Lateinamerika: Costa Rica prüft Beitritt zum Petrocaribe

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Petrocaribe wird zunehmend zum russisches Roulette (Foto: Archiv)
Datum: 11. Juli 2014
Uhrzeit: 10:27 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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Die Regierung von Costa Rica hat am Donnerstag (10.) angekündigt, dass sie die Möglichkeit eines Beitritts in das Petrocaribe-Abkommen prüfen wird. Petrocaribe ist ein Abkommen von Juni 2005 für Erdöllieferungen zum Vorzugspreis von Venezuela an einige Karibikstaaten. Das Abkommen erlaubt Käufe zum Marktpreis, aber nur 40 % müssen bei einem Ölpreis von über 100 US-Dollar innerhalb einer Frist von 90 Tagen gezahlt werden. Der Rest kann über 25 Jahre zum Zinssatz von 1 % geschuldet werden. Die Karibikstaaten, darunter Haiti, die Dominikanische Republik und Kuba, können zu diesen Konditionen bis zu 185.000 Barrel am Tag erwerben. Auch Bezahlungen mit Waren oder Dienstleistungen (Tauschhandel) sind möglich.

In einer Pressekonferenz gab Melvin Jiménez (Minister der Ratspräsidentschaft) bekannt, dass die Regierung des zentralamerikanischen Landes den Preis für Kraftstoff und Strom für die Bevölkerung reduzieren will. Derzeit kostet ein Liter Superbenzin in Costa Rica 1,50 US-Dollar (Normalbenzin 1,44) – ein absoluter Höchststand in der Geschichte.

„Die Regierung wird eine technische, politische und wirtschaftliche Analyse durchzuführen, um die Vorteile eines Beitritts zum Petrocaribe-Abkommen zu beurteilen“, so Jiménez. Schätzungen der linksgerichteten Partei „Partido Frente Amplio“ gehen davon aus, dass ein Beitritt zu einer Verringerung der Kraftstoffpreise um 26 Prozent und Strom um 40 Prozent führen wird.

Christian Gischler, Senior Energie-Spezialist bei der Inter-American Development Bank (IDB), hat bereits vor Monaten darauf hingewiesen, dass sich Venezuela in einer Finanz-und Wirtschaftskrise befindet. Erdöllieferungen zum Vorzugspreis werden von Caracas in Zukunft nach oben angepasst werden, zudem spielt Schiefergas (in Tonsteinen gespeichertes Erdgas) eine immer wichtigere Rolle.

“Wir sagen: Jungs, ihr müsst langsam aufwachen und einen Plan für den Übergang haben”, bekräftigt Gerard Johnson, Spezialist für die Karibik bei der IDB. “Es ist nicht klug, jeden Tag russisches Roulette zu spielen. Die Petrocaribe ist ein Glücksspiel und die Hände in den Schoss zu legen wird zunehmend gefährlicher”, fügte er hinzu.

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  1. 1
    Martin Bauer

    Sonderbares Glücksspiel, bei dem auch immer nur die Bank gewinnt. Und die sitzt in Miraflores. Warum finanziert Costa Rica seine Energie nicht mit Drogenanbau und -export? Das wäre weniger unanständig, als sich mit der PSUV-Bande einzulassen.

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