250.000 Zwangsräumungen: Die andere Seite der Weltmeisterschaft und der Olympischen Spiele in Brasilien

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Zwangsumsiedlungen stehen nicht im wirtschaftlichen und sozialen Kontext des Landes (Foto: portalpopulardacopa)
Datum: 22. Januar 2014
Uhrzeit: 11:45 Uhr
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Das südamerikanische Land Brasilien fiebert zwei Mega-Sportevents entgegen. Vom 12. Juni bis zum 13. Juli 2014 finden im größten Land Lateinamerikas die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft und vom 5. bis 21. August 2016 die Olympischen Sommerspiele statt. Um die dafür notwendige Infrastruktur zu schaffen, wurden nach Schätzungen von Aktivisten 250.000 Menschen aus dem Umfeld der neuen Sportarenen verdrängt.

Das Netzwerk der Bürgerkomitees „Articulação Nacional dos Comitês Populares da Copa“ (ANCOP) hat bereits in der Vergangenheit mehrfach protestiert und die brasilianische Regierung dazu aufzurufen, die Zwangsräumungen zu stoppen. Die negativen Auswirkungen der beiden großen internationalen Sportveranstaltungen stünden nicht im wirtschaftlichen und sozialen Kontext des Landes. ANCOP betonte, dass die Zwangsräumungen vor allem sozial ausgegrenzte Gruppen, Migranten und Bewohner von Slums und informellen Siedlungen betreffen. Deshalb wurde ein Programm für Ausgleichzahlungen für die Betroffenen gefordert.

„Was hier geschieht, ist ganz klar eine soziale Säuberung. Viele Sportstätten wurden absichtlich so entworfen, damit das Land der Armen besetzt werden kann.
Die Einheimischen werden vertrieben und statt sie wie durch ein dafür vorgesehenes Gesetz in nahe gelegene Gebieten umzusiedeln, werden sie in entfernte Bezirke gefahren, die bis zu 60 Kilometern von ihren ehemaligen Häusern entfernt liegen“, beklagt Nelma Gusmão de Oliveira von der Universität „Estatal del Sudoeste de Bahia“ (UESB).

Laut Oliveira wurden die von den Organisatoren getätigten Bauarbeiten für Infrastrukturprojekte in der Umgebung von wohlhabenden Vierteln viel vorsichtiger ausgeführt. Abrisse wurden nach ihren Worten vermieden, gleichzeitig fanden nur absolut notwendige und minimale Belästigungen/Störungen für die dort angesiedelten Bewohner statt. Dies sei ein sehr starker Kontrast zu der vorherrschenden Situation in den Armenvierteln (Favelas).

Der Staat bietet den Bewohnern bei einer Umsiedlung eine Barabfindung in Höhe von rund 2.200 US-Dollar an. Diese Summe liegt deutlich unter dem Marktwert der bisher bewohnten Behausung und macht es dem Vertriebenen damit unmöglich, eine neue Immobilie in der Nähe des alten Wohnorts zu kaufen.

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