Lateinamerika: Survival kritisiert Jimmy Nelsons ‘Portraits’ indigener Völker

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Die Bilder von Waorani-Mädchen aus Ecuador beispielsweise zeigen sie aller Kleider beraubt, die kontaktierte Waorani normalerweise tragen (Foto: Jimmy Nelson/teNeues)
Datum: 03. Juni 2014
Uhrzeit: 03:10 Uhr
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Autor: Redaktion
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Die Arbeit des bekannten Fotografen Jimmy Nelson wird von Survival Internationals Direktor Stephen Corry heftig als „anmaßender Quatsch“ kritisiert. Das Buch des Autors des erfolgreichen Fotobandes „Before they pass awayer“ wecke demnach einen falschen und schädlichen Eindruck von indigenen Völkern.

Nelson hat erklärt, dass sein knapp 130 Euro teurer Fotoband mit „Portraits“ indigener Völker aus dem Wunsch entstand, „alte Zivilisationen zu suchen (…) und ihre Reinheit an Orten zu dokumentieren, in denen unberührte Kultur noch immer existiert“. Die „Kulturen“, die er fand, seien angeblich seit „Tausenden von Jahren unverändert“. Nelsons Bilder sind gegenwärtig in Berlin ausgestellt.

Corry kritisiert die Arbeit als Fantasie eines Fotografen, die wenig mit dem gemeinsam hat, wie die Menschen auf den Fotos heute aussehen oder je ausgesehen haben.

Die Bilder von Waorani-Mädchen aus Ecuador beispielsweise zeigen sie aller Kleider beraubt, die kontaktierte Waorani normalerweise tragen. Sie bedecken stattdessen mit Blättern ihre Scham, was die Waorani auch früher nicht getan hätten (Waorani-Frauen trugen früher Hüftschnuren).

Corry kritisiert, dass Nelson nicht nur ein fiktives Portrait indigener Völker zeigt, sondern auch über die mörderische Gewalt hinweggeht, die viele Völker aus dem Bildband erleben. Nelson gibt stattdessen vor, dass solche Völker vor dem „unausweichlichem Dahinscheiden“ gerettet werden können, einfach indem man sie fotografiert.

„Angesichts der riesigen Aufmerksamkeit, die das Buch von Jimmy Nelson erhalten hat, glaube ich, dass es wichtig ist, das Buch als die schädliche Fantasie zu entlarven, die es ist. Es ignoriert die Verbrechen, die an diesen Menschen im Namen des ‚Fortschritts’ begangen wurden“, erklärte Corry.

Corry sagte weiter: „In der Beschreibung der Mursi in Äthiopien beispielsweise gibt es keine Erwähnung der Zwangsvertreibungen, des Verschwindenlassens, der Schläge und Angriffe, denen sie ausgesetzt sind. In der Beschreibung der Tibeter findet sich keine Erwähnung von Chinas brutaler Unterdrückung. Es gibt keine Erwähnung der rund 100.000 Papua, die Schätzungen zufolge seit der unbarmherzigen Besetzung durch Indonesien umgekommen sind. Nein, die indigenen Völker scheiden ganz einfach dahin, es ist ihr „unausweichliches“ Schicksal. Das ist gefährliche Effekthascherei, die in die Hände jener spielt, die wollen, dass diese Völker so schnell wie möglich ‘dahinscheiden’.“

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