Lateinamerika: Weltweit höchste Abholzungsrate in Paraguay

indigene

Viehzuchtbetriebe beabsichtigen die letzte Zuflucht unkontaktierter Ayoreo im Wald zu zerstören (Foto: Survival)
Datum: 21. Januar 2014
Uhrzeit: 08:18 Uhr
Leserecho: 4 Kommentare
Autor: Redaktion
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Eine neue wissenschaftliche Studie enthüllt, dass der Chacho-Wald in Paraguay – die letzte Zuflucht unkontaktierter Ayoreo-Indianer – durch die höchste Abholzungsrate der Welt zerstört wird. Die Studie der Universität von Maryland kommt zu dem Befund, dass “die Wälder in Paraguays Chaco (…) rapide Abholzung durch die Entstehung von Rinderfarmen erfahren. Das Ergebnis ist die höchste Abholzungsrate der Welt.”

Diese dramatischen Satellitenbilder zeigen das unfassbare Ausmaß der Zerstörung, die im Chaco zwischen 1990 und 2013 stattgefunden hat. Das Gebiet, das die Ayoreo als ihr angestammtes Land beanspruchen, ist einer der letzten verbliebenen Flecken Wald. Wie viele andere indigene Völker weltweit, hängen die unkontaktierten Ayoreo für ihr Überleben vom Wald ab und haben diesen seit Jahrtausenden geschützt.

Erst kürzlich sorgte eine Entscheidung von Paraguays Umweltministerium für Entsetzen, als den brasilianischen Viehzuchtfirmen Yaguarete Pora S.A. und Carlos Casado S.A. (Tochter der spanischen Unternehmensgruppe Grupo San José) eine Genehmigung zur Abholzung des Waldes der Ayoreo erteilt wurde, obwohl dieser innerhalb eines geschützten UNESCO-Biosphärenreservates liegt.

Die unkontaktierten Ayoreo leben auf der Flucht vor den Baggern, die ihren Wald zerstören. Jeder Kontakt mit den Viehzüchtern könnte für sie tödlich enden, da sie keine Abwehrkräfte gegen Krankheiten von Außerhalb gebildet haben.

In einem nachdrücklichen Aufruf an den UN-Sonderberichterstatter für die Rechte indigener Völker erklärte die Ayoreo-Organisation OPIT: “ Die Viehzucht-Projekte von Yaguarete und Carlos Casado auf dem angestammten Land der Ayoreo-Totobiegosode würden ihr Waldsystem mit all seinen natürlichen Ressourcen auslöschen und verwüsten.”

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  1. 1
    Roni Muff

    Ich bin im Chaco geboren und gross geworden, doch vor 15 Jahren nach Europa gezogen. Als ich vor vier Jahren den Teil von Asuncion bis Mcal Estigarribia mit dem Fahrrad fuhr, musste ich immer wieder weinen, wieviel Wald verschwunden war und es wird jedes Jahr schlimmer. Damals schrieb ich viel darüber, änderte meine ganze Esskultur, redete mit vielen Leuten über die Angelegenheit, doch mich erschreckte das Desinteresse hier in Europa. Mir kam es bei vielen Menschen so vor, dass, wenn ihnen das gewohnte Stück Fleisch aus Südamerika auf ihrem Teller fehlte, fanden sie es als Einschränkung ihrer Freiheit.
    Das dafür Südamerikas Kleinbauern ihr letztes Stück Land verlieren, weil sie von Grossgrundbesitzern überrollt werden und die letzten wildlebenden Ayoreos, von uns als Kindern damals Moros genannt, ihr Daheim genommen wird, nur…, und das will ich ganz besonders betonen, nur weil wir im Wohlstand auf unser südamerikanisches Stück Rindfleisch nicht verzichten können, dass ist zum Weinen und zum Schreien und zum Verzweifeln. Politiker, wacht endlich auf, noch ist es nicht zu spät!!!

  2. 2
    Der Bettler

    @ Roni Muff,Sie muessen das alles der Regierung von Paraguay erzaehlen ,die verteilen die Genehmigungen zum abholzen von Waeldern!! Ich lebe seit fast 2 Jahrzenten in Venezuela,und muss feststellen,dass das suedamerikanische Rindfleisch auch nicht viel anders mundet,als von den europaeischen Rindviechern.Die Profitgier haelt auch vor Suedamerika nicht an.Also die Menschen nicht ueberreden von Koernern zu leben,wenn in Deutschland genuegend zur Auswahl ist,um auf paraguayisches Rindfleisch zu verzichten. Es tut mir leid fuer die Indigenen,und den Waeldern,aber das hat das Goberno zu verantworten.

    • 2.1
      Martin Bauer

      „…muss feststellen,dass das suedamerikanische Rindfleisch auch nicht viel anders mundet,als von den europaeischen Rindviechern.“
      Also, da hab ich aber gänzlich andere Erfahrungen gemacht. Hier in Venezuela ist die Fleischqualität weit jenseits alles Europäischen. Zwar hat die brasilianische Fleischindustrie den Standard für Exportware drastisch gesenkt, durch brutale Mastmethoden, Fütterung fragwürdiger Substanzen und vollpumpen des Fleisches mit Wasser, und die Argentinier sind bestrebt, es denen gleich zu tun. Aber auch das schmeckt noch besser als das Fleisch vom feinsten europäischen Bio-Rind. mir jedenfalls. Für mich das Non-Plus-Ultra an Rindfleisch kommt aus Uruguay. Hoffentlich gehen die nicht auch den Weg der Fleischmafiosi! Und hoffentlich muss der Wald dafür nicht sterben!

  3. 3
    Roni Muff

    Hallo Bettler
    Wie ich mich informiert habe, reicht das Fleisch, das hier produziert wird, nicht mehr, um die Nachfrage zu decken. Deshalb wird z.B. von Südamerika Fleisch inportiert. Ist die Ernährung von Körner nicht eine sinnvolle Ergänzung, oder aber auch Lebensmöglichkeit? Für mich ist das eine Frage der Umstellung. Nur noch wenig Fleisch aus gesundem lokalem Anbau und der Rest der Ernährung sind Gemüse und Körner.
    Und sie haben recht, ich muss es der paraguayischen Regierung erzählen. Können Sie sich aber vorstellen, dass es solchen Regierungen, wie der paraguayischen, nicht interessiert, was ich denke? Wir können etwas bewegen, wenn wir alle bewusster leben. Was nicht gekauft wird, muss nicht mehr produziert werden. Im übrigen: Ein Grossteil der Paraguayer könnenn sich ihr eigenes Rindfleisch im Land nicht kaufen und ernähren sich von Körner wie Mais und Soja oder vom vitaminarmen Maniok.

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