Schweiz: Bolivien will den „Ekeko“ zurück

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Frontansicht des Bernischen Historischen Museums (Foto: Bernisches Historisches Museum, Alexander Gempeler)
Datum: 11. April 2014
Uhrzeit: 09:21 Uhr
Leserecho: 10 Kommentare
Autor: Redaktion
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Das Bernische Historische Museum in der Schweiz besitzt seit 1929 eine kleine Figur aus grünem Stein aus dem Andenhochland von Bolivien. Die etwa 16 cm hohe Figur gelangte 1858 in Tiwanaku/Bolivien, wo sie als «Gott der Diebe» verehrt wurde, unter Einsatz einer Flasche Cognac in den Besitz des Schweizer Naturforschers und Linguisten Johann Jakob von Tschudi (1818–1889). Von dessen Erben hat das Bernische Historische Museum die Figur 1929 käuflich erworben. Sie ist heute Teil einer Dauerausstellung. Bolivien verlangt nun die Figur zurück und Restitutionsforderungen sind komplex und zeitaufwändig Das Bernische Historische Museum ist grundsätzlich bereit, Objekte aus seiner Sammlung bei begründeten Ansprüchen zurückzugeben. Dies geschieht in Übereinstimmung mit dem Ethikkodex des Internationalen Museumsrates ICOM.

figur

Erstes Treffen im Februar 2013
Ein erstes Treffen mit der für die Schweiz zuständigen bolivianischen Botschafterin mit Sitz in Berlin fand am 15. Februar 2013 in Bern statt. Die Botschafterin informierte das Museum bei dieser Gelegenheit, dass die Steinfigur BHM Inv. Pe 145 ihrer Meinung nach Ekeko darstelle, eine in Bolivien wichtige Gottheit. Drei Monate später (16. Mai 2013) teilte die Botschafterin dem Museum schriftlich ihren großen Wunsch und ihre Bitte mit, diese Figur Bolivien zurückzugeben.

Zweites Treffen im Januar 2014

Am 17. Januar 2014 fand in Bern ein zweites Treffen des Museums mit der Botschafterin statt, an dem seitens Bolivien auch der Vizeaußenminister und der Vizeminister für Dekolonisation teilnahmen. In der wissenschaftlichen Literatur interpretiert lediglich ein bolivianischer Autor diese Figur als eine Darstellung des Ekeko, alle andere Autoren sind der Meinung, die Figur im Pukara-Stil aus der Zeit zwischen 200 v.Chr. und 200 n.Chr. stelle eine Wassergottheit, eine Fruchtbarkeitsgottheit oder einfach eine weibliche Figur dar.

Um die kontroverse Frage, was die Figur überhaupt darstelle, zu klären, einigten sich beide Parteien darauf, gemeinsam Gutachten von Experten einzuholen. Die Anfrage für die Gutachten wurde Ende März 2014 verschickt. Es ist davon auszugehen, dass die Gutachten in wenigen Monaten vorliegen. Diese werden Grundlage für die weiteren Verhandlungen zwischen dem Museum und Bolivien sein. Das Bernische Historische Museum geht davon aus, dass am Ende der Verhandlungen mit Bolivien eine für beide Parteien befriedigende Lösung stehen wird. Sobald die Verhandlungen abgeschlossen sind, wird das Bernische Historische Museum über die Lösung informieren.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Martin Bauer

    Der Gott der Diebe, „eine in Bolivien wichtige Gottheit“, und das schon seit 1858…!
    Wenn das stimmt, was soll man dann vom Wertesystem eines solchen Volkes halten? Kein Wunder, dass Bolivien eine sozialistische Regierung mit einem verblödeten Coca-Bauern an der Spitze hat!

  2. 2
    Herbert Merkelbach

    Wann werden sich die Stimmen in Lateinamerika erheben und das von den Spaniern über Jahrhunderte geraubte GOLD zurück zu fordern?

