Wale spielen auf zum Tanz

Delphin

Datum: 22. März 2010
Uhrzeit: 19:06 Uhr
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Autor: Otto Hegnauer
Sprachkurs Spanisch (Südamerika)

Als mich am 20.Januar 1998 „meine“ Seminarklasse Wettingen 1954 besuchte, schrieb ich darüber. Die Fahrt auf dem Katamaran auf die Insel Gonâve hatte ihre Höhepunkte: der Katamaran und dessen Besatzung, die Fahrt über das bewegte Meer und die begleitenden Kleinwale und Delphine.

Dass uns spielende Delphine begleiteten, ihre Paraden tanzten und sich in ausgerichteten Gliedern kreuzweise übersprangen kannte ich bereits von anderen Meerfahrten. Aber eine Walschule hatte ich noch nie gesehen. Ich glaubte zuerst, es handle sich bei den Dutzenden von Kleinen, die ihre Köpfchen aus dem Wasser streckten und uns neugierig beäugten, um eine Robbenart. „Non, baleines!“ klärte uns der Kapitän auf. Vor Staunen vergaßen wir, uns weiter zu erkundigen, das Stöbern in den Quellen war ja immer noch möglich.

Danach bringen Wale in der Regel ein einziges Junges zur Welt, man nennt es „Kalb“. Die Geburt wird von mehreren Artgenossen als „Hebammen“ unterstützt. Die Babys sind schon vollentwickelt und werden von den Müttern und von „Tanten“ mit extrem fettreicher Muttermilch aus speziellen Milchdrüsen gesäugt.

Je 10 bis 50 Tiere werden zu einer „Walschule“ mit einer festen Hierarchie zusammengefasst; demnach müssten ja noch etliche andere Elterntiere in der Gegend sein. Vorrangige Stellungen werden durch Beißen, Schieben und Rammen bestimmt. Normalerweise kommt es nur zu friedlichen Kontaktaufnahmen. Dabei spielen Kontaktschwimmen, gegenseitiges Streicheln und Stupsen eine große Rolle. Bekannt sind ebenfalls die spielerischen Verhaltensweisen, die sich in Luftsprüngen, Saltos, Wellenreiten oder Flossenschlagen äußern und auch bei ausgewachsenen Tieren vorkommen.

Wale sind meist äußerst gesellig und haben ein hoch entwickeltes Sozialverhalten. Zur Paarungszeit können die Gruppen weit über 1.000 Tiere umfassen. Auch Vergesellschaftung mit anderen Walarten ist dabei möglich.

Zur Kommunikation untereinander geben die männlichen Tiere gesangsähnliche Töne und Melodien von sich. Die Wallieder sind über hunderte von Kilometern im Wasser zu hören. Jede Walsippe entwickelt ihren eigenen Gesang und wird daran erkennbar. Sogar ein Einzelwal lässt sich an seinem Gesang identifizieren. Wale sind zur Erzeugung von über 600 unterschiedlichen Lauten fähig und übertreffen damit selbst unser Stimmrepertoire. Vergleiche älterer mit heutigen Tonaufnahmen zeigen, dass sich die Zusammensetzung der Laute im Lauf der Jahre verändert.

Mein Freund wurde als bester Kapitän und Kenner der karibischen Gewässer bezeichnet. Bei einem späteren Besuch erklärte er mir, einer der gerade anwesenden Wale sei ein Einzelgänger und werde von einem amerikanischen Forschungsschiff begleitet. Er arbeitete mit den Walforschern zusammen. Das Forscherteam auf dem Schiff verstehe die „Walsprache“ und habe mit seinen Sensoren entdeckt, dass ihr Beobachtungsobjekt mit einem Artgenossen im Mittelmeer kommuniziere, über eine Distanz von rund 8000 Kilometern. Das war viel mehr als ich bisher aus Büchern gelernt hatte.

Spätere Besucher bei mir hätten es sich viel kosten lassen, den Mann und sein Wunderschiff wieder zu finden. Aber leider ist mein Freund samt seinem, ebenfalls sensorbespickten Katamaran, mit seinen einmaligen Informationen und den Walen aus Haiti verschwunden.

Ich muss mich deshalb an andere Bücher halten. Unter den Walen finden wir die größten Tiere, die jemals auf der Erde gelebt haben, selbst Saurier erreichten nicht solche Dimensionen. Rekordhalter mit einer Körperlänge von bis zu 33,5 Metern und einem Gewicht von bis zu 200 Tonnen ist der Blauwal, damit das größte Tier aus der Erdgeschichte.

Wale sind neben den Seekühen die einzigen vollständig an das Leben im Wasser angepassten Säugetiere. Sie verbringen ihr ganzes Leben im Wasser und sind nicht in der Lage, an Land zu überleben. Gestrandete Wale trocknen schnell aus, das eigene Körpergewicht drückt ihre Lungen zusammen oder bricht ihnen die Rippen, da der Auftrieb des Wassers fehlt, oder sie sterben aufgrund ihrer guten Wärmeisolation an Hitzschlag.

Wale sind Luftatmer und besitzen Lungen. Je nach Art können sie zwischen einigen Minuten bis zu mehr als zwei Stunden ( z. B. Pottwal ) unter Wasser bleiben. Wale zeichnen sich auch durch eine für höhere Säugetiere ungewöhnliche Langlebigkeit aus. Manche Arten, wie etwa der Grönlandwal ( Balaena mysticetus ), können ein Alter von über 200 Jahren erreichen. Anhand der Jahresringe der knöchernen Ohrkapsel konnte das Alter des ältesten bekannt gewordenen Exemplars, eines Männchens, auf 211 Jahre zum Zeitpunkt seines Todes bestimmt werden.

Vor allem das Militär und die Geologie bedienen sich starker Sonare und erzeugen zusammen mit Sprengungen und Schiffsverkehr in zunehmendem Maße Lärm in den Ozeanen. Meeressäuger, die Biosonare zur Orientierung und Kommunikation verwenden, werden dadurch nicht nur behindert, sondern auch zu panischem Auftauchen veranlasst. Dabei kommt es zum Ausperlen von im Blut gebundenen Gasen, woran das Tier dann verendet, da die Gefäße blockiert sind, sogenannte Dekompressions-Unfälle ( beim Menschen als „schwerer Tauchunfall“ bekannt ).

Nach Marineübungen mit Sonareinsatz werden regelmäßig verendete Wale angespült, die Gasblasen in den Gefäßen haben. Der Schall reicht sehr weit und entfaltet seine verhängnisvolle Wirkung noch in über hundert Kilometern Umkreis. Abhängig von den eingesetzten Frequenzen sind unterschiedliche Arten stärker oder weniger betroffen. Es wird die Forderung erhoben, dass vor entsprechenden ausgedehnten Einsätzen von Sonartechnik zunächst, gegebenenfalls ebenfalls mit Sonar, ausgeschlossen werden muss, dass sich viele Meeressäuger in der Umgebung befinden.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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