Lateinamerika: Revolutionäre in Venezuela und anderswo

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Die Wahrheit in Venezuela aus Sicht staatlich nicht kontrollierter/manipulierter Medien (Foto: Archiv)
Datum: 18. März 2014
Uhrzeit: 12:12 Uhr
Leserecho: 6 Kommentare
Autor: (Leser)
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Als ich in den 1980er Jahren zum ersten Mal Nicaragua besuchte – es war die Zeit der sandinistischen Diktatur -, fielen mir an zahlreichen Straßenkreuzungen in der Hauptstadt Managua merkwürdige Gebilde auf. Es waren übereinander gestapelte Sandsäcke, die eine Art Schießstand darstellten, wie man ihn noch aus alten Filmen kennt, zum Beispiel für den Wachposten vor einer Kaserne. Auf Nachfragen erfuhr ich von offizieller Seite, dass man sich so für den Fall einer US-amerikanischen Intervention wappnen wolle….

Bekanntlich sind die Amerikaner nicht in Nicaragua einmarschiert. Sie hatten vermutlich auch Wichtigeres zu tun, als sich mit einem kleinen mittelamerikanischen Land zu beschäftigen. Und die wackligen Sandburgen an den Straßenkreuzungen hätten sie auch kaum aufgehalten. An diese Beobachtung muss ich denken, wenn ich heute die Berichte über Venezuela lese. Auch dort rechtfertigen die Machthaber die unsinnigsten Maßnahmen stets mit dem drohenden Einmarsch der USA. Und auch dort wird die „Verteidigung der Revolution“ stets irgendwelchen Komitees mit martialischen Namen übertragen:

In Venezuela heißen sie Unidades de Batalla Bolivar Chávez – UBCH (Kampfeinheiten Bolivar Chávez) oder auch Bolivarische Milizen. In Kuba nennen sie sich Comités de Defensa de la Revolución – CDR (Komitees zur Verteidigung der Revolution). In Ecuador sind es die Comités de la Revolución Ciudadana – CRC (Komitees der Bürgerrevolution). In Nicaragua hießen sie „Turbas diviñas“ (Göttliche Horden) und in der untergegangenen DDR waren es bekanntlich die „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“.

Dabei handelt es sich regelmäßig um bewaffnete Parteiarmeen oder Stasi-ähnliche Spitzelorganisationen. In Venezuela hat der verstorbene Staatspräsident Hugo Chávez den unverzeihlichen Fehler begangen, diese Milizen bis an die Zähne zu bewaffnen. Er wollte damit seine Macht absichern. Auch ein gewisses Misstrauen gegenüber der regulären Armee dürfte eine Rolle gespielt haben.

Die „Kampfeinheiten“ haben zwar getan, was von ihnen erwartet wurde, nämlich regelmäßig oppositionelle Demonstranten niederzuknüppeln. Sie haben ihre Waffen aber vorwiegend für kriminelle Raubzüge jeder Art eingesetzt. Dieses von der PSUV (Partido Socialista Unido de Venezuela – Sozialistische Einheitspartei Venezuelas!) geförderte Bandenunwesen ist der eigentliche Grund für die ausufernde Kriminalität in Venezuela, das inzwischen zu den unsichersten Staaten der Welt gehört. Genau dagegen richten sich die immer zahlreicheren Demonstrationen der Bevölkerung.

Autor:
Edgar Lamm, Mitglied des Vorstands der IGFM-Sektion Deutschland (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte)

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  1. 1
    Martin Bauer

    Zumindest für Venezuela kann ich das aus eigenem Erleben voll bestätigen. Diese Colectivos sind mittlerweile so gut organisiert, bewaffnet und selbstbewusst, dass sie auch im Falle eines Regierungswechsels eine bleibende Gefahr bilden werden. Diese Typen fühlen sich wichtig, sie haben Geld, eine gewisse Macht und geniessen die Art von „Respekt“, die auf durch Terror erzeugte Angst basiert. Ihre gesetzeskonformen Alternativen wären Armut, Arbeitslosigkeit, Bedeutungslosigkeit…, das Leben, das sie zuvor geführt haben. Dahin wird man sie nicht zurück drängen können. Fällt die Finanzierung durch die Regierung weg, werden sie versuchen, dies durch verstärkte kriminelle Aktivitäten, wie Drogenhandel, zu kompensieren. Politische Motive werden in den Intergrund treten und bestenfalls als nostalgisch, romantisches Alibi für organisierten Terror und Raub herhalten müssen. Auch diese Leute zu entwaffnen, was schwer sein dürfte, wird keinen dauerhaften Erfolg bringen, solange man die Strukturen nicht zerschlägt. Erfahrungsgemäss sind dazu Haftstrafen nicht dienlich, denn im Knast vernetzen sich die Strukturen und konzentriert sich die Macht, selbst wenn die Inhaftierten nie mehr raus kommen.
    Eine der Erblasten des Chavismus wird eine Mischung aus mörderischer Bandenmafia und Warlords sein, für die mir, auch nach längerem Überlegen, kein anderes Gegenmittel einfällt, als systematischer Abschuss. Und das ist ethisch wie juristisch undenkbar. Venezuela wird mit ihnen leben müssen. Danke, Chávez!

  2. 2
    Der Bettler

    Sage ich auch, danke Chavez,er hat die pro mit Waffen und allen versorgt,und jetzt das große Kotzen
    Aber,es gibt noch Hoffnung,denn unsere Studenten werden nicht aufgeben,über 30 Rgierungsgegener wurden schon ermordet,Diese Diktatur darf nicht mehr bestehen bleiben.

    • 2.1
      Alba

      Ja, es reicht, nicht noch mehr Tote und vor allem nicht bei der Elite eines Landes, wir müssen den Studenten so oder so schon den Rest unseres Lebens dankbar sein.

  3. 3
    babunda

    einen nach den anderen der colectivos einzeln abknallen.

  4. 4
    Alba

    Artikel und Beitrag von M. Bauer sind völlig richtig, Lösung? Kann man diesen „Menschen“ nicht die venezolanische Staatsbürgerschaft entziehen? Sie auf Boote setzen und einen Kompass mit Richtung Kuba mitgeben? Soll sich doch Raúl um sie weiter kümmern, vielleicht kann er sie ja als Kanonenfutter nach Russland verkaufen? Schwierige Angelegenheit, Venezuela wir viele Probleme nach Sturz der Diktatur haben, und es werden auch nicht alle gelöst werden können, jedenfalls nicht sofort. Da werden mehrere Generationen zu knabbern haben, denn ein aufflackern der Chavez Idee wird es immer wieder geben, kaum läuft es nicht so wie geschmiert, ruft man gerne nach dem „straken Mann“ und was die machen, bueno, das wissen wir doch alle, nächste Diktatur. Und es reicht jetzt mal mit Diktaturen, ein für alle mal.

    • 4.1
      Martin Bauer

      Kuba hat sie doch ausgebildet. Man würde sie erneut in andere Länder schicken, oder gegen das eigene Volk einsetzen. Die müssen einfach weg, ansonsten richten sie permanent Schaden an, egal wo sie sind.

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