Venezuela: Internet-TV ermöglicht Raum für kritische Stimmen

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EUTV will die führende unabhängige TV-Nachrichtenquelle in Venezuela werden (Foto: Screenshot)
Datum: 31. Dezember 2013
Uhrzeit: 10:27 Uhr
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Autor: Redaktion
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In der Ära Hugo Chávez haben in Venezuela Dutzende lokale Radio- und Fernsehsender aus „technischen und administrativen Gründen“ ihre Lizenzen verloren, gleichzeitig trieben die Behörden den Aufbau eines staatlich kontrollierten Rundfunksystems voran. Nachdem sich vor mehreren Monaten (Aprils 2013) der letzte wirklich unabhängige Nachrichten-Sender Globovision von seiner politischen Ausrichtung verabschiedet hatte und nicht mehr über Korruption, galoppierende Inflation und dramatische Planungsmängel und politischen Missbrauch berichtet, hatte das linksgerichtete Regime einen weiteren Teilerfolg auf dem Weg zur Gleichschaltung der Medienlandschaft erreicht.

Der Bevölkerung soll eine Fantasiewelt vorgegaukelt werden, die allerdings nur in den Köpfen der Traumtänzer im Miraflores existiert. Am 18. November ist der Internet-TV-Kanal EuTV auf Sendung gegangen, ohne die beste Bildschärfe und mit dem Aussehen eines Community-TV in einer kleinen Stadt. Die Betreiber haben ein ehrgeiziges Ziel und wollen die führende unabhängige TV-Nachrichtenquelle in Venezuela werden.

Ursprünglich war EuTV für die zweite Hälfte des Jahres 2014 geplant. „Die aktuellen Umstände haben uns allerdings überzeugt, dass wir diesen Prozess beschleunigen müssen. Der Bevölkerung unseres Landes wird von der Regierung immer mehr eine Fantasiewelt vorgegaukelt, die so nicht existiert“, erklärt Juan Aguerrevere, Vorstandsmitglied von „El Universal“.

Der Hauptsitz des Senders befindet sich im Gebäude von „El Universal“ in der Innenstadt von Caracas. Die venezolanische Tageszeitung hat eine durchschnittliche tägliche Ausgabe von über 80.000 Exemplaren (200.000 sonntags). Die politische Ausrichtung ist rechtsliberal. Neben den allgemeinen politischen Informationen konzentriert sich die Zeitung hauptsächlich auf Nachrichten aus der Wirtschaft, was sich auch am Börsenteil ausdrückt. Bisher erscheint täglich auch eine Online-Ausgabe.

EuTV hat 30 Mitarbeiter und überträgt täglich etwa fünf Stunden. Die Programmliste enthält unter anderem Interviews und Analyseprogramme von längerer Dauer. Täglich werden drei Nachrichtenblocks mit einer Dauer von 15 Minuten ausgestrahlt, die nicht mit Propagandamaterial der Regierung durchsetzt sind. Viele der Journalisten und Moderatoren stammen von Globovision, die an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz unter den fadenscheinigsten Gründen gefeuert wurden oder die Regierungsausrichtung des Senders nicht mit ihrer journalistischen Ehre vereinbaren konnten.

„Unser neuer Sender ist einer der wenigen Orte, wo man sich noch frei äußern kann“, so Víctor Díaz, technischer Direktor von EuTV. „Herkömmliche TV-Kanäle, die über die Realität im Land berichten, sind der verstärkten Kontrolle der Regierung ausgesetzt und in ihrer Berichterstattung nicht mehr frei und unabhängig. Sie sollen über ein Fantasy Island berichten, das nicht existiert“, bekräftigt Díaz.

Nach seinen Worten steht der Sender allerdings vor gewaltigen Hindernissen. Weltweit gibt es nur wenige Internet-TV-Kanäle mit festen Zeitplan. Die meisten von ihnen strahlen nur gelegentlich Nachrichten-Videos auf ihren Websites aus. Es bleibt abzuwarten, ob das traditionelle TV-Publikum das Internetangebot wahrnimmt und vollständige Nachrichtensendungen anschaut.

Internationale Studien belegen, dass dem Nutzer oft die Geduld fehlt, Nachrichten bis zum Ende zu sehen. Das vielleicht größte Hindernis in Venezuela ist allerdings das langsame Internet, wodurch es häufig Verzögerungen bei den im Netz übertragenen Videos gibt. Laut William Peña, Direktor von Caracas Inside Telecom, beträgt die durchschnittliche Bandbreite in Venezuela nur rund 500kb/s. Die minimale Übertragungsgeschwindigkeit, mit der Videos gerade noch in ausreichender Qualität gestreamt werden können, liegt nach seinen Worten bei 2 Megabyte pro Sekunde – die vierfache Datenübertragungsgeschwindigkeit von Venezuela.

„Zu Spitzenzeiten ist die Geschwindigkeit des Internets in unserem Land sehr langsam. Die Leute wollen einen ununterbrochenen Nachrichtenfluss sehen, der nicht wie aktuell ständig durch die Pufferung unterbrochen wird“, so Peña. Umfragen hätten ergeben, dass die User EuTV oftmals überhaupt nicht sehen können. Allerdings sind die Verantwortlichen des Senders zuversichtlich, dass sich die im Moment zu Verfügung stehende Bandbreite allmählich erhöht.

„Angesichts der Einschränkung der Redefreiheit in unserem Land eröffnen wir dem interessierten Zuschauer eine Möglichkeit, unzensierte Sendungen und Nachrichten zu empfangen. Wir können eine Alternative zu den traditionellen Plattformen werden, auf denen die Freiheit der Meinungsäußerung nicht mehr existiert. Nun gibt es eine andere Option – diese heißt EuTV“, bekräftigt Aguerrevere.

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