Erntepleite für Brasiliens Kaffeehändler: Dürre Zeiten für den Verbraucher?

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Ausbleibender Regen sorgt für ein Drittel weniger Kaffee-Ernte in Brasilien (Foto: Fernando Mafra/Flickr/CC)
Datum: 26. April 2014
Uhrzeit: 13:12 Uhr
Leserecho: 3 Kommentare
Autor: Redaktion
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In Brasilien hält die schlimmste Dürre seit 40 Jahren weiter an. Trotz erster Regenschauer in den vergangenen Wochen liegt die Niederschlagsrate der letzten Monate deutlich unter dem Durchschnitt: im Januar und Februar fiel weniger als die Hälfte der Regenmenge pro Quadratmeter und auch im März blieben 90 Prozent der für diese Jahreszeit typischen Regenmassen aus. Neben der Angst um die brasilianische Trinkwasserversorgung geht dadurch auch die weltweite Debatte um steigende Kaffeepreise in die nächste Runde. Schon Anfang April berichtete unser Portal über die Probleme der Dürre und ihre Folgen für den Kaffeeexport.

Nun aber ist klar: die Hitze hat die Kaffeeernte deutlich dezimiert und auf den Plantagen bleibende Schäden hinterlassen. Die Produzenten vor Ort berichten von ausgetrockneten oder leeren Früchten. Allein in der brasilianischen Hauptanbauregion Minas Gerais im Südosten des Landes rechnet man in diesem Jahr mit bis zu 30 Prozent Ernteverlust. Hochgerechnet auf die Saison 2014/15 fehlen dadurch ungefähr 11 Millionen Sack Kaffee am Markt. Ein extremes Angebotsdefizit, dass sich wahrscheinlich noch bis in die nächste Saison fortsetzen wird.

Kaffee so teuer wie seit langem nicht mehr

Nachdem Kaffee in den vergangenen Jahren aufgrund sehr guter und ertragreicher Ernten immer günstiger wurde, machen diese Entwicklungen den lokalen Kaffeeproduzenten nun einen Strich durch die bisherigen Gewinnkalkulationen. Während der Verbraucher bislang von steigenden Preisen verschont blieb, spüren besonders die Kaffeehändler die aktuelle Erntepleite schon jetzt: Ein Pfund Arabica-Kaffee kostet an Terminmärkten zurzeit bis zu 208 US-Cents – soviel wie seit Oktober 2012 nicht mehr.

Inwiefern die steigenden Preise für Rohkaffee letztlich den Konsumenten betreffen werden, ist bisher jedoch noch umstritten. Obwohl große Kaffeeketten wie der Hamburger Konzern Tchibo ihre Kunden schon jetzt auf ihrer Internetpräsenz vor möglichen Preiserhöhungen warnen und Experten die neuen Kaffeepreise spätestens im Juli diesen Jahres auch im Einzelhandel erwarten, zeigen sich andere Instanzen auf dem Kaffeemarkt durchaus optimistisch. Angebotsschwankungen dieser Art wirken sich generell „nur bedingt aus“, äußerte sich beispielsweise Melanie Hansmeier vom Deutschen Kaffeeverband in Hamburg zur aktuellen Lage und erklärte weiterhin, dass der Markt auf solche Komplikationen sowie auf „Jahre mit guten Ernten und Jahre mit weniger guten Ernten“ eingestellt sei.

In den vergangenen Jahrzehnten unterlag Kaffee als Konsumgut einem Wandel vom exklusiven Handelsobjekt zum ultimativen Lifestyleprodukt und ist durch Coffeeshops wie „Starbucks“ und multifunktionalen Kaffeevollautomaten für den Kaffeegenuss daheim spätestens seit den frühen 2000er Jahren fester Bestandteil der Lebenseinstellung einer gesamten Generation. Mit zurückgehenden Verkaufszahlen im Einzelhandel und beim Barista um die Ecke ist daher auch bei steigenden Kaffeepreisen eher nicht zu rechnen.

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  1. 1
    Herbert Merkelbach

    Man soll den Teufel nicht an die Wand malen. Es ist auch entscheidend, welche Ernten in den anderen Kaffee anbauenden Ländern zu verzeichnen ist. Dreißig Prozent weniger Ertrag in Brasilien bedeutet noch lange nicht 30% höhere Preise.

  2. 2
    babunda

    ich war vor 3 tagen in panama auf kaffeeplantagen, dort ist auch eine enorme trockenheit, die bäume stehen in der blüte und es ist extrem trocken zu trocken.

    • 2.1
      Martin Bauer

      Richtig! Wir haben offensichtlich wieder ein „El Niño“ Jahr. In der Gegend südliche der Küstenkordillieren Venezuelas (Maracay-Valencia), hat es seit 6 Monaten nur einmal richtig geregnet, und das auch nur für Minuten. Der Ozean ist relativ kalt, deshalb kommt nicht genug heisse Luft mit Feuchtigkeit zum Festland, weshalb sich dort nicht genügend Wolken bilden können. Das trifft alle Länder der Region, nicht nur ein oder zwei.

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