Dürre in Brasilien: Bevölkerung von São Luís geht wegen Wassermangel auf die Barrikaden

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Karge und ausgemergelte Landschaften in Maranhão (Foto: latina-press/Dietmar Lang/IAP)
Datum: 29. April 2014
Uhrzeit: 10:47 Uhr
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Der Nordosten Brasiliens wird immer wieder von extremen Dürreperioden heimgesucht. Diese wirken sich nachhaltig auf die Ernteerträge dieser landwirtschaftlich geprägten Region aus. Ursache der episodisch auftretenden Dürrejahre sind Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation, die unter dem Begriff El Niño-Phänomen zusammengefasst werden. Dabei handelt es sich ursprünglich um Veränderungen der Meerestemperaturen vor der Küste Ecuadors und Perus, die jedoch auch Fernwirkungen (Telekonnektionen) auf andere, weit entfernte Räume ausüben können. Der Mangel an längeren und ausreichenden Niederschlägen hat in São Luís, Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Maranhão, die Stauseen austrocknen lassen – immer mehr Bewohner der Millionenstadt gehen auf die Barrikaden.

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Mehr als 100.000 Menschen in zehn Stadtteilen sind von der direkten Wasserversorgung aus dem Stausee „Batatã“ (Kartoffel) abhängig, die anderen werden mit Wasser aus den Tiefbrunnen des Systems versorgt. Seit 2008 hat das Reservoir nicht mehr seine maximale Höhe erreicht. Die Wassermenge nahm Jahr für Jahr kontinuierlich ab und hat mit weniger als 5% seiner Kapazität nun das kritischste Niveau in den letzten zehn Jahren erreicht. Sollten sich die Regenfälle nicht bis Ende Juli intensivieren, könnte sich die Situation noch verschlimmern. Ab dem Monat August beginnt die Zeit der Dürre, die bis Anfang Januar dauert.

In den letzten Tagen blieben die Wasserhähne in mehreren Stadtteilen trocken, andere Verwaltungsbezirke werden auf rotierender Basis (jeden zweiten Tag) mit dem kostbaren Nass versorgt. Die Bevölkerung drückte ihren Unmut mit Protesten aus, mehre Straßen wurden mit brennenden Reifenstapeln blockiert. Am schlimmsten sind die Bewohner in den armen Wohngebieten betroffen – sie waren für fast 30 Tage ohne Wasser.

Neben den geringen Niederschlägen ist die illegale Wasserentnahme für die Misere verantwortlich. Zusätzlich wurde in den letzten Jahren immer mehr die Ufervegetation entfernt, was zur Verschlammung des Stausees führt. Ebenfalls wird der Wasserwirtschaftsgesellschaft CAEMA Missmanagement und Korruption vorgeworfen. Experten weisen allerdings darauf hin, dass die massive Entwaldung in der Region ebenfalls für die Dürre verantwortlich zeichnet. Studien belegen, dass in Maranhão seit 1980 riesige Waldflächen abgeholzt wurden um Platz für den Anbau von Soja zu schaffen. Der anhaltende Wirtschaftsboom zeigt inzwischen auch die Kehrseite der Medaille. In São Luís werden Industrieparks und Wohnsiedlungen aus dem Boden gestampft, diese benötigen für ihren reibungslosen Betrieb eine gewaltige Menge der inzwischen knapp gewordenen Wasserressourcen.

Laut der Meteorologin Andréa Cerqueira liegen die Niederschläge in diesem Jahr alle unter dem normalen Mittelwert für São Luís. Bis zum heutigen Tag (29. April) betrug die Niederschlagsmenge in der Hauptstadt 711,9 Millimeter – der normale Mittelwert liegt bei 1.521,2 Millimeter und damit rund 56% höher als die für die ersten vier Monate des Jahres aufgezeichneten Niederschläge. „Im Mai gehen unsere Prognosen davon aus, dass die Regenfälle ebenfalls unterhalb der durchschnittlichen Erwartung von 316 Millimeter liegen“, so Cerqueira.

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