    • 2.1
      Martin Bauer

      Wozu? Wenn sie Ekeko, zurück haben, können sie sich wieder klauen, was sie wollen.
      In Venezuela gilt der Ekeko als Glücksbringer, nicht als Gott der Diebe. Scheint zu funktionieren, denn die Venezolaner sind ja alle glücklich. Und Diebe gibt es hier ja keine…

      • 2.1.1
        Evi Allenmann

        Wieso denn so zynisch Herr Bauer? Kehren Sie doch nach Europa zurück. Da ist es besser. Da sind keine Diebe, da sind alle lieb zueinander, alle leben in Frieden nebeneinander, es gibt kein Arm und Reich und von Machtgelüsten spricht da keiner. Aber das Allerwichtigste: die Europäer leben die volle, echte, diskussionslose Demokratie aus. Da können sie ja ohne schlechtes Gewissen über andere Systeme urteilen. Oder sich aber über Ekeko aufregen…

      • 2.1.2
        Martin Bauer

        Sieht es danach aus, dass ich mich über den Ekeko aufrege? Da gibt es wirklich andere DInge…

  3. 3
    christoph bollinger

    Hallo,

    zurueck mit dem Göttchen in sein Heimatland.
    Dieser Kult-Kunstgegenstand hat doch hier nichts verloren.
    Die internationale Klauerei von solchen Gegenstaenden sollte unter zivilisierten Nationen laengst ein Ende haben.
    Wie doof ist das denn die Figur in Bern stehen zu haben????
    christoph

  4. 4
    Der Bettler

    Das was Herr Bauer geschrieben hat war nicht zynisch,sondern astreine Fakten in Galgenhumor gekleidet.Wenn Sie hier leben,würden Sie das auch verstehen. Und kommt nicht immer mit der alten Leier daher,geht doch zurück nach Europa.Eine Familie,oder Einzelperson,die 20 Jahre und länger hier lebt,und einiges investiert hat,wechselt nicht einen großen Lebensabschnitt wie eine Unterhose.
    Kapiert !!!! Außerdem gibt es in Venezuela und auch in Bolivien weitaus mehr zu beanstanden als über
    so eine bescheuerte Figur zu diskutieren,wo nicht mal feststeht,ob es auch der Diebegott Ekeko ist.
    Der Andenhäuptling will doch wieder nur ein paar Fränkli rausschinden.

  5. 5
    Werner R

    Ich lebe hier und finde das, as Herr Bauer geschrieben hat, nicht zynisch, sondern dämlich. Und es ist durchaus keine alte Leier, er solle doch nach Europa zurück kehren. Respektloses Verhalten im Gastland steht auch Schweizern nicht an. Aber es sind leider nicht immer die Besten, die sich hier nach Bolivien geflüchtet haben.

    • 5.1
      Martin Bauer

      Sie liegen völlig daneben, mit der Interpretation meines Kommentars.
      Wenn ein Volk einen „Gott der Diebe“ hat und diesen als „eine wichtige Gottheit“ verehrt, muss es sich über Spott nicht wundern.

      • 5.1.1
        Adam Koenig

        Meine Guete, wer in der Lage ist zu googeln bzw in wikipedia nachzuschauen ist schon klar von Vorteil.
        Mein lieber Herr Bauer, bevor man anfaengt wie ein Irrer ein anderes Volk zu beschimpfen sollte man vielleicht seine Fakten pruefen. Im Artikel wird Ekeko als Gott der Diebe bezeichnet, dies ist schlichtweg falsch. Auch in Bolivien (ich lebe in Bolivien) ist Ekeko ein Gott der Fruchtbarkeit, des Gluecks und des Ueberflusses. (es gibt jedes Jahr in La Paz ein ca einmonatiges Volksfest zu Ehren des Ekeko)
        Ich habe schon als Jugendlicher gelernt alle Informationen die mir entgegengeworfen werden noch einmal zu ueberpruefen. Vielleicht lernen sie das in ihrem Leben ja auch noch?

        Hier ein link auf die spanische Wikipedia. Sie verstehen spanisch, oder?
        http://es.wikipedia.org/wiki/Ekeko

        Ich will jetzt keine neue politische Diskussion beginnen. Aber als Europaer Lateinamerikaner als Diebe zu beschimpfen ist schlichtweg zynisch. Schauen sie doch mal auf ihr Tafelsilber, vielleicht steht da „made in potosi“ oder besser „stolen from potosi“ drauf.

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