Kuba: „Revolution“ auf dem Rückzug

kommunisten

Datum: 25. Dezember 2013
Uhrzeit: 14:28 Uhr
Ressorts: Leserberichte
Leserecho: 8 Kommentare
Autor: Henri Sánchez, Berlin (Leser)
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Unter Präsident Raúl Castro hat Kuba den Weg zum Kapitalismus begonnen. Internationale Wirtschaftsanalysten sind sich allerdings darüber einig, dass der eingeschrittene Weg des Altkommunisten und Bruders von Fidel Castro mehr als ein Jahrzehnt und eine große politische Schlacht in Anspruch nehmen wird.

Alles begann im Juli 2006, als das kubanischen Staatsfernsehen eine knappe Aussage von Fidel Castro ausstrahlte. Dieser gab bekannt, dass er sich einer Notoperation unterziehen müsse und vorübergehend die Staatsgeschäfte an seinen Bruder Raúl übergeben werde. Der Mann, der jeden Aspekt des Lebens auf der Insel für fast ein halbes Jahrhundert bestimmte, schien am Ende seines Weges angekommen zu sein. Fidel überlebte und trotzdem markierte der Juliabend den Beginn eines langsamen, aber irreversiblen Abbaus des Kommunismus (offiziell „Sozialismus“).

Raúl Castro, der die Geschicke Kubas formal im Februar 2008 übernahm, versucht seitdem mit tiefgreifenden sozialen und politische Implikationen der moribunden Wirtschaft Leben einzuhauchen. Unter anderem hat er ein paar der vielen kleinen Einschränkungen, die den Kubanern das Leben erschweren, abgeschafft. Rund 130 politischen Häftlinge hat er die Freiheit geschenkt, seine Regierung unterzeichnete den UN-Pakt über die Menschenrechte. Inzwischen schimpfen die Kubaner weit offener als früher auf die Diktatur, Forderungen nach Demokratie und freien Wahlen werden allerdings noch immer gewaltsam zum Schweigen gebracht. Die Kommunistische Partei bleibt weiterhin die einzige legale politische Partei auf Kuba.

Die Wirtschaftsreformen, die in 313 „Leitlinien“ vom Parteitag der Kommunistischen Partei im April 2011 genehmigt wurden, werden langsam und mit großer Vorsicht durchgeführt. Dies, weil sie mit hartnäckigem Widerstand innerhalb der Partei und der allgegenwärtigen Bürokratie konfrontiert sind. In der Tat scheut das Regime das Wort „Reform“, geschweige denn „Übergang“. Dies resultiert aus den Zusammenbruch der Sowjetunion, ein Ereignis, das die greise Führungsriege Kubas traumatisierte. Offiziell werden die Änderungen als eine „Aktualisierung“, in dem „nicht-staatliche Akteure“ und „Genossenschaften“ gefördert werden, beschrieben. Allerdings ist es egal, wie die staatlich manipulierten Medien und ihre dümmlichen Nachplapperer aus dem Ausland dies zu verkaufen versuchen: Das gescheiterte kommunistische System ist auf dem Rückzug.

Als die Sowjetunion 1991 zusammenbrach, glaubten viele Außenstehende, dass der Kommunismus auf Kuba in den letzten Zügen liege. Als Reaktion darauf erklärte Fidel einen nationalen Notstand, genannt „Die Sonderperiode in Friedenszeiten“. Er öffnete die Insel für ausländische Investitionen und Massentourismus, gleichzeitig legalisierte er kleine Familienbetriebe. Die Gestalt des Retters kam aus Venezuela. Der inzwischen verstorbene Hugo Chávez überschwemmte Kuba mit billigem Öl, die eine oder andere Milliarde US-Dollar gelangte auf undurchsichtigen Wegen in die Kassen des bankrotten Regimes.

Fidel regierte Kuba durch die ungezügelte Ausübung seines massiven Ego, er zentralisierte alle Macht in seinen Händen. Raúl Castro ist bescheidener, von Natur aus ein „Delegator“ und Team-Bilder. Politikwissenschaftler bezeichnen Fidel oft als „Don Quijote“, seinen Bruder als „Sancho Panza“. Raúl scheint sich bewusst, dass der kubanische Kommunismus auf geborgter Zeit lebt. Die Wirtschaft des Landes ist höchst unproduktiv, seine berühmten sozialen Dienste sind nicht mehr bezahlbar.

Zudem ist die kubanische Führung gerontokratisch: Fidel ist 87, Raúl 82 und das Durchschnittsalter des Politbüros über 70 Jahre. Die „Históricos“, wie die Kämpfer der Revolution genannt werden, sterben aus und haben keine sichtbaren Nachfolger. Raúls Möglichkeit, das System zu institutionalisieren, hat sehr spät begonnen. „Entweder wir berichtigen die Dinge, oder wir haben keine Zeit mehr“, warnte er in einer Rede im Dezember 2010.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Herbert Merkelbach

    Ich frage mich was geschehen würde, wenn die Ökonomie Venezuelas kollabierte und kein venezolanisches Erdöl den Weg nach Kuba fände?
    Dann wäre auch dieses sozialistische Paradies auf unserem Erdball verschwunden und die Realität zöge Eingang: neue Industrien würden erstehen, die Demokratie bekäme wieder ihren Platz, der Lebensstandard der Bevölkerung wüchse wieder.
    Noch ist es leider noch nicht so weit aber die Biologie in Bezug auf zwei Berufsrevolutionäre und Administratoren der Insolvenz ist gemäß des Naturgesetzes nicht aufzuhalten.

