Das Märchen vom Wirtschaftskrieg in Venezuela

madburo

Datum: 10. August 2014
Uhrzeit: 09:59 Uhr
Ressorts: Leserberichte
Leserecho: 5 Kommentare
Autor: Vinicius Love, Caracas (Leser)
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Nach Meinung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro wird von Washington aus ein Wirtschaftskrieg gegen sein Land geführt. Dem Ex-Busfahrer ist es in Wahrheit nicht gelungen, einen ökonomisch sinnvollen und vor allem realistischen Weg einzuschlagen. Ganz im Stil seines verstorbenen Vorgängers Chávez versucht er, die hausgemachten Probleme zu verschleiern und die Schuld anderen zu geben. Wie auf Kuba herrschen auch im erdölreichsten Land der Welt katastrophale Zustände, jahrelange Misswirtschaft und eine Planwirtschaft ohne Plan bezeugen den gescheiterten Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Als Indiz für den wirtschaftlichen Absturz der Erdölmacht zeugen Schulden in zweistelliger Milliardenhöhe bei ausländischen Lieferanten und blockierte Gelder von 24 internationalen Airlines (4,1 Milliarden US-Dollar).

Dies hindert Maduro allerdings nicht daran, mit bekannten linken/kommunistischen Phrasen um sich zu werfen. Nachweislich haben Inkompetenz und Korruption dazu geführt, dass ein landesweiter Mangel an Medikamenten, Grundnahrungsmitteln und Ersatzteilen jeder Art herrscht. In der Vergangenheit begrüßenswerte Maßnahmen wie die angekündigte Agrarreform bestehen vor allem aus Propaganda und Vetternwirtschaft und blieben im Symbolischen stecken. Das bolivarische Revolutionsmodell, die Hinterlassenschaft des verstorbenen Hugo Chávez, liegt in den letzten Zügen.

Am Samstag (8.) hat das linksgerichtete Regime angekündigt, seine Grenze zu Kolumbien zu schließen. Mit dieser Maßnahme soll der Schmuggel von Lebensmitteln und Treibstoff verhindert werden. Eine idiotische Politik hat erst dazu geführt, dass sich ein gewisser Personenkreis (hauptsächlich Armee, Polizei und Sicherheitsorgane) durch den Verkauf von stark subventioniertem Treibstoff in den kolumbianischen Grenzstädten eine goldene Nase verdienen. Geschätzte 100.000 Fass Benzin passieren jeden Tag die Grenze. 15% des in Kolumbien verbrauchten Benzins stammen aus Venezuela. Die Gewinne für Schmuggler – und Beamte auf deren Lohnliste – sind immens. Und das Benzin ist nur eines von zahlreichen venezolanischen Billigprodukten, die im Nachbarland landen.

Vom dringend benötigten Kurswechsel sind Maduro und seine Führungsriege weit entfernt. Zu gross ist die Angst, dass eine scharfe Korrektur der Wirtschaftspolitik als Verrat am Erbe des verstorbenen Hugo Chávez ausgelegt werden könnte. Deshalb werden weiterhin Durchhalteparolen in die Welt gesetzt, die inzwischen selbst bei den Chavistas für ungläubiges Kopfschütteln sorgen und Gelächter in den sozialen Netzwerken auslösen. Maduro, der außerhalb Lateinamerikas nicht ernst genommen wird, ist in der Ideologie gefangen und hat die akute Schwächeperiode vom Jahresbeginn überstanden. Die Krise für Venezuela und die Venezolaner wird sich allerdings weiter verschärfen – gerade weil die Bevölkerung von den Sprüchen ihres regierenden Ex-Busfahrers nicht satt wird.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Jens

    Wenn auch der dümmste Venezuelano gemerkt hat, das er verarscht wurde, lynchen sie diesen Penner.

  2. 2
    Herbert Merkelbach

    Der feine Unterschied zwischen dem „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ praktiziert von einer aus Nepoten und Kleptokraten bestehenden Regierungsbande in Caracas und dem in der Zwischenzeit untergegangenen real existierenden Sozialismus in Osteuropa und der ehemaligen UdSSR, ist bzw. war, dass sich die Sozialisten bzw. Kommunisten zumindest bemüht waren, die Industrien ihrer Länder im Produktionsprozess aufrecht erhalten zu haben, mit vielen Problemen, in marxistischer Manier ausschließlich in staatlicher Form.
    In Venezuela erleiden die verstaatlichten Firmen ihre eigenen Debakel bzw. Niedergänge, egal in welchem Industriezweig. Anstatt neue Industrien zu schaffen, verkommen die verstaatlichten. Dazu noch der Kampf der Pseudosozialisten gegen die verbliebene private Industrie Venezuelas.
    Wie bereits im Artikel verdeutlicht, diese Bande ist in ihrer Ideologie gefangen, aus der sie nicht wagt, auszubrechen.

  3. 3
    Martin Bauer

    Ein Kenner der italo-amerikanischen Mafia hat einmal gesagt: „Mafiosi betrachten jeden auf der Welt existierenden Dollar als ihr Eigentum. Ihr Lebensinhalt besteht darin, sich möglichst viel davon zu holen, egal was es andere kostet.“
    Das, und nichts anderes, ist die Misere in Venezuela. Denn die PSUV-Bande hat exakt das gleiche Weltbild. Demnach ist es völlig gleichgültig, wie gut oder schlecht die nationale Wirtschaft läuft. Denn die dümmsten Parasiten saugen ihre Wirte total aus, bis nur noch eine leblose Hülle übrig bleibt. Und etwas Dümmeres, als Typen die rote Fahnen schwingen, findet man selbst in Neo-Nazi Kreisen nicht.

  4. 4
    paulo

    wir koennen hier noch lange vergangenen zeiten herweinen….. fuer nichts
    solange die venzos nicht auf die hinterbeine stehen und ihr recht holen geht nichts in sachen aenderungen

  5. 5
    peter

    http://blog.bazonline.ch/welttheater/index.php/33782/die-superreichen-revolutionaere/

    habe ich gefunden in der baseler Zeitung.

    grüsse aus deutschland

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