Haiti: Die Urwälder von Moncel

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Föhrenwälder auf 1.600 Metern, daneben riecht es nach Tannen, kühle und frische Luft (Fotos: latinapress/Otto Hegnauer)
Datum: 24. Juni 2014
Uhrzeit: 08:42 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Otto Hegnauer
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Wohlverstanden, fernab jedes Nationalparks, jedes Schutzgebietes, kaum den Einheimischen bekannt: Föhrenwälder auf 1.600 Metern, daneben riecht es nach Tannen, kühle und frische Luft, hie und da ein Wanderer oder ein einsames Reiterpaar – auch das ist Haïti – wenn auch völlig unbekannt. Haïti wurde von 10.000 Journalisten verzerrt, die jeweils einen oder zwei Tage hier strandeten – das reicht halt nicht um hier herauf zu fahren. Zudem liest niemand gern von flötenden Bergvögeln und quakenden Fröschen, zu Haïti gehören sich ausschließlich Götter und Geister, Trümmer und Tote. Wenn es sich in Haïti nicht um Hunger, Armut und Katastrophen handelt, steigen die meisten Leser schon zum Voraus aus.

Ihr habt richtig gelesen: tropische Urwälder richten sich eben auch nach den Vegetationszonen der Höhenstufen, weltweit. Heißt dass über der Laubholz- eine Nadelholzregion aufsetzt, dominiert eben von Föhren. Föhren die niemand gesetzt hat, deren Samen von Südamerika her mit dem Wind transportiert wurden und hier gestrandet sind, besonders auf den südlichen Bergketten. Es sind natürliche Wälder mit natürlicher Bergluft, nicht verpestet durch Holzkohlemeiler, nicht versehrt durch die gefräßigen Köhler. Eben Urwälder, Berg-Urwälder. Die dicht bewachsenen Flachland-Urwälder, die wir uns vorstellen, die sind seit Indianerzeiten verschwunden.

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Auf einem der höchsten Punkte der südlichen Kordillere, hoch und direkt über der Prinzenstadt, liegt der Moncel, die Rigi Hispaniolas, mit seinem prächtigen Berghotel, mit einigen Bungalows und Chalets rundum, die ein wenig an Gstaad oder Grindelwald erinnern. Mitten zwischen dem Golf von Port-au-Prince und dem Karibischen Meer. Es gibt hier eine herrliche Aussicht, und herrliche Salatbuffets und andere Leckerbissen, doch muss man keine Billigpreise erwarten, die Preise sind ähnlich wie überall in der „normalen“ Welt.

Es gibt keine Wegweiser, Ausnahmen sind direkt auf die Felsen aufgemalt, und keine Land- und Wanderkarten. Das Finden ist etwas schwierig, ein guter Führer ist angesagt. Wahrscheinlich wäre es möglich, ein prächtiges Netz von Wanderwegen zu entdecken, nur müssen die erst erschlossen werden. Vermutlich könnte man, mit der nötigen Streckenkenntnis das Gebirge auch überqueren und verschiedene malerische Abstiege auf die Karibische Seite entdecken. Das Schreiben eines Reiseführers wäre zwar angesagt, entspricht aber weder meinem Stil noch meinem Bedürfnis. Ich schreibe da lieber für die Armen, denen kommt auch alles zugut. Du weisst, mein fünftes Buch ist gerade unterwegs, das über die „Schule unter dem Mangobaum“.

Besonders in der Umgebung von Hochplateau und Krete finden sich zahlreiche Lagerhäuser, in denen Ferienkolonien für die Kinder der Reichen untergebracht sind. Dass hier weder Wasser noch einiger Lagerkomfort fehlen, versteht sich von selbst. Nach Abschluss der Sommerfrische stehen diese Unterlünfte das ganze Jahr über wieder leer. Bis in die Gipfelregion führt zum Teil eine „zweigleisige“ Strasse, zweigleisig weil für die linke und rechte Seite der Vierradfahrzeuge separat vorgesorgt ist. Vor Beginn dieser eigenwilligen Konstruktion muss sich der Fahrer allerdings mit einer struben Piste begnügen und sich in Vierradtechnik auskennen.

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Die exklusive Haiti-Kolumne im latina press Nachrichtenportal von Otto ‚Swissfot‘ Hegnauer. Der ehemalige Lehrer lebt seit mehreren Jahrzehnten auf Haiti und berichtet exklusiv von seinem täglichen Leben auf der Insel Hispaniola.

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