Peru: Missionarin kontaktiert bedrohtes Amazonas-Volk

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Ein Boot mit Anwohnern stoppt am Ufer in der Nähe der Mashco-Piro. Die Kinder ziehen die geschenkte Kleidung an. (Foto: Jaime Corisepa/FENAMAD)
Datum: 09. September 2014
Uhrzeit: 12:11 Uhr
Leserecho: 4 Kommentare
Autor: Redaktion
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Ein unkontaktiertes und für eingeschleppte Krankheiten höchst anfälliges Amazonas-Volk wurde an der Grenze des Manu-Nationalparks in Peru von einer Missionarin kontaktiert. Die Kontaktaufnahme schürt die Sorge um die Übertragung von Krankheiten, die das unkontaktierte Volk auslöschen könnten. Berichten zufolge soll die Adventisten-Missionarin aus einer lokalen Indigenen-Gemeinde mit einem Boot des Reiseanbieters Expediciones Vilca ans Ufer gefahren sein, wo sie Kleidung und Lebensmittel für die unkontaktierten Mashco-Piro-Indianer hinterließ.

Nun sind Bilder veröffentlicht worden, die das Zusammentreffen am letzten Samstag (6. September) zeigen. Darauf nehmen die Mashco-Piro die Kleidung und Lebensmittel an, die das Boot kurz zuvor ablud. Erst vor wenigen Tagen hatten Survival International, die globale Bewegung für die Rechte indigener Völker, und die lokale Indigenen-Organisation FENAMAD vor “Menschensafaris” und der zunehmenden Bedrohung gewarnt, die das Aufeinandertreffen von Unkontaktierten und Außenstehenden mit sich bringt.

Doch die Regierung Perus hat bisher keine Schritte unternommen. Kultur-Vizeministerin Patricia Balbuena sagte vergangene Woche sogar ein Notfall-Treffen zwischen FENAMAD und dem Kulturministerium zum Thema ab. Reiseboote fahren regelmäßig entlang des Flusses Madre de Dios, wo die gefährdeten Mashco-Piro gesehen wurden. Kleidung, Lebensmittel und sogar Brausegetränke und Bier wurden für die Indigenen hinterlassen.

Unkontaktierte Völker wie die Mashco-Piro sind die bedrohtesten Gesellschaften unseres Planeten. Perus etwa 15 unkontaktierte Völker sind durch das Eindringen von Außenstehenden bedroht, die mit Gewalt ihre Ressourcen rauben und Krankheiten wie Grippe und Masern einschleppen, gegen die die Indigenen keine Abwehrkräfte ausgebildet haben.

Vor wenigen Wochen ging die Geschichte einer unkontaktierten Indianer-Gemeinde um die Welt, die aus Peru nach Brasilien floh und dort Kontakt mit einer sesshaften Indigenen-Gemeinde aufnahm. Die Unkontaktierten infizierten sich nach kurzer Zeit mit einer Atemwegsinfektion und mussten behandelt werden. Survival und FENAMAD fordern von den peruanischen Behörden, das Eindringen von Touristen und anderen Außenstehen in das Gebiet zu unterbinden; einen Notfallplan zur gesundheitlichen Versorgung umzusetzen, um das Ausbrechen tödlicher Erkrankungen unter den Mashco-Piro zu verhindern; und ihr Schutzgebiet unverzüglich zu vergrößern.

Über 12.000 Personen haben sich bereits an Survivals Eilaktion beteiligt und fordern von den Regierungen Brasiliens und Perus den Schutz des Landes unkontaktierter Völker.

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  1. 1
    Caramba

    Und wieder die christlich-fundamentalistischen Conqistadores, äh, Missionares, die Ausrottung und Leid über die Einheimischen bringen, wohin sie auch gehen – seit 500 Jahren im Namen des Herrn.
    Trotzdem ist der Kontinent > 90% katholisch…….muss Masochismus sein.

  2. 2
    Harald Ort

    Es ist ein sehr grosser Unterschied, ob hier von christlich-fundamentalistischen Gruppen gesprochen wird, die sich schon an der Bekleidung der indigenen Bevölkerung stossen und dann gebrauchte Kleider und evtl sogar Coca-Cola und Bier oder sonstigen Alkohol aus „Nächstenliebe“ schenken.
    Oder ob hier von Vertretern der Katholischen Kirche gesprochen wird. Denn hierzu zählen die Franziskaner und auch Bischof Erwin Kräutler, deren Wirken im krassen Gegensatz zu diesen Gruppen steht. http://plattformbelomonte.blogspot.com/2012/04/bischof-erwin-krautler-kritisiert.html

  3. 3
    Caramba

    Mag sein, dass es heute Mitglieder der kath. Kirche gibt, die Gutes tun.
    Im Verlauf der Geschichte allerdings ist die katholische Kirche wohl das bisher schlimmste Übel, das Südamerika je heimgesucht hat, und was immer sie sich heute für ein Mäntelchen umhängen mag, die Inquisition z.B. existiert noch immer (heisst jetzt Kongregation für Glaubenslehre, ist ungefähr wie KGB und FSB – neuer Name, selber Verein), es wird noch immer der Teufel ausgetrieben, es werden noch immer Messdiener missbraucht, Mafiagelder gewaschen undundund also sry, nein, da mach ich nicht allzu viel Unterschied.

    • 3.1
      Martin Bauer

      Ich wüsste auch nicht, was die katholische Kirche heute Gutes täte. Einige Gruppen und Individuen mögen im Namen des Christentums human und ehrenwert handeln. Ich habe aber noch nicht erlebt, dass der Vatikan sich von eigenem Geld oder Werten trennt, um irgendwo akutes Elend zu lindern. Sein Auftreten jedoch lässt er sich was kosten. Da ist eine mega Show angesagt, die sowohl Hollywood als auch die Rolling Stones provinziell und mickerig erscheinen lassen. Wenn Gott diesen Verein wirklich zu seiner Repräsentanz auf Erdenbestallt hat, kann er es mit der Menschheit nicht gut meinen.

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