und mit der Zusammenführung der Staatsbibliotheken in Ost- und West-Berlin gelangten die Tagebücher 1992 an die SPK. Diese gab sie an den Verkäufer als Eigentümer zurück und verwahrte sie für ihn in der Staatsbibliothek als Depositum, bis sie 2005 in das Archiv des Schlosses Tegel zurückgeführt wurden. Die Verhandlungen für die jetzige Veräußerung an die Stiftung führte auf Seiten des Verkäufers der Kunstberater Cristoph Graf Douglas.

Die Erwerbung durch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erfolgte zum überwiegenden Teil aus öffentlichen Fördermitteln, die von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Berliner Lottostiftung zur Verfügung gestellt wurden. Der Ankauf war jedoch nur durch das zusätzliche große Engagement weiterer Förderer möglich. Die Kulturstiftung der Länder, die Stiftung Würth Group, die Hermann Reemtsma Stiftung, die VolkswagenStiftung, die Deutsche Bank AG, die Robert Bosch Stiftung, die Gerda Henkel Stiftung und die Fritz Thyssen Stiftung stellten dafür finanzielle Mittel zur Verfügung. Damit der Kaufpreis insgesamt im Jahr 2013 bezahlt werden kann, hat sich die Ernst von Siemens Kunststiftung durch die Vorfinanzierung eines größeren Betrages ebenfalls beteiligt.

Der Verkäufer wird den weit überwiegenden Teil des Erlöses aus dem Verkauf zur weiteren Erhaltung und Pflege des Schlosses Tegel, der Grabstätte und seines Parks verwenden, ein Ensemble, dessen Bedeutung als geistesgeschichtliches Dokument für das Leben und Wirken der Brüder Humboldt kaum überschätzt werden kann, und das öffentlich zugänglich ist. Dort ist auch eine bedeutende Forschungsbibliothek zu den Brüdern Alexander und Wilhelm von Humboldt untergebracht.

Die Universität Potsdam und die Staatsbibliothek zu Berlin führen ab 2014 das ambitionierte Forschungsprojekt „Alexander von Humboldts Amerikanische Reisetagebücher“ durch. Es steht unter der Leitung des international renommierten Humboldt-Experten Prof. Ottmar Ette. Im Rahmen dieses vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten Projekts wird die konservatorische Sicherung, Kontextualisierung und Digitalisierung der Bestände erfolgen. In das Verbundprojekt sind weitere Forschungseinrichtungen mit einbezogen wie etwa die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.

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