  2. 2
    Alfredo

    Was wäre denn die Alternative?Freiheit und Demokratie?Für die Menschen auf Kuba würde sich nicht viel ändern,nur hätten sie nun einen anderen „Ausbeuter“.Wie sieht es denn auf den anderen Karibik Inseln oder in Südamerika aus?Noch gibt es die Libreta und das kostenlose Gesundheitssystem,von dem die Armen in diesen „freien Demokratien“nur träumen können.

  3. 3
    Soledad

    Angesichts dieses wahren Artikels werden die linken und kommunistischen Amateur-Blogger in Berlin wieder jaulen—und das ist gut so.

  4. 4
    Der Bettler

    Alfredo,Sie Träumer,was faseln Sie da unter kostenlosen Gesundheitssytems ? Sie werden zwar kostenlos behandelt,oder operiert,aber jede Narkose,jede Spritze, jede Infusion,jegliches Verbandmaterial,jeden Tupfer,jeden Faden zum zunähen,jede Schmerztablette usw,müssen Sie teuer
    bezahlen,und zum Teil selbst besorgen.Jede Krücke selber kaufen,nicht wie bei uns vom Krankenhaus als Leihgabe.Die Krankenzimmer eine Katastrophe,Schimmel an den Wänden und total
    verschmutzt.Da frage ich Sie,wo es angenehmer ist,behandelt zu werden.Ich brauche ein Inhalierpulver gegen meine chronische Bronchitis,bezahle ich hier 550.-Bolis für ein Monat falls es nicht erst bestellt werden muß.Von wegen kostenfreies Gesundheitssystem.Träumt nur schön in euren sozial abgesicherten Ländern weiter,vom Sozialismo 21,übrigens was versteht ihr überhaupt unter Sozialismus.Venezuela ist zu einer handfesten Diktatur mutiert,und vom echten Sozialismus so weit entfernt wie die Sonne.

    • 4.1
      jose

      Worüber schreiben Sie, Herr Bettler?
      Über Cuba oder Ihr Paradies, die Isla Margarita?

  5. 5
    Der Bettler

    Ich habe über Venezuela geschrieben,weil die Isla keine eigenen Gesetze hat.Herr Alfedo hat über andere Karibikinseln und Südamerika geschrieben,von Libreta? und kostenlosen Gesundheitssystem.
    Und da es in Kuba,sowie in Venezuela außer einer kostenlosen Behandlung nichts kostenlos gibt,habe ich nun über Venezuela geschrieben.In Venezuela ist es halt so,wenn man dringend eine Behandlung brauchen würde,bist du schon lange gestorben bis du nach Stunden mal drankommst.
    Weiß ich nur von Freunden,und einige haben das Öffentliche auch nicht mehr verlassen.In den sogenannten privaten Kliniken ist es auch nicht viel besser,erst mal löhnen,sonst wirst du gar nicht behandelt.Ich habe auch von 7 Uhr morgens bis 9 Uhr abends,auf meine Fußoperation warten müssen.Weder was zu trinken noch zu essen bekommen.Also das Gesundheitssystem hier ist äußerst bescheiden.Ich werde auch nicht über Kuba schreiben,denn ich schreibe nicht über ein Land das ich kaum kenne,nicht so wie unsere Sofa potados aus Deurschland,die überall ihren Senf dazugeben aber hinten und vorne keine Ahnung haben.Gesinnung ist das Eine,aber Realität ist die andere Seite.

  6. 6
    Lothar Wannhoff

    Cuba ist seit vielen Jahren ein grosses Vorbild für alle Länder Amerikas, die sozialen Indikatoren wie eine Kindersterblichkeit unter 5 / 1000 sind werte, die selbst die USA nicht erreichen. Dazu die höchste Lebenserwartung – da kann man sehen, was man mit einem solidarischen politischen System alles erreichen kann, anstatt das Geld einer Elite in den Rachen zu werfen .Zum Glück ist
    Cuba inzwischen in fast ganz Lateinamerka von Freunden umgeben, die mit dem Kapitalismus und der Ausbeutung Schluss machen. Besonders hervorzuheben sind u.a Evo Morales und Nicolas Maduro – beide Länder sind auf einem sehr guten Weg.

    • 6.1
      Herbert Merkelbach

      Dem widerspreche ist. Kuba ist und wird kein Vorbild für Lateinamerika sein, außer natürlich dem jetzigen Regime in Venezuela.
      Wirtschaftlich ist Kuba bankrott und wird nur durch die Unterstützung Venezuelas am Leben erhalten.
      Die Frage ist nur: wie lange noch?
      Die politischen/wirtschaftlichen Formen eines Sozialismus, eines Sozialismus des 21. Jahrhunderts, eines Kommunismus a la Sowjetunion bzw. eines Sozialismus/Kommunismus wie ihn Nordkorea betreibt, sind alle zum Scheitern verurteilt, früher oder später, ohne Ausnahme.
      Übrigens, verraten Sie den Lesern dieses Internetauftrittes einmal Ihr süßes Geheimnis: wer ist der Author Ihres Textes?